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Friedrich-Wilhelm-Stollen Lichtenberg: Humboldts Stollen am Höllental

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Zeichnung: Stollenmundloch am Fuß einer felsigen Flussschlucht, Wasser fließt aus dem Stollen
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Zeichnung: Entwässerungsstollen vom Tal in den Berg unter älteren Erzgruben
Schematisch: Wasserlösungsstollen unter den alten GrubenIllustration
Karte: Lage von Besucherbergwerk Friedrich-Wilhelm-Stollen in Lichtenberg unter den Besucherbergwerken in Deutschland
Lage in Deutschland: gelb Besucherbergwerk Friedrich-Wilhelm-Stollen, Kreuz Fichtelberg, Punkte weitere Besucherbergwerke. Entfernungen berechnen

Achtunddreißig Jahre hat es gedauert. 1793 begann am Ausgang des Höllentals bei Lichtenberg der Vortrieb eines Stollens, angestoßen vom preußischen Oberbergmeister Alexander von Humboldt; fertig wurde er 1831. Der Friedrich-Wilhelm-Stollen im Frankenwald ist knapp einen Kilometer lang und diente vor allem dazu, Wasser aus den darüberliegenden Gruben abzuleiten. Heute führt ein Förderverein Besucher hinein.

Der Stollen liegt bei Blechschmidtenhammer, rund 1,2 Kilometer von Lichtenberg entfernt, im Landkreis Hof. Hier geht es um Zweck und Geschichte des Stollens, um die Führung und um das, was sich in der Umgebung verbinden lässt.

Ein Stollen für das Wasser: Zweck und Bergbau

Gruben laufen voll. Je tiefer Bergleute graben, desto mehr Wasser sammelt sich in den Bauen, und es muss irgendwohin. Ein Wasserlösungsstollen ist die klassische Antwort darauf: ein Stollen, der tiefer am Hang angesetzt wird und unter die Gruben reicht, sodass das Wasser durch ihn abfließen kann.

Genau das war die Aufgabe des Friedrich-Wilhelm-Stollens. Wikipedia, inFranken.de und die Broschüre „Von Bergwerken, Hütten und Hämmern“ des bayerischen Wirtschaftsministeriums beschreiben ihn übereinstimmend als Entwässerungsstollen für die darüberliegenden Gruben, vor allem für die Friedensgrube. Zugleich war er Untersuchungsstollen: Beim Vortrieb ließ sich erkunden, welche Erze das Gebirge noch barg.

Abgebaut wurden in diesem Revier Eisen- und Kupfererz. Später kam für kurze Zeit Flussspat hinzu, so Wikipedia und inFranken.de.

Dieser Flussspat gehört zu einem viel späteren Kapitel. Nach Wikipedia und showcaves.com wurde er erst Mitte des 20. Jahrhunderts gewonnen, rund hundert Jahre nach der Stilllegung des Erzbergbaus. Auch das Bayerische Landesamt für Umwelt nennt für die Umgebung des Höllentals historischen Bergbau auf Eisen- und Kupfererz sowie Flussspat.

Der Erzbergbau selbst ist deutlich älter als der Stollen. Rund um Lichtenberg wurden schon lange vor dem Stollenbau Kupfer- und Eisenerz abgebaut, unter anderem auf den Gängen der Friedensgrube. Je tiefer diese Gruben reichten, desto mehr kam es darauf an, das Wasser loszuwerden, und genau hier setzte der neue Stollen an: Er wurde vom tiefer gelegenen Selbitztal aus angesetzt, damit das Wasser der Friedensgrube mit natürlichem Gefälle abfließen konnte.

Geschichte: von Humboldt 1793 bis zur Stilllegung 1857

Alexander von Humboldt war in den 1790er-Jahren als preußischer Oberbergmeister in Franken tätig. Auf seine Initiative wurde 1793 mit dem Bau des Stollens begonnen; so nennen es Wikipedia, inFranken.de und showcaves.com. Die Infobox des Wikipedia-Artikels gibt abweichend 1794 als Betriebsbeginn an, während der Fließtext desselben Artikels die Planung auf 1793 datiert.

Benannt ist der Stollen nach dem preußischen König Friedrich Wilhelm II.

Dass ein preußischer König einem fränkischen Stollen den Namen gab, hat einen einfachen Grund. 1791 war das Fürstentum Bayreuth an Preußen gefallen, und Berlin wollte wissen, was der Bergbau in der neuen Provinz taugte. Humboldt, gerade erst als Bergassessor eingestellt, wurde im Sommer 1792 auf eine Inspektionsreise durch die fränkischen Reviere geschickt. Sein Bericht brachte ihm noch im selben Jahr die Beförderung zum Oberbergmeister ein, mit dem Auftrag, den Bergbau in Frankenwald und Fichtelgebirge wieder in Gang zu bringen. Diesen Ablauf schildern Wikipedia und Rückels Aufsatz im „Frankenland“ übereinstimmend.

Die Bauzeit war lang. Erst 1831 war der Stollen fertig, fast vier Jahrzehnte nach dem Baubeginn. Lange genutzt wurde er danach nicht: 1857 wurde das Bergwerk stillgelegt, nur 26 Jahre nach der Fertigstellung. Von den 64 Jahren zwischen Baubeginn und Stilllegung entfiel damit der größere Teil auf den Vortrieb selbst, also auf die Arbeit, den Stollen überhaupt erst bis zu seiner vollen Länge aufzufahren.

Wohnungen hatte Humboldt damals an mehreren Orten seines Bezirks, darunter im nahen Steben, dem heutigen Bad Steben; das belegen Wikipedia und ein Aufsatz von Gert Rückel in der Zeitschrift „Frankenland“. In Steben gründete er mit eigenem Geld eine Bergschule für junge Bergleute, und zwar zunächst ohne Genehmigung aus Berlin; um die Erstattung der Kosten bat er erst nachträglich. Aufgenommen wurde, wer mindestens zwölf Jahre alt war. Rückel beschreibt die Schule als vollen Erfolg, Wikipedia nennt sie die erste Berufsschule für Arbeiter in Deutschland. Später kamen weitere Bergschulen in Arzberg und Goldkronach dazu.

Auch an der Sicherheit der Bergleute arbeitete Humboldt. Er entwickelte ein Atemschutzgerät mit Luftsack, Schlauch und Maske für Rettungen aus Gruben ohne atembare Luft und probierte es in riskanten Selbstversuchen aus; beides berichten Rückel und Wikipedia.

Der Friedrich-Wilhelm-Stollen und die Schule entstanden also in denselben Jahren und im selben Umkreis von wenigen Kilometern.

Humboldt hinterließ in Oberfranken noch andere Spuren. Etwa zur selben Zeit arbeitete er im Goldrevier um Goldkronach im Fichtelgebirge, wo er die Fürstenzeche wieder in Betrieb nehmen ließ. Zwei kleine Stollen dort sind heute als Besucherbergwerke Goldkronach zugänglich.

Vom Förderverein zum Besucherbergwerk

Ein genaues Eröffnungsjahr nennt keine der Quellen. inFranken.de und showcaves.com ordnen die Öffnung für Besucher in die Mitte der 1990er-Jahre ein; showcaves.com führt bereits für das Jahr 2000 Besucherzahlen.

Getragen wird das Besucherbergwerk vom Förderverein Friedrich-Wilhelm-Stollen e. V. Dessen Mitglieder arbeiten ehrenamtlich. Das beschreiben der Verein selbst, showcaves.com und die Broschüre des Ministeriums gleichermaßen.

Die Arbeit im Stollen ist nicht abgeschlossen. Lange versperrte ein Verbruch den Weg in den hinteren Teil; nach Wikipedia war das bis 2019 der Fall, seither wird der Bereich hinter dem Ende der Führungsstrecke schrittweise erschlossen. Der Verein gibt an, die Führungsstrecke inzwischen verlängert zu haben.

Der Stollen selbst steht unter Denkmalschutz. Der Verein nennt ihn ein geschütztes Baudenkmal, inFranken.de datiert die Unterschutzstellung auf 1988.

Außerdem gehört das Besucherbergwerk zum Geopark Schieferland, einem Zusammenschluss über die bayerisch-thüringische Grenze hinweg; der Verein und Wikipedia nennen die Mitgliedschaft. Die Liste der Schaubergwerke des Geoparks zeigt, mit wem der Stollen dort zusammengefasst ist: unter anderem mit den Saalfelder Feengrotten, dem Schaubergwerk Morassina in Schmiedefeld und dem Besucherbergwerk Kamsdorf. Wer den Stollen mag, findet dort Gruben mit ganz anderem Gestein, von Alaunschiefer bis Eisenerz.

Die Führung: rund 200 Meter im Stollen

Wie lang der Stollen insgesamt ist, hängt von der Quelle ab, aber nur um wenige Meter. Wikipedia nennt 975 Meter, der Verein, inFranken.de und showcaves.com sprechen von rund 1.000 Metern. Gezeigt wird davon ein Teil. Rechnerisch entsprach die klassische Führungsstrecke etwa einem Fünftel der Gesamtlänge.

Die reguläre Führung reichte nach Wikipedia und showcaves.com rund 200 Meter weit, inFranken.de nannte 2022 etwa 220 Meter. Seitdem ist die Strecke nach Angaben des Vereins länger geworden; eine neue Meterzahl nennt er nicht.

Besucht werden kann der Stollen von April bis Oktober, das bestätigen Verein und Ministeriumsbroschüre. Im Winter ruht der Führungsbetrieb.

Vor dem Einstieg bekommen alle Teilnehmer einen Helm und Schutzkleidung; das beschreiben der Verein, showcaves.com und ein Freizeitblatt des Verkehrsverbunds Großraum Nürnberg. Für die reguläre Führungsstrecke reichen nach showcaves.com normale feste Schuhe, weil dieser Teil gut ausgebaut ist. Der weitere Stollen wird nur bei Sonderführungen begangen, und dafür sind Gummistiefel nötig, wie auch der Verein angibt.

Für die Planung hilft ein Blick auf das Gelände. Der Stollen liegt am Talausgang, und wer anschließend ins Höllental wandern will, plant feste Schuhe ein, die für Stollen und Wanderweg gleichermaßen taugen. Eine warme Jacke gehört in jedem Fall dazu, denn unter Tage ist es auch im Sommer kühl.

Anreise mit Bahn und zu Fuß durchs Höllental

Ohne Auto ist der Stollen gut erreichbar. Die Regionalbahn von Hof nach Bad Steben hält in Marxgrün am Eingang des Höllentals; Verkehrsverbund und Wikivoyage beschreiben diese Strecke als Zugang zum Tal. Die alte Höllentalbahn durch das Tal ist dagegen stillgelegt. Im ehemaligen Bahnhof bei Blechschmidtenhammer, nur wenige hundert Meter vom Stollen entfernt, ist heute das Informationszentrum des Naturparks Frankenwald untergebracht.

Von Marxgrün führt ein Wanderweg durch das Höllental vorbei am Teufelssteg und am Felsen Hirschsprung bis Blechschmidtenhammer. Der Verkehrsverbund schlägt eine Tour vor, die über den Stollen und die Burgruine Lichtenberg weiter nach Bad Steben führt und dort wieder auf die Bahn trifft. Zum Stollen leitet die Markierung des Seenwegs (S), die auch Wikipedia nennt.

Höllental und Burgruine Lichtenberg

Direkt am Stollen beginnt das Höllental, das Tal der Selbitz, ein Wanderziel direkt vor der Tür. Wikipedia und showcaves.com nennen es als Ziel, das sich mit dem Stollenbesuch verbinden lässt.

Geologisch ist das Tal ein Sonderfall. Die Selbitz hat sich durch Diabas gegraben, ein altes vulkanisches Gestein aus dem Devon. Das Landesamt für Umwelt zählt das Höllental zu den bedeutenden Geotopen Bayerns, weil seine Felsen Einblick in den inneren Aufbau eines oberdevonischen Vulkans geben; Wikivoyage weist auf den Diabas und auf einen Aufschluss fossiler Kissenlava an einer Talflanke hin. Durch das Tal führt ein Erlebnispfad zu Geologie und Bergbau, an dem auch der Stollen liegt.

Naturschutzgebiet ist das Höllental seit 1997, mit rund 160 Hektar; Wikipedia und Wikivoyage nennen beide Zahlen, dazu die Zugehörigkeit zu einem europäischen FFH-Gebiet. Das Tal liegt an der früheren innerdeutschen Grenze, auf die auch showcaves.com hinweist. Das hatte Folgen für die Bahn: Die Höllentalbahn von Marxgrün nach Blankenstein in Thüringen verlor ihren Personenverkehr mit der Teilung 1945, so die Wikipedia-Artikel zum Höllental und zu Lichtenberg; Wikivoyage beschreibt die Strecke als stillgelegt. Brücken und Tunnel der alten Trasse sind im Tal noch zu sehen.

Wer durch das Tal wandert, kommt an einigen bekannten Punkten vorbei. Der Teufelssteg, eine Holzbrücke über die Selbitz, musste nach einem Sturm im Jahr 2008 neu gebaut werden, das bestätigen Wikipedia und der Verkehrsverbund. Ein zweiter Steg, der Jungfernsteg, quert den Fluss ebenfalls. Hoch über dem Wasser steht der Hirschsprung, ein Felsvorsprung, von dem der Sage nach in die Enge getriebene Hirsche ins Tal gesprungen sein sollen. Ein hölzerner Hirsch erinnerte dort an die Geschichte, bis er Anfang 2024 zerstört wurde; Wikipedia und das Faltblatt des Verkehrsverbunds melden beide, dass er ersetzt werden soll. Am Taleingang bei Hölle schließlich wird Mineralwasser gefördert, der Höllensprudel, aus einer Bohrung von 262 Metern Tiefe, die Anfang des 20. Jahrhunderts niedergebracht wurde.

Rund 1,2 Kilometer entfernt liegt Lichtenberg mit seiner Burgruine. Die Burg wurde im Dreißigjährigen Krieg niedergebrannt, nach Wikipedia 1634 durch kaiserliche Truppen. Erhalten sind Mauerreste und ausgedehnte Kelleranlagen, und auf dem Stumpf des alten Turms steht ein Aussichtsturm, der einen weiten Blick bietet.

Auch der Kupferbergbau hatte im Frankenwald eine zweite Adresse. In Kupferberg im Landkreis Kulmbach ist die St.-Veit-Zeche seit 2015 als Besucherbergwerk geöffnet, mit Bergbau-Museum am selben Ort. Einen Überblick über weitere Bergwerke in der Region gibt die Übersicht der Besucherbergwerke.

Besucherbergwerke in der Nähe

  1. St. 01Besucherbergwerk St.-Veit-ZecheKupferberg · Frankenwald29 km
  2. St. 02Besucherbergwerk KamsdorfKamsdorf (Unterwellenborn) · Saaletal / Orlasenke32 km
  3. St. 03Saalfelder FeengrottenSaalfeld/Saale · Thüringer Schiefergebirge36 km
  4. St. 04Schaubergwerk MorassinaSchmiedefeld (Saalfeld/Saale) · Thüringer Schiefergebirge36 km
  5. St. 05Bergwerk WerraWeißenstadt · Fichtelgebirge36 km
  6. St. 06Besucherbergwerke GoldkronachGoldkronach · Fichtelgebirge42 km

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Häufige Fragen

Wie lang ist der Friedrich-Wilhelm-Stollen?

Knapp einen Kilometer. Wikipedia nennt 975 Meter, Verein, Presse und showcaves.com sprechen von rund 1.000 Metern.

Wie weit geht die Führung in den Stollen hinein?

Die reguläre Führung reichte nach Wikipedia und showcaves.com rund 200 Meter weit, inFranken.de nannte 2022 etwa 220 Meter. Nach Angaben des Vereins wurde die Führungsstrecke inzwischen verlängert.

Wann ist der Friedrich-Wilhelm-Stollen geöffnet?

Das Besucherbergwerk hat Saison von April bis Oktober. Termine und Buchung veröffentlicht der Förderverein.

Was hat Alexander von Humboldt mit dem Stollen zu tun?

Der Bau wurde 1793 auf Initiative Humboldts begonnen, der damals preußischer Oberbergmeister war. Fertig war der Stollen erst 1831.

Was lässt sich mit dem Stollen im Höllental verbinden?

Der Stollen liegt am Ausgang des Höllentals, eines Naturschutzgebiets mit Teufelssteg, Jungfernsteg und dem Felsen Hirschsprung. Oberhalb liegt Lichtenberg mit seiner Burgruine.

Quellen

  1. Wikipedia: Friedrich-Wilhelm-Stollen
  2. inFranken.de: Einzigartiges Besucherbergwerk im Frankenwald
  3. showcaves.com: Friedrich-Wilhelm-Stollen
  4. Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie: Von Bergwerken, Hütten und Hämmern
  5. Friedrich-Wilhelm-Stollen e. V.: Besucherbergwerk Friedrich-Wilhelm-Stollen
  6. Bayerisches Landesamt für Umwelt: Nationale Geotope in Bayern: Höllental im Frankenwald
  7. Wikivoyage: Höllental (Frankenwald)
  8. Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN): Bergbau & der Teufel: durchs Höllental (Freizeittipp 208, Stand 01/2024)
  9. Wikipedia: Burg Lichtenberg (Oberfranken)
  10. Frankenland (Universitätsbibliothek Würzburg): Gert Rückel: Alexander von Humboldt und Goldkronach
  11. Wikipedia: Alexander von Humboldt
  12. Wikibooks: Kronacher Ausflüge: Natur
  13. Wikipedia: Höllental (Frankenwald)
  14. Wikipedia: Lichtenberg (Oberfranken)
  15. Geopark Schieferland: Schaubergwerke & Höhlen