Logo Bergwerk Fichtelberg: Fadenkreuz über einem Bergprofil mit Schacht und StollenBergwerk FichtelbergBesucherbergwerke rund ums Fichtelgebirge

Schaubergwerk Morassina Schmiedefeld: Tropfsteine, Geschichte, Besuch

Aktuelle Führungszeiten und Anmeldung beim Betreiber:
morassina.de →

Zeichnung: alter Grubenraum mit ocker, rot und grün gefärbten Tropfsteinen und Holzsteg
Zum
Inhalt
↓
Zeichnung: dunkle Schieferlagen mit wachsenden Tropfsteinen in einem Grubenraum
Schematisch: Alaunschiefer und TropfsteineIllustration
Karte: Lage von Schaubergwerk Morassina in Schmiedefeld (Saalfeld/Saale) unter den Besucherbergwerken in Deutschland
Lage in Deutschland: gelb Schaubergwerk Morassina, Kreuz Fichtelberg, Punkte weitere Besucherbergwerke. Entfernungen berechnen

Im Jahr 1951 wältigten Bergleute der SDAG Wismut bei Schmiedefeld eine Grube auf, in der seit 1860 nicht mehr gearbeitet worden war. Gesucht wurde Uran. Gefunden haben sie dabei farbige Tropfstein- und Sinterbildungen. Mehr als vierzig Jahre später wurde aus der alten Grube das Schaubergwerk Morassina: Seit Pfingstsonntag, dem 30. Mai 1993, ist sie für Besucher geöffnet.

Schmiedefeld liegt im Thüringer Schiefergebirge südwestlich von Saalfeld und gehört seit dem 1. Januar 2019 zur Stadt Saalfeld/Saale im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt. Getragen wird das Bergwerk heute von der Stiftung Morassina. Diese Seite beschreibt, was in der Morassina abgebaut wurde, wie aus einer vergessenen Grube ein Schaubergwerk wurde und was Besucher unter Tage erwartet.

Alaunschiefer statt Silber: was in der Morassina abgebaut wurde

Die Morassina war kein Erzbergwerk, in dem Metall für Münzen oder Werkzeug gewonnen wurde. Sie war ein Alaunschieferbergwerk. Aus dem geförderten Schiefer stellte man Eisenvitriol, Kupfervitriol und Alaun her, also Stoffe, die erst nach der Verarbeitung über Tage ihren Wert hatten. Als Nebenprodukte nennen die Quellen unter anderem Erdfarben und Schwefel.

Bei den Erdfarben lohnt ein genauerer Blick, weil ihre Namen bis heute geläufig sind. Aus dem zersetzten, sehr kohlenstoffreichen Alaunschiefer selbst entstand das „Thüringer Schwarz“. Aus Eisenocker gewann man gelbe und braune Ockerfarben, und durch Brennen des Ockers ließ sich daraus ein Rot herstellen, das als „Englisch Rot“ gehandelt wurde. Der Betreiber nennt diese Farben noch heute als Teil der Geschichte des Ortes, der Fachbeitrag im „Anschnitt“ führt sie in der Liste der Nebenprodukte.

Wie aus Schiefer ein Salz wird, ist schnell erzählt. Der geförderte Alaunschiefer verwitterte über Tage, Wasser löste die Sulfate heraus, und die so gewonnene Lauge wurde weiterverarbeitet. Je nach gewünschtem Produkt setzte man ihr Metall zu, Alteisen für Eisenvitriol, Kupfer für Kupfervitriol, und dampfte sie ein, bis Kristalle ausfielen. Abnehmer fanden diese Salze unter anderem in der Papierherstellung und in der Gerberei.

Geologisch liegt das Grubengebäude in den Schiefern des Silurs. Der Alaunschiefer ist ein dunkles, weiches, tonartiges Gestein mit viel Kohlenstoff. Über ihm folgt der sogenannte Ockerkalk, ein Kalkstein, aus dem eisenhaltiges Wasser den Ocker in den Hohlräumen abgelagert hat.

Diese Art Bergbau ist im Raum Saalfeld kein Einzelfall. Auch die Saalfelder Feengrotten, knapp 14 Kilometer Luftlinie nordöstlich, sind ein ehemaliges Alaunschieferbergwerk, und auch dort sind in den alten Abbauen farbige Tropfsteine entstanden.

Fachlich aufgearbeitet hat die Grube die Zeitschrift „Der Anschnitt“ des Deutschen Bergbau-Museums Bochum. Ein Beitrag im Jahrgang 2006 trägt den Titel „Das Alaunschieferbergwerk Morassina bei Schmiedefeld am Rennweg (Saalfelder Höhe) im Thüringischen Schiefergebirge“. Der Titel enthält bereits die genaue Lage: die Saalfelder Höhe, auf der Schmiedefeld liegt.

Geschichte der Morassina: von 1683 bis zum Schaubergwerk

1683 wird der Alaunschieferbergbau bei Schmiedefeld zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Gut drei Jahrzehnte später, 1717, kaufte Johann Leonard Morassi die Grube. Von seinem Namen leitet sich der Name ab, unter dem sie bis heute bekannt ist: Morassina.

Um die Mitte des 18. Jahrhunderts ging das Werk an das Leipziger Handelshaus Frege über. Die englischsprachige Wikipedia und showcaves.com nennen dafür das Jahr 1750, der „Anschnitt“ datiert die Übernahme vorsichtiger auf etwa 1753 und beschreibt Frege als den damals größten Händler für Alaun und Vitriol in Mitteldeutschland.

Rund 177 Jahre lang wurde unter Tage gearbeitet, und in dieser Zeit wuchs das Grubengebäude auf drei Sohlen an. Das Ende kam nicht durch erschöpfte Lagerstätten, sondern durch die Chemie: Im Lauf des 19. Jahrhunderts konnte die chemische Industrie Alaun und Vitriol billiger herstellen als ein Bergwerk. 1860 wurden die Untertagearbeiten eingestellt, und die Grube geriet in Vergessenheit.

Fast ein Jahrhundert verging, bis wieder jemand einfuhr. 1951 wältigte die SDAG Wismut die alten Grubenbaue bei der Suche nach Uran auf, und dabei kamen die farbigen Tropfstein- und Sinterbildungen zum Vorschein, für die die Morassina heute bekannt ist.

Bis daraus ein Schaubergwerk wurde, dauerte es trotzdem noch Jahrzehnte. Im Oktober 1989 begannen die Erschließungs- und Rekonstruktionsarbeiten für den Schaubetrieb, abgeschlossen waren sie im September 1992. Dabei wurde auch ein neuer Zugang aufgefahren, der Neue Stollen, durch den Besucher heute in den Berg gehen. Eröffnet wurde zu Pfingsten 1993, am Sonntag, dem 30. Mai. Zwei Jahre später, 1995, kam ein Bergbaumuseum dazu.

Die jüngste Veränderung betrifft nicht das Bergwerk, sondern den Ort. Zum 1. Januar 2019 wurde Schmiedefeld nach Saalfeld/Saale eingemeindet. Im Zuge der Eingemeindung wurde 2020 die Stiftung Morassina gegründet, die das Schaubergwerk seither trägt.

Alexander von Humboldt in der Morassina

Im Juli 1792 fuhr ein Besucher in die Grube ein, dessen Name heute in der Führung auftaucht: Alexander von Humboldt. Er befuhr damals das Vitriolwerk im Schwefelloch bei Schmiedefeld und sah sich an, wie hier Alaunschiefer abgebaut wurde.

Der Besuch war Dienst. Humboldt war im Frühjahr 1792 als Bergassessor in den preußischen Staatsdienst eingetreten und sollte die Berg- und Hüttenwerke der gerade preußisch gewordenen Fürstentümer Ansbach und Bayreuth begutachten. Schmiedefeld lag auf dem Weg; der „Anschnitt“ datiert seinen Befahrungsbericht auf den 11. Juli 1792, showcaves.com nennt ebenfalls den Juli 1792. Aus dem Bericht über diese Reise ergab sich seine Beförderung zum Oberbergmeister, wie Wikipedia und Gert Rückel in der Zeitschrift „Frankenland“ beschreiben.

Was Humboldt sah, gefiel ihm nicht. Abgebaut wurde damals in großen, flachen Hohlräumen, deren Dach mit einer Unzahl von Holzstempeln abgefangen werden musste. Er kritisierte die Holzverschwendung und schlug vor, mit kleineren Weitungen zu arbeiten. Der „Anschnitt“ hält es für wahrscheinlich, dass sein Bericht den späteren Wechsel zum Kammerbau mit stehengelassenen Sicherheitspfeilern angestoßen oder beschleunigt hat; Wikipedia formuliert es zugespitzter und schreibt, Humboldt habe die Abbauverfahren im Schmiedefelder Vitriolwerk revolutioniert.

Ein Teil der oberen Sohle trägt seinen Namen, der „Humboldt-Verbruch“. Gemeint ist eine Stelle, an der das Dach der alten Abbaue eingebrochen ist. Sie zeigt, wie die Grube zu Humboldts Zeit aussah, und gehört zu den Stationen des Rundgangs.

Wer mit Humboldt vor allem Südamerika verbindet, findet hier die Zeit davor, als er sich noch mit Gruben und Stollen beschäftigte. Seine weiteren Spuren liegen in Oberfranken: der von ihm angestoßene Friedrich-Wilhelm-Stollen bei Lichtenberg und das Goldrevier der Besucherbergwerke Goldkronach.

Besuch im Schaubergwerk Morassina: Tropfsteine bei sieben Grad

Unter Tage herrschen das ganze Jahr über rund sieben Grad Celsius. Draußen kann Hochsommer sein, drinnen bleibt es kühl, und nach einer Weile im Berg fühlt sich die Temperatur kälter an, als die Zahl vermuten lässt. Eine warme Jacke und feste Schuhe gehören deshalb auch im Juli ins Gepäck. Gegen das Tropfwasser werden Umhänge ausgegeben.

Was die Morassina von vielen anderen Gruben ihres Alters unterscheidet, sind die Tropfstein- und Sinterbildungen, die 1951 entdeckt wurden. Sie sind in Hohlräumen gewachsen, die Menschen beim Abbau des Schiefers geschaffen haben, und können deshalb nicht älter sein als die Abbaue selbst. Was Besucher hier sehen, ist also keine Höhle, die der Bergbau zufällig angeschnitten hat, sondern eine Grube, in der sich die Natur nach dem Menschen ausgebreitet hat.

Chemisch haben diese Tropfsteine mit denen einer Kalksteinhöhle wenig gemein. Wenn Wasser und Luft an den Schwefelkies im Alaunschiefer gelangen, entsteht Schwefelsäure, die das Gestein zersetzt und Eisen löst. Aus dieser Lösung scheiden sich neue Minerale ab, vor allem Eisensulfate und Eisenphosphate. Genannt wird insbesondere der Diadochit. Daraus erklären sich die Farben: Weiß, Gelb, Braun und grünliche Töne wechseln sich ab, oft auf engem Raum vor dem schwarzen Schiefer. Dasselbe Mineral färbt auch die Tropfsteine der nahen Feengrotten, und der „Anschnitt“ ordnet die Funde aus der Morassina ausdrücklich in Analogie zu den Bildungen dort ein. Wer beide Gruben besucht, sieht also zweimal dieselbe Chemie, aber in zwei verschiedenen Bergwerken mit eigener Geschichte.

Der Rundgang führt durch eine Folge benannter Grotten auf der oberen Sohle. Dazu gehören die Stahlblaue Grotte, die Fantasiegrotte, der Rokokosaal mit besonders reichen Tropfsteinbildungen und die Märchengrotte, in der Kinder Figuren im Gestein entdecken sollen. An einigen Stellen haben sich kleine unterirdische Seen gebildet. Los geht es in den Tropfsteingrotten, das letzte Stück führt in den Altbergbau, den ältesten Teil der Grube. Dort ist der alte Holzausbau zu großen Teilen erhalten, und stellenweise sind die Stempel selbst von Tropfstein überkrustet; das beschreiben der Betreiber und der „Anschnitt“.

Für Kinder ist die Morassina eines der zugänglicheren Bergwerke. Der Betreiber führt Kinder ab drei Jahren, showcaves.com nennt dieselbe Altersgrenze, und die Märchengrotte ist ausdrücklich auf junge Besucher zugeschnitten. Daneben gibt es eigene Kinderführungen; welche gerade angeboten werden, steht beim Betreiber.

Auf welchen Wegen die Führung durch die Grube läuft, wie lange sie dauert und für welches Alter sie geeignet ist, beschreibt der Betreiber. Nach seinen Angaben ist der überwiegende Teil der Führungsstrecke barrierefrei ausgebaut und für Rollstuhlfahrer zugänglich; showcaves.com verzeichnet entsprechend eine kurze Tour für Besucher mit eingeschränkter Mobilität. Wer mit Kindern, Rollstuhl oder Kinderwagen kommt, klärt die Einzelheiten am besten vorab direkt mit dem Schaubergwerk.

Heilstollen „Sankt Barbara“ und Bergbaumuseum

Neben dem Schaubergwerk gibt es in Schmiedefeld einen eigenen Heilstollen. Er trägt den Namen „Sankt Barbara“, liegt im Altbergbau und dient der Speläotherapie, dem Aufenthalt in Stollenluft zu therapeutischen Zwecken. Heilstollen und Schaubergwerk sind getrennte Angebote. Was ein Heilstollen ist und wo es in Deutschland weitere gibt, erklärt die Übersicht Heilstollen im Besucherbergwerk.

Wann der Heilstollen eröffnet wurde, geben die Quellen unterschiedlich an. Der Betreiber nennt 1996, showcaves.com und die englischsprachige Wikipedia sprechen von 1997.

Das Bergbaumuseum kam 1995 hinzu, zwei Jahre nach der Eröffnung des Schaubergwerks.

Lage und Umgebung: Saalfelder Höhe, Feengrotten, Kamsdorf

Die Morassina liegt in Schmiedefeld im Thüringer Schiefergebirge. Vom Fichtelgebirge aus, etwa vom Gleißinger Fels bei Fichtelberg, sind es gut 70 Kilometer Luftlinie nach Nordwesten.

Der Alaunschiefer war im Ort nicht der einzige Bergbau. Weit länger und wirtschaftlich wichtiger war der Abbau von Eisenerz, der erst 1972 eingestellt wurde. 1888 übernahm die Maxhütte die Schmiedefelder Eisenerzgruben, dieselbe Hütte, für die auch in Kamsdorf gefördert wurde; das Jahr nennen der „Anschnitt“ und Wikipedia. Die Morassina ist damit nur ein Ausschnitt aus der Bergbaugeschichte von Schmiedefeld, aber der einzige, den Besucher heute unter Tage sehen.

Drei Bergwerke liegen hier nahe beieinander. Die Saalfelder Feengrotten sind knapp 14 Kilometer entfernt, das Besucherbergwerk Kamsdorf östlich von Saalfeld rund 21 Kilometer. In Kamsdorf ging es um Eisenerz für die Maxhütte in Unterwellenborn, ein ganz anderer Bergbau als der Alaunschiefer von Schmiedefeld. Wer zwei der drei Gruben an einem Tag besucht, sieht diesen Unterschied unmittelbar.

Weitere Gruben in Thüringen, Sachsen und Bayern stehen in der Übersicht der Besucherbergwerke.

Besucherbergwerke in der Nähe

  1. St. 01Saalfelder FeengrottenSaalfeld/Saale · Thüringer Schiefergebirge14 km
  2. St. 02Besucherbergwerk KamsdorfKamsdorf (Unterwellenborn) · Saaletal / Orlasenke21 km
  3. St. 03Besucherbergwerk Friedrich-Wilhelm-StollenLichtenberg · Frankenwald36 km
  4. St. 04Besucherbergwerk St.-Veit-ZecheKupferberg · Frankenwald51 km
  5. St. 05Besucherbergwerke GoldkronachGoldkronach · Fichtelgebirge68 km
  6. St. 06Bergwerk WerraWeißenstadt · Fichtelgebirge68 km

Alle Bergwerke nach Entfernung sortieren

Häufige Fragen

Wie kalt ist es im Schaubergwerk Morassina?

Unter Tage liegt die Temperatur das ganze Jahr bei rund sieben Grad. Eine warme Jacke ist deshalb auch im Sommer sinnvoll.

Seit wann kann man die Morassina besichtigen?

Das Schaubergwerk wurde am Pfingstsonntag, dem 30. Mai 1993, eröffnet. Vorausgegangen waren Erschließungs- und Rekonstruktionsarbeiten von 1989 bis 1992.

Woher hat die Morassina ihren Namen?

Der Name geht auf Johann Leonard Morassi zurück, der die Grube 1717 kaufte.

Woraus bestehen die Tropfsteine der Morassina?

Nicht aus Kalk wie in einer Karsthöhle, sondern aus Eisenverbindungen, die bei der Verwitterung des Alaunschiefers entstehen. Genannt werden vor allem Eisensulfate und Eisenphosphate, darunter das Mineral Diadochit.

Gehört der Heilstollen „Sankt Barbara“ zur Führung?

Der Heilstollen ist ein eigenes Angebot im Altbergbau und dient der Speläotherapie. Eröffnet wurde er nach Angaben des Betreibers 1996, showcaves.com und die englische Wikipedia nennen 1997.

Wo liegt das Schaubergwerk Morassina?

In Schmiedefeld, das seit dem 1. Januar 2019 zur Stadt Saalfeld/Saale gehört, im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt. Zu den Saalfelder Feengrotten sind es rund 14 Kilometer Luftlinie.

Quellen

  1. Stiftung Morassina: Morassina Fakten
  2. Deutsches Bergbau-Museum Bochum (Der Anschnitt 58, 2006, H. 3): Das Alaunschieferbergwerk „Morassina“ bei Schmiedefeld am Rennweg (Saalfelder Höhe) im Thüringischen Schiefergebirge
  3. showcaves.com: Morassina
  4. Wikipedia (en): Morassina
  5. Wikipedia (de): Schmiedefeld (Saalfeld)
  6. Stiftung Morassina: Führungen
  7. Geopark Schieferland: Schaubergwerke & Höhlen
  8. Wikipedia (de): Alexander von Humboldt
  9. Frankenland (Universitätsbibliothek Würzburg): Gert Rückel: Alexander von Humboldt und Goldkronach