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Besucherbergwerk Gleißinger Fels in Fichtelberg: Geschichte, Führung & Anfahrt

Aktuelle Führungszeiten und Anmeldung beim Betreiber:
besucherbergwerk-fichtelberg.de →

  • Eisenglimmer im Granit
  • Nur mit Führung
Handgeschlagener Stollen im Granit mit Lampen und Holzsteg (mit AI erstelltes Bild)AI
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Zeichnung: Schnitt durch einen bewaldeten Granithügel mit Quarzgängen, Stollen, Schacht und unterirdischem WasserfallSchachtGranitQuarzgängeWasserfall
Schematischer Schnitt: Quarzgänge im Granit, Stollen, Schacht und WasserfallIllustration
Karte: Lage von Besucherbergwerk Gleißinger Fels in Fichtelberg unter den Besucherbergwerken in Deutschland
Lage in Deutschland: gelb Besucherbergwerk Gleißinger Fels, Kreuz Fichtelberg, Punkte weitere Besucherbergwerke. Entfernungen berechnen
Nahaufnahme von Eisenglimmer: silbrig glänzende Schuppen auf dunklem Gestein (mit AI erstelltes Bild)AI
Mit AI erstelltes Bild

Ein Bergwerk mit glitzerndem Erz

An den Wänden glitzert es, sobald der Lichtkegel der Grubenlampe darüberstreicht: Eisenglimmer, feine Schuppen aus fast reinem Eisenoxid, die das Gestein wie mit Metallstaub überzogen wirken lassen. Wegen genau dieses Schimmers nannten die Bergleute das Erz im Fichtelgebirge Silbereisen, und wegen ihm heißt das Besucherbergwerk Gleißinger Fels bis heute auch Silbereisenbergwerk Gleißinger Fels. Silber war hier nie zu holen. Was es zu holen gab, hat Fichtelberg trotzdem über vier Jahrhunderte geprägt.

Das Besucherbergwerk Gleißinger Fels liegt im Ortsteil Neubau der Gemeinde Fichtelberg im Landkreis Bayreuth, am Südosthang des Ochsenkopfs. Wer das Bergwerk Fichtelberg besichtigen möchte, kommt nur mit einer Führung hinein, mit Helm und Grubenlampe, durch handgeschlagene Stollen. Diese Seite fasst zusammen, was über die Geschichte, die Geologie, den Ablauf der Führung und die Anfahrt belegt ist. Öffnungszeiten und Eintrittspreise stehen hier bewusst nicht: Sie ändern sich, und der Betreiber veröffentlicht sie selbst. Bergwerk Fichtelberg ist ein unabhängiger Ratgeber und gehört nicht zum Betreiber des Bergwerks, der Montan-Stiftung Nordostbayern.

Geschichte des Silbereisenbergwerks Gleißinger Fels

Der Bergbau im Silbereisenbergwerk Gleißinger Fels beginnt auf dem Papier im Jahr 1478. Damals belehnte Kurfürst Philipp von der Pfalz die Herren von Hirschberg mit dem Recht, im Umkreis von Mehlmeisel alle Metalle zu gewinnen. Ob sie es auch taten, ist eine andere Frage: Der Bergingenieur Fink, der das Vorkommen Anfang des 20. Jahrhunderts für die Geognostischen Jahreshefte beschrieb, fand für diese frühe Zeit keinen Beleg für nennenswerten Abbau.

Die ganze Geschichte

Ernst wurde es erst zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Den Anstoß gaben die Bergfreiheiten, die Kurfürst Friedrich IV. von der Pfalz im Jahr 1600 gewährte; Fink und showcaves.com nennen sie übereinstimmend als Auslöser des Aufschwungs. Eine Gewerkschaft, also eine Gesellschaft von Anteilseignern, nahm den Abbau am Gleißinger Fels auf. Wann genau, darüber sind sich die Quellen nicht einig: Der heutige Betreiber und Wikipedia nennen 1602 und Johann Glaser als Gründer, Fink nennt das Jahr 1604 und eine Gewerkschaft, zu der unter anderem Fürst Christian von Anhalt gehörte. Unstrittig ist der Name der Fundgrube, „Gottesgab“, und dass am Fuß des Gebirges bald ein Hochofen und Hammerwerke standen, in denen das Erz verhüttet und zu Eisen geschmiedet wurde.

Mit dem Bergwerk entstand ein Ort. Neben dem ersten Hochofen an der Fichtelnaab wuchs eine Hüttensiedlung, aus der der heutige Ortsteil Neubau hervorging; die Gemeindechronik und der Betreiber erzählen das übereinstimmend. Das Wasser der Fichtelnaab trieb Poch- und Hammerwerke an, die Hochöfen brannten mit Holzkohle aus den umliegenden Wäldern. Der Name der Grube, „Gottesgab am Fichtelberg“, ging später auf das Bergamt und die Siedlung um die Hütten über, aus der das heutige Fichtelberg wurde. Wer heute durch den Ort fährt, fährt also durch eine Gründung des Bergbaus.

Der Dreißigjährige Krieg traf auch Fichtelberg, und zwar zunächst als Lieferant. Die Hütten von Gottesgab lieferten Kriegsgerät: Wikipedia nennt Kugeln, Granaten und Rüstungsbleche, die Gemeindechronik Kanonenkugeln und Mörser neben Alltagsware wie Pfannen, Ofenplatten und Werkzeug. Um 1635 wurden Gruben und Hüttengebäude dann verlassen und zerstört. 1648, im Jahr des Westfälischen Friedens, ließ Kurfürst Maximilian I. von Bayern die Anlagen auf eigene Rechnung wieder in Betrieb nehmen. Damit begann eine lange Phase, in der der Bergbau am Gleißinger Fels eine Angelegenheit des Staates war. Was die Gießer in Gottesgab konnten, steht bis heute im Ort: Die Mariensäule von 1680 wurde dort gegossen.

Um die Mitte des 18. Jahrhunderts wurde das Holz knapp. Die Hochöfen verbrauchten so viel Holzkohle, dass die Wälder sichtbar schrumpften, und der Betrieb musste schrumpfen mit ihnen. Fink datiert die Entscheidung, nur noch einen Hochofen in Gottesgab zu betreiben, auf 1753; showcaves.com setzt die Stilllegung von Hochöfen wegen Holzkohlemangels um 1750 an.

Im 18. und 19. Jahrhundert ging der Eisenglimmer unter anderem an die kurfürstliche, später königliche Gewehrfabrik, zunächst in Ebnath, später in Amberg. 1802 begannen die Bergleute einen tiefen Stollen, den späteren Reiner’schen Erbstollen, der das Grubenwasser ableiten sollte. Schon 1805 ruhten die Arbeiten daran wieder. Das ist typisch für die Geschichte dieses Bergwerks: Es lief nie lange ohne Unterbrechung, und es lief nie wirklich glänzend, auch wenn das Erz es tat.

Das Ende des staatlichen Bergbaus kam Mitte des 19. Jahrhunderts. Ende April 1850 wurde der Betrieb vorläufig eingestellt, weil Eisen vom Rhein billiger war, als man es am Gleißinger Fels fördern konnte. Am 26. März 1859 folgte die endgültige Einstellung durch die Königliche General-Bergwerks- und Salinen-Administration.

Die Gemeindechronik beschreibt, was das für den Ort hieß. Nach rund 250 Jahren Bergbau und Eisenverarbeitung hatten Konkurrenz von außen, schlechte Verkehrswege und sinkende Erträge das Gewerbe erledigt, und viele Familien gerieten in Not, weil die kleinen Höfe sie nicht ernährten. Männer gingen in die Steinbrüche rund um den Ochsenkopf, in Säge- und Getreidemühlen oder in den Wald; andere wanderten aus, manche bis nach Amerika. An die Stelle des Bergbaus trat die Granitindustrie. In den 1860er-Jahren wurde schließlich auch das Bergamt aufgelöst, nach Wikipedia 1862, nach Angaben des Betreibers 1866.

Ganz still wurde es danach nicht. Zwischen 1894 und 1907 gewann die Firma F. C. Mathies & Co. aus Erbach im Odenwald im oberen Stollen noch einmal Eisenglimmer, diesmal nicht für Eisen, sondern für Rostschutzfarbe: Die flachen Schuppen legen sich in einem Anstrich übereinander wie Dachziegel. Fink spricht von Panzerschuppenfarbe, und unter dem Namen Schuppenpanzerfarbe beschreibt Wikipedia dasselbe Prinzip bis heute: Die Plättchen schirmen das Bindemittel ab und halten korrosive Stoffe vom Metall darunter fern. Ob und wie lange danach noch kleinere Betriebe folgten, ist umstritten. Fink beschreibt das Ende Anfang 1907, der Betreiber und die Broschüre des bayerischen Umweltministeriums sprechen von Abbau bis in die späten 1930er-Jahre.

Zum Besucherbergwerk wurde der Gleißinger Fels Ende der 1970er-Jahre. Bürger aus Neubau und Fichtelberg machten einen Teil der Grube zugänglich; je nach Quelle wird 1978 oder August 1979 als Eröffnung genannt. 2019 erhielt der Stollen eine neue LED-Beleuchtung im Rahmen eines deutsch-tschechischen Förderprojekts, und seit August 2022 empfängt ein neues Besucherzentrum die Gäste. Getragen wird das Bergwerk heute von der Montan-Stiftung Nordostbayern mit Sitz in Fichtelberg. Im Mai 2022 bekam die Stiftung eine neue Führung, wenige Monate vor der Wiedereröffnung am 1. August 2022.

Handstück Eisenglimmer mit glänzenden Schuppen und rostbraunen Stellen (mit AI erstelltes Bild)AI
Mit AI erstelltes Bild

Eisenglimmer im Granit: die Geologie hinter dem Namen

Wer im Gleißinger Fels steht, steht im Granit des Ochsenkopfmassivs. Durch diesen Granit ziehen Quarzgänge, die bis zu zehn Meter mächtig werden, und in ihnen liegt der Eisenglimmer in Schlieren von bis zu etwa vier Metern. Die Gänge verlaufen ungefähr von Nord nach Süd und fallen mit rund 65 Grad nach Westen ein. So hat es Fink 1906 vermessen, und so beschreibt es auch das Bayerische Landesamt für Umwelt, das den Gleißinger Fels als Geotop mit der Nummer 472G002 führt.

Mehr zur Geologie

Granit aus der Tiefe

Der Granit selbst ist um ein Vielfaches älter als jeder Stollen. Die Granite des Fichtelgebirges entstanden bei der variszischen Gebirgsbildung: Magma drang in gefaltete Gesteine ein und erstarrte tief unter der Oberfläche. Rund um Fichtelberg, am Ochsenkopf und am Nußhardt steht der sogenannte Kerngranit an, ein mittel- bis grobkörniges Gestein. Die Geotop-Angaben, die die Tourismuszentrale Fichtelgebirge wiedergibt, ordnen ihn dem Jungpaläozoikum zu und nennen als zweites Element den Quarzgang. Mehr ist es im Kern nicht: ein heller Granit und ein Band aus Quarz, in dem das Erz sitzt.

Wie das Erz in den Fels kam

Im erstarrten Granit rissen später Spalten auf. Durch sie zirkulierte heißes Wasser, laugte das Gestein aus und setzte das Gelöste an anderer Stelle wieder ab, als Quarz und als Eisenoxid. So beschreibt es showcaves.com, und so deutete schon Fink 1906 die Gänge am Gleißinger Fels: als Absätze aufsteigender Thermalwässer. Wikipedia fasst denselben Vorgang für das ganze Fichtelgebirge zusammen, wo aus Restschmelzen und Lösungen Pegmatite sowie Erz- und Mineralgänge entstanden. Auf solchen Gängen baute der Bergbau des Mittelalters und der frühen Neuzeit auf, nicht nur in Fichtelberg.

Nicht weit vom Gleißinger Fels zieht ein ganz anderes Gestein durch den Berg, der Proterobas. Das dunkelgrüne Ganggestein stammt aus dem Perm und bildet einen etwa acht Kilometer langen, fünf bis dreißig Meter breiten Gang, der von Südosten nach Nordwesten über den Ochsenkopf verläuft. Schon früh schmolzen Glashütten daraus schwarze Glasknöpfe und Hohlglas, später war er als polierbarer Naturstein gefragt. Am Ochsenkopf liegen also Eisenerz, Granit und Glasrohstoff auf engem Raum beieinander, und jeder davon hat irgendwann Arbeit gebracht.

Eisenglimmer ist eine besondere Erscheinungsform des Hämatits. Während Hämatit sonst oft derb und rötlich vorkommt, bildet er hier dünne, glänzende Blättchen. Mineralogen nennen diese Form Spekularit, von lateinisch speculum, Spiegel. In der Broschüre des Umweltministeriums ist vom Roteisenstein die Rede, was chemisch dasselbe Mineral meint, die schuppige Ausbildung aber unterschlägt. Gerade sie macht den Gleißinger Fels sehenswert.

Der wissenschaftliche Name Hämatit passt auf den ersten Blick gar nicht zu einem silbrig glänzenden Erz. Er kommt vom griechischen haima, Blut, und erklärt sich beim Bearbeiten: Hämatit hinterlässt einen kirsch- bis braunroten Strich, und beim Schneiden färbt sich das Wasser blutrot. Gemahlen ist das Mineral seit der Steinzeit ein rotes Farbpigment. Silbrig an der Wand, rot im Pulver – das ist derselbe Stoff.

Dass im Namen Silber steckt, führt regelmäßig in die Irre. Silber wurde im Bergwerk nicht gefunden. Einige Ausflugsportale schreiben trotzdem von Silber-, Blei- oder sogar Goldfunden am Gleißinger Fels; dafür gibt es in den bergbaugeschichtlichen Quellen keinen Beleg.

Der Gleißinger Fels gehört außerdem zum Geopark Bayern-Böhmen, der die Erdgeschichte beiderseits der Grenze zu Tschechien erschließt. Wer sich für Gesteine interessiert, sollte im Stollen auf die rötlichen Spuren am sonst hellgrauen Granit achten: Das Grubenwasser trägt Eisen mit sich und setzt es als Rost an den Wänden ab.

Der Betreiber wirbt damit, das einzige allgemein zugängliche Silbereisenbergwerk der Welt zu sein, und nennt es das älteste Bergwerk Nordbayerns. Beide Aussagen tauchen auf vielen Tourismusseiten auf. Belegt sind sie nicht; showcaves.com hält die erste ausdrücklich für zweifelhaft. Besonders ist der Ort auch ohne Superlativ.

Führung im Besucherbergwerk Gleißinger Fels: Ablauf und Regeln

Einen Besuch auf eigene Faust gibt es nicht. Jede Führung beginnt mit Helm und Grubenlampe, dann geht es zu Fuß in den Berg. Gezeigt wird nur ein Teil der Grube, eine begehbare Sohle, also eine Ebene des Bergwerks. Die Tourismuszentrale Fichtelgebirge und inFranken.de geben für die reguläre Führung rund 45 Minuten an.

Unterwegs zeigen die Bergwerksführer handgeschlagene Stollen und historische Abbauräume, in denen die Spuren der Werkzeuge noch zu sehen sind. Dazu kommen ein unterirdischer Wasserfall und ein senkrechter Schacht. Und immer wieder der Eisenglimmer an den Wänden, der im Licht der LED-Beleuchtung aufblitzt, die seit 2019 in mehreren getrennt schaltbaren Zonen installiert ist.

Der Schacht reicht nach Angaben des Betreibers und von inFranken.de rund 40 Meter in die Tiefe. Die Spuren an den Wänden stammen von Schlägel und Eisen: Mit dem Fäustel in der rechten und dem spitzen Bergeisen in der linken Hand trieben die Bergleute ihre Stollen durch den harten Granit. showcaves.com und inFranken.de heben beide hervor, dass diese Handarbeit im Fels noch zu erkennen ist. Bis ins 17. Jahrhundert waren Schlägel und Eisen die einzigen Werkzeuge, mit denen sich festes Gestein lösen ließ, erst das Schwarzpulver verdrängte sie. Gekreuzt sind sie bis heute das Zeichen des Bergbaus.

Unter der begehbaren Sohle geht die Grube weiter, nur sieht man davon wenig. Schon Fink fand 1906 die Gesenke unterhalb der Stollensohle voll Wasser, also die kleinen Schächte, über die man den Gang in die Tiefe verfolgt hatte. Die Tourismuszentrale schreibt heute, tiefer gelegene Abbauorte würden erkundet, soweit sie nicht mit Wasser gefüllt sind. Das Grubenwasser, das den Wasserfall speist, ist derselbe Gegner, mit dem schon die Bergleute des 19. Jahrhunderts zu kämpfen hatten.

Ein paar Regeln gehören dazu. Fotografieren ist unter Tage nicht erlaubt, das betonen der Betreiber und showcaves.com gleichermaßen. Der Weg ist eng und nass und deshalb nicht barrierefrei. Mehrere Quellen raten Menschen mit Platzangst von der Führung ab.

Kühl und feucht ist es im Berg das ganze Jahr. Die Tourismuszentrale rät, auch im Sommer eine warme Jacke mitzunehmen, inFranken.de empfiehlt dazu festes Schuhwerk und lange Hosen. Wer das Besucherbergwerk Gleißinger Fels im Juli in Shorts betritt, merkt den Unterschied nach wenigen Metern.

Vor oder nach der Führung lohnt das Besucherzentrum, das seit August 2022 geöffnet ist. Dort gibt es die Kasse, eine Ausstellung zur Bergbaugeschichte, zu Mineralien und Werkzeugen sowie einen Raum für Vorträge und Veranstaltungen. Die Tourismuszentrale beschreibt Exponate aus der Welt der Bergleute und verschiedene Mineralien, inFranken.de zählt Werkzeuge, Grubenlampen, alte Ansichten des Bergwerks und Fotos von Bergleuten auf. Gruppenführungen werden vorher angemeldet; Termine und Anmeldung laufen über die Website des Betreibers.

Einen Eindruck vom Stollen gibt ein kurzes Video, das die Erlebnisregion Ochsenkopf auf YouTube veröffentlicht hat.

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Schacht, Sohle, Erbstollen: Wörter aus der Bergmannssprache

Bei der Führung fallen Wörter, die außerhalb des Bergbaus kaum jemand benutzt. Ein paar davon helfen, das Gesehene einzuordnen.

Ein Stollen ist ein annähernd waagerechter, leicht ansteigender Grubenbau, der vom Hang aus in den Berg getrieben wird; seine Öffnung heißt Mundloch. Ein Schacht führt dagegen meist senkrecht von der Oberfläche in die Tiefe. Die Sohle ist zum einen der Boden eines Grubenbaus, zum anderen die Gesamtheit aller Strecken auf einer Ebene, eine Art Stockwerk. Wenn es heißt, die Führung bleibe auf einer begehbaren Sohle, ist dieses Stockwerk gemeint.

Mit einem Gang meinen Bergleute eine mit Mineralen gefüllte Spalte im Gestein. Der Quarzgang mit dem Eisenglimmer ist genau so ein Gang, und wer im Stollen an ihm entlanggeht, geht durch einen Gang an einem Gang entlang. Ein Erbstollen sollte das Wasser aus einem oder mehreren Bergwerken ableiten; wer ihn baute, erhielt dafür Rechte an den Gruben. Der Reiner’sche Erbstollen am Gleißinger Fels war für genau diese Aufgabe begonnen worden.

Auch die Geschichte des Bergwerks spricht diese Sprache. Die Fundgrube war ursprünglich die Grube, in der ein Erz zuerst entdeckt wurde, später das erste verliehene Grubenfeld; „Gottesgab“ war eine solche. Die Gewerken waren die Anteilseigner einer bergrechtlichen Gewerkschaft, ihr Anteil hieß Kux. Und wer Finks Aufsatz von 1906 liest, stößt auf den Lachter, ein altes bergmännisches Längenmaß von ungefähr zwei Metern, in dem damals noch die Abstände der Stollen angegeben wurden.

Der Gruß der Bergleute lautet bis heute „Glück auf“. Er wünscht, dass sich ein neuer Gang auftun möge und dass man gesund wieder ausfährt. Weitere Begriffe von Arschleder bis Teufe erklärt das Glossar zur Bergmannssprache.

Anfahrt zum Bergwerk Fichtelberg mit Auto, Bus und Bahn

Wer das Bergwerk Fichtelberg besichtigen will und mit dem Auto kommt, fährt über die A9. Aus Süden ist die Ausfahrt Bad Berneck günstig, aus Richtung Berlin die Ausfahrt Gefrees; von dort geht es auf der B303 Richtung Bischofsgrün. Fichtelberg (Postleitzahl 95686) liegt rund drei Kilometer südlich der Bundesstraße. Aus Osten bietet sich die A93 mit der Ausfahrt Marktredwitz an, ebenfalls weiter über die B303. Am Bergwerk gibt es einen eigenen Parkplatz.

Mit Bus und Bahn ist die Anfahrt etwas aufwendiger. Einen Bahnhof hat Fichtelberg nicht mehr: Auf der Strecke von Neusorg nach Fichtelberg endete der Personenverkehr 1976, die Gleise sind abgebaut. Ausgangspunkt ist deshalb Bayreuth Hauptbahnhof. Von dort fahren Buslinien des Verkehrsverbunds Großraum Nürnberg ins Fichtelgebirge, eine über Weidenberg und Warmensteinach, eine über Bad Berneck und Bischofsgrün. Für das Bergwerk sind die Haltestellen „Neubau (b. Fichtelberg)“ und „Neubau (b. Fichtelberg) Fichtelsee“ die richtigen. Die Linie über Warmensteinach läuft als Fichtel-Express und hält an beiden Talstationen der Ochsenkopf-Seilbahnen, was praktisch ist, wenn Bergwerk und Gipfel an einen Tag sollen. Aus Richtung Marktredwitz und Wunsiedel kommt man mit einer Buslinie der Verkehrsgemeinschaft Fichtelgebirge nach Fichtelberg; die Gemeinde nennt deshalb neben Bayreuth auch Marktredwitz als Bahnhof für die Anreise. Weil Fahrpläne und Linienführung sich ändern, lohnt der Blick in die Verbindungsauskunft auf vgn.de, bevor man losfährt.

Zu Fuß ist das Bergwerk vom Fichtelsee aus gut zu erreichen; die beiden liegen im selben Ortsteil. Wer ohnehin am See parkt, findet Parkplätze an der Fichtelseestraße in Neubau oder am Wanderparkplatz Seehaus an der B303 und kann den Besuch im Bergwerk mit einer Runde um den See verbinden.

Fichtelsee, Ochsenkopf und Automobilmuseum: Ausflüge rund um Fichtelberg

Der Fichtelsee liegt nur ein bis zwei Kilometer vom Bergwerk entfernt im selben Ortsteil Neubau, zwischen Ochsenkopf und Schneeberg. Ein Rundweg führt um den See und durch das angrenzende Moor. Der See hat dabei selbst eine Bergbaugeschichte: Er wurde im 17. Jahrhundert als Stauweiher angelegt, um Wasser für die Hütten- und Hammerwerke von Gottesgab zu speichern. Zum Freizeitsee wurde er erst, nachdem in den 1980er-Jahren ein neuer Damm entstanden war. Nördlich schließt das Fichtelseemoor an, ein Naturschutzgebiet, durch das ein Holzsteg führt.

Über dem Bergwerk erhebt sich der Ochsenkopf mit 1.024 Metern, der zweithöchste Berg des Fichtelgebirges. Zwei Seilbahnen führen hinauf, eine von Bischofsgrün im Norden, eine vom Fleckl bei Warmensteinach im Süden; oben stehen der Asenturm und der Sendeturm. An seinen Hängen über Fichtelberg entspringen Weißer Main und Fichtelnaab, deren Wasser einmal zum Rhein, einmal zur Donau fließt. Und der Name? Grenzbeschreibungen von 1499 und 1536 nennen den Berg noch „Vichtelberg“, und dieser Name lässt sich über die alte Grube St. Veit, in der schon im 14. Jahrhundert Eisen gewonnen wurde, bis zu einem „Vythenberg“ von 1317 zurückverfolgen. Das Fichtelgebirge verdankt seinen Namen also vermutlich dem Bergbau und nicht den Fichten.

In Fichtelberg selbst zeigt das Deutsche Fahrzeugmuseum, oft einfach Automobilmuseum Fichtelberg genannt, Fahrzeuge von 1896 bis heute: Autos, Motorräder, Traktoren, Feuerwehrfahrzeuge und Flugzeuge, verteilt auf drei Hallen und ein überdachtes Freigelände. Die Familie Eckert hat es 1992 als private Initiative eröffnet. Vom Besucherzentrum des Bergwerks sind es knapp zwei Kilometer Luftlinie, und an Regentagen ist das ein naheliegender zweiter Programmpunkt. Wer im Ort bleibt, findet in der barocken Bergkirche Mariä Verkündigung von 1708 bis 1711 ein weiteres Erbe der Bergamtszeit. Mehr zum Ort steht auf der Seite über Fichtelberg, zur ganzen Region unter Fichtelgebirge.

Weitere Bergwerke im Fichtelgebirge

Der Gleißinger Fels ist nicht das einzige Bergwerk der Gegend, das man von innen sehen kann. Erzbergbau gab es im Fichtelgebirge seit dem frühen Mittelalter, auf Gold, Zinn und Eisen; Orte wie Wunsiedel, Weißenstadt, Arzberg, Goldkronach und Fichtelberg-Neubau verdanken ihm ihre Entstehung. In Wunsiedel und Weißenstadt brachte im Mittelalter das Zinn den Aufschwung, gebraucht für verzinntes Eisenblech, während um Fichtelberg und Arzberg Eisenerz gefördert wurde.

In Goldkronach suchten Bergleute über Jahrhunderte nach Gold, und als das Markgrafentum 1792 an Preußen fiel, kam Alexander von Humboldt als Oberbergmeister in das Revier. Heute sind dort zwei Besucherstollen zugänglich, die Schmutzlerzeche und der Mittlere Name Gottes. Im Bergwerk Werra bei Weißenstadt wurde zunächst Zinn und Wolfram, von 1950 bis 1957 dann Uranerz abgebaut, getarnt als Zinnerz-Untersuchungsbetrieb; seit 2016 führen Gruppen hinein, und im Winter gehört der Stollen den Fledermäusen. In Kupferberg im benachbarten Frankenwald erschließt die 2015 eröffnete St.-Veit-Zeche einen Teil des alten Kupferbergbaus, und in Lichtenberg lässt sich der Friedrich-Wilhelm-Stollen besichtigen. Wer nach dem „Silbereisen“ wissen will, wie echte Silbergruben aussehen, findet sie im Erzgebirge, im Harz oder im Bayerischen Wald; die Seite zu den Silberbergwerken stellt sie vor.

Wer weiter fahren möchte, findet andere Bodenschätze unter Tage. Im Süden Bayerns führt das Salzbergwerk Berchtesgaden Besucher mit der Grubenbahn in den Berg; welche anderen Gruben in Deutschland Salz und Kali zeigen, steht bei den Salzbergwerken. Nach Norden, in Thüringen, liegen die Saalfelder Feengrotten, ein ehemaliges Alaunschieferbergwerk mit farbigen Tropfsteinen. Und wer im Advent unterwegs ist, trifft in den Bergbauregionen auf die Feiern zum Barbaratag am 4. Dezember, dem Gedenktag der Schutzpatronin der Bergleute.

Die Übersicht aller Besucherbergwerke sortiert die Gruben nach Region, und unter Bergwerk in der Nähe lassen sie sich nach Entfernung ordnen.

Ein Detail zum Schluss, das man in Neubau leicht übersieht: Der Gleißinger Fels war 2007 eine Zeit lang auch ein Ort zum Goldwaschen, im alten Förderstollen unter Tage. Ob das heute noch angeboten wird, ist nicht belegt. Wo man in Bayern sonst nach Gold suchen kann, steht auf der Seite zum Goldwaschen in Bayern.

Besucherbergwerke in der Nähe

  1. St. 01Besucherbergwerke GoldkronachGoldkronach · Fichtelgebirge9 km
  2. St. 02Bergwerk WerraWeißenstadt · Fichtelgebirge10 km
  3. St. 03Besucherbergwerk St.-Veit-ZecheKupferberg · Frankenwald23 km
  4. St. 04Besucherbergwerk Friedrich-Wilhelm-StollenLichtenberg · Frankenwald44 km
  5. St. 05Stollenanlagen am StephansbergBamberg · Oberfranken69 km
  6. St. 06Schaubergwerk MorassinaSchmiedefeld (Saalfeld/Saale) · Thüringer Schiefergebirge73 km

Alle Bergwerke nach Entfernung sortieren

Häufige Fragen

Wie lange dauert eine Führung im Besucherbergwerk Gleißinger Fels?

Die reguläre Führung dauert nach Angaben der Tourismuszentrale Fichtelgebirge und von inFranken.de rund 45 Minuten. Früher, als noch eine Tonbildschau dazugehörte, waren es eher 75 Minuten. Die aktuellen Zeiten veröffentlicht der Betreiber auf besucherbergwerk-fichtelberg.de.

Wurde im Silbereisenbergwerk Gleißinger Fels Silber abgebaut?

Nein. Abgebaut wurde Eisenglimmer, eine glänzende, schuppige Form des Hämatits. Der silbrige Schimmer gab dem Erz im Fichtelgebirge den Namen Silbereisen. Silber selbst wurde im Bergwerk nicht gefunden.

Ist das Besucherbergwerk Gleißinger Fels barrierefrei?

Unter Tage nicht: Die Stollen sind eng, nass und nur zu Fuß begehbar. Das 2022 eröffnete Besucherzentrum hat dagegen barrierefreie Toiletten. Menschen mit Platzangst raten mehrere Quellen von der Führung ab.

Kann man das Bergwerk Fichtelberg ohne Auto besichtigen?

Ja. Fichtelberg hat keinen Bahnhof mehr, aber Buslinien des VGN verbinden Bayreuth Hauptbahnhof mit dem Ortsteil Neubau, in dem das Bergwerk liegt. Die Haltestellen heißen „Neubau (b. Fichtelberg)“; Fahrpläne stehen bei vgn.de.

Darf man im Bergwerk fotografieren?

Unter Tage ist Fotografieren laut Betreiber und showcaves.com nicht erlaubt. Im Besucherzentrum und im Außenbereich gibt es diese Einschränkung nicht.

Was zieht man für die Führung im Bergwerk am besten an?

Die Tourismuszentrale Fichtelgebirge rät, auch im Sommer eine warme Jacke mitzunehmen, weil es im Berg kalt werden kann. inFranken.de empfiehlt außerdem festes Schuhwerk und lange Hosen. Helme bekommt man vor Ort.

Quellen

  1. Geognostische Jahreshefte (Kgl. Bayer. Oberbergamt): Das Eisenglimmervorkommen am Gleißingerfels
  2. showcaves.com: Besucherbergwerk Gleißinger Fels
  3. Wikipedia: Fichtelberg (Oberfranken)
  4. Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz: Von Bergwerken, Hütten, Hämmern
  5. Tourismuszentrale Fichtelgebirge: Besucherbergwerk Gleißinger Fels
  6. Gemeinde Fichtelberg: Erfolgreiches Jahr für das Besucherbergwerk Gleißinger Fels
  7. inFranken.de: Die unterirdische Welt des Fichtelgebirges
  8. Cave Lighting: Gleißinger Fels – Beleuchtungsprojekt 2019
  9. Montan-Stiftung Nordostbayern: Bergwerksgeschichte
  10. Verkehrsverbund Großraum Nürnberg: Buslinien ins Fichtelgebirge
  11. Wikipedia: Hämatit
  12. Wikipedia: Fichtelgebirge
  13. Wikipedia: Proterobas
  14. Wikipedia: Ochsenkopf (Fichtelgebirge)
  15. Gemeinde Fichtelberg: Historie und Chronik
  16. Wikipedia: Fichtelberg, Bavaria
  17. Montan-Stiftung Nordostbayern: Besucherbergwerk Gleißinger Fels – Führungen
  18. Wikipedia: Bergmannssprache
  19. Wikipedia: Schlägel und Eisen
  20. Wikipedia: Erbstollen
  21. Wikipedia: Glückauf
  22. Wikipedia: Fichtelsee
  23. wildganz / Tourismuszentrale Fichtelgebirge: Rundweg um den Fichtelsee
  24. Gemeinde Fichtelberg: Anfahrt
  25. inFranken.de: Ausflugsziel Fichtelsee
  26. Wikipedia: Deutsches Fahrzeugmuseum Fichtelberg
  27. Deutsches Fahrzeugmuseum Fichtelberg: Das deutsche Fahrzeugmuseum Fichtelberg
  28. Bayern-Fichtelgebirge.de: Woher kommt der Name Fichtelgebirge?
  29. Wikipedia: Besucherbergwerke Goldkronach
  30. showcaves.com: Bergwerk Werra
  31. Stadt Weißenstadt: Bergwerk Werra
  32. showcaves.com: Besucherbergwerk St.-Veit-Zeche
  33. Bergbau-Museum Kupferberg e. V.: Bergbau-Erlebniswelt Kupferberg