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Feengrotten Saalfeld: Ablauf der Führung, Geschichte des Alaunbergwerks und Anfahrt

Aktuelle Führungszeiten und Anmeldung beim Betreiber:
feengrotten.de →

Zeichnung: Schnitt durch einen Hügel mit alten Grubenräumen im Schiefer und einer Grotte mit farbigen Tropfsteinen
Schematisch: Grubenräume und TropfsteingrotteIllustration
Karte: Lage von Saalfelder Feengrotten in Saalfeld/Saale unter den Besucherbergwerken in Deutschland
Lage in Deutschland: gelb Saalfelder Feengrotten, Kreuz Fichtelberg, Punkte weitere Besucherbergwerke. Entfernungen berechnen

Die Tropfsteine in den Saalfelder Feengrotten sind nicht weiß und nicht grau, sondern braun, ocker, rostrot und an manchen Stellen fast grünlich. Für eine Höhle wäre das ungewöhnlich. Die Feengrotten Saalfeld sind aber keine Höhle, sondern ein altes Bergwerk, in dem vor Jahrhunderten Alaunschiefer abgebaut wurde, und die Farben sind die späte Nebenwirkung dieser Arbeit. Laut Guinness-Buch der Rekorde, so berichten Wikipedia und TRAVELBOOK, gelten sie als die farbenreichsten Schaugrotten der Welt.

Das Schaubergwerk liegt am Stadtrand von Saalfeld an der Saale im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt in Thüringen. Vom Fichtelgebirge aus ist es eine Tagesfahrt nach Norden, Luftlinie knapp 80 Kilometer. Diese Seite erklärt, wie die Farben entstanden sind, wie die Führung durch die Feengrotten abläuft und wie man hinkommt. Preise und Öffnungszeiten veröffentlicht der Betreiber.

Geschichte: vom Alaunbergwerk zum Schaubergwerk

Bergbau gab es an dieser Stelle vermutlich seit etwa 1530; Wikipedia und showcaves.com nennen diese Jahreszahl als Schätzung. Abgebaut wurde Alaunschiefer, ein dunkles, schwefel- und tonhaltiges Gestein. Aus ihm gewann man Alaun, ein Salz, das über Jahrhunderte in der Gerberei, zum Fixieren von Farben beim Färben von Stoffen und in der Medizin gebraucht wurde. 1757 erhielt die Grube den Namen „Jeremias Glück“.

Wann der Alaunschieferabbau endete, ist nicht ganz einheitlich überliefert: Wikipedia nennt 1850, showcaves.com 1855. Danach wurde in der Grube noch Ocker gewonnen, ein natürliches Farbpigment, bis ins frühe 20. Jahrhundert. Dann verfiel sie.

Die eigentliche Geschichte der Feengrotten beginnt mit einer Wiederentdeckung. Um 1910 stieß man auf die alten Grubenbaue und fand sie voller farbiger Tropfsteine. Die Stadt Saalfeld berichtet in ihrer Jubiläumsserie, dass zunächst das austretende Grubenwasser untersucht wurde. 1912 erwarb Adolf Mützelburg die alte Grube und ließ sie für Besucher erschließen.

Ende 1913 kam der Fund, der die Feengrotten berühmt machte: Bergleute entdeckten die dritte Sohle mit dem Raum, der heute „Märchendom“ heißt. Ob das am 22. oder am 23. Dezember war, darüber sind sich Wikipedia und die Stadt Saalfeld nicht einig. Am Pfingstsonntag, dem 31. Mai 1914, öffnete das Schaubergwerk für Besucher, wenige Wochen vor Beginn des Ersten Weltkriegs.

Seitdem ist aus dem Schaubergwerk eine ganze Erlebniswelt geworden. Unter Tage gibt es zusätzlich einen Heilstollen, über Tage das Erlebnismuseum Grottoneum, das Bergbau, Tropfsteine und Minerale erklärt. Den Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde datieren die Sekundärquellen auf 1993.

Wie viele Menschen seitdem hier waren, lässt sich nur ungefähr sagen. Wikipedia und Wikivoyage sprechen von rund 20 Millionen Besuchern seit 1914, eine ältere Angabe der Betreiber-Pressestelle bei TRAVELBOOK von über 18 Millionen.

Wohlfarth, Heß von Wichdorff, Mützelburg: wer die Grotten erschloss

Dass aus der verfallenen Grube ein Schaubergwerk wurde, hat mit drei Männern zu tun. Der erste war Otto Wohlfarth, dem die alte Grube gehörte. Um 1910 ließ er Fachleute die wiederentdeckten Hohlräume und ihr Wasser untersuchen; Wikipedia erwähnt rund ein Dutzend Saalfelder Wissenschaftler, die Stadt Saalfeld eine Wasseranalyse von 1911. 1912 verkaufte er die Grube an Adolf Mützelburg.

Der zweite war der Geologe Hans Heß von Wichdorff. Von ihm stammen nach Wikipedia und der Stadt Saalfeld die Namen, die bis heute gelten: „Saalfelder Feengrotten“, „Märchendom“, „Quellgrotten“. Im Märchendom steht auch die Tropfsteinformation, die als „Gralsburg“ bekannt ist.

Der dritte, Adolf Mützelburg, ließ die Grube für Besucher erschließen. Er setzte nicht nur auf Führungen. 1924 entstand ein Quellforschungsinstitut, 1927 das Quellenhaus, an der Stelle, an der seit 1764 eine Siedehütte gestanden hatte. Heilwasser aus den Grotten kam in den Handel; Wikipedia nennt für den Verkauf ein Ende Mitte der 1960er-Jahre. Mützelburg selbst starb 1931.

Aus derselben Zeit stammt eine Geschichte, die Wikipedia und der Betreiber erzählen: Siegfried Wagner, der Sohn Richard Wagners, soll sich in den 1920er-Jahren in den Grotten Anregungen für ein Bühnenbild zu „Tannhäuser“ geholt haben.

Warum die Feengrotten so bunt sind

In einer Kalksteinhöhle entstehen Tropfsteine, wenn kalkhaltiges Wasser verdunstet oder Kohlendioxid abgibt und Kalk zurücklässt. In den Feengrotten ist das Wasser ein anderes. Es sickert durch den alten Alaunschiefer, löst Eisen und andere Stoffe heraus und setzt sie an Decken und Wänden wieder ab. Das häufigste der seltenen Minerale, die so entstanden sind, ist Diadochit, ein weiches Eisen(III)-Phosphat-Sulfat. Er bildet die farbigen Tropfsteine, für die die Grotten bekannt sind.

Diadochit ist empfindlich: weich und nicht besonders stabil. Wissenschaftlich untersucht hat das Mineral der Mineraloge August Breithaupt 1837, an Proben aus thüringischen Alaunschiefergruben. Ob der Fundort die Feengrotten selbst waren oder die Alaunbrüche bei Arnsbach nahe Schmiedefeld, darüber gehen Wikipedia und showcaves.com auseinander. Dass die Tropfsteine in einem Bergwerk wachsen, das erst seit dem 16. Jahrhundert existiert, zeigt außerdem, dass sie jünger sind als die Tropfsteine natürlicher Kalkhöhlen.

Die Fachliteratur hat sich mit den Mineralen der Feengrotten mehrfach beschäftigt, unter anderem im International Journal of Speleology. Für Besucher reicht eine einfache Faustregel: Wo es rötlich oder ockerfarben schimmert, ist Eisen im Spiel, und wo die Formen weich und wie geschmolzen wirken, ist es meistens Diadochit.

Der Heilstollen „Emanatorium“

Ein Teil der ersten Sohle wird nicht für Führungen, sondern als Heilstollen genutzt. Am 10. September 1937 eröffnete dort das „Emanatorium“, nach Angaben der Stadt Saalfeld Deutschlands erster Heilstollen dieser Art; Wikipedia nennt ihn einen der ersten. Der Name geht auf „Radiumemanation“ zurück, die alte Bezeichnung für das radioaktive Edelgas Radon.

Später ruhte der Kurbetrieb über lange Zeit. 1994 wurde der Heilstollen wieder eröffnet, so beschreiben es die Stadt Saalfeld und das Thüringer Wirtschaftsministerium in einer Pressemitteilung von 2017. Im selben Jahr erhielt Saalfeld das Prädikat „Staatlich anerkannter Ort mit Heilstollenkurbetrieb“, das auch die Kurbeitragssatzung der Stadt nennt. Die Luft im Stollen beschreibt das Ministerium als feucht und mit konstant acht bis zehn Grad.

Der Heilstollen ist ein eigenes Angebot mit eigenen Bedingungen und nicht Teil der regulären Führung. Wer ihn nutzen möchte, erkundigt sich beim Betreiber.

Feengrotten Saalfeld: Führung und Ablauf

Die Feengrotten Saalfeld sind nur mit Führung zugänglich. Die Führung führt durch die alten Abbaue über mehrere Sohlen, also Ebenen des Bergwerks, bis zum Märchendom, dem bekanntesten Raum der Grotten. Unterwegs erklären die Führer, wie der Alaunschiefer abgebaut wurde, wie die Grotten wiederentdeckt wurden und woher die Farben kommen.

Das Bergwerk hat drei Sohlen. Tief ist es nicht: Die zweite Sohle mit den Quellgrotten liegt nach Wikipedia und dem Reiseblog homeoftravel.de rund 26 Meter unter der Oberfläche. Die dritte, erst 1913 entdeckte Sohle mit dem Märchendom ist der Höhepunkt jeder Führung. Seine Tropfsteine spiegeln sich in einem kleinen, stillen Wasserbecken, wie die englischsprachige Wikipedia und homeoftravel.de beschreiben.

Wie lang der Weg ist und wie lange die Führung dauert, nennen die unabhängigen Quellen nicht übereinstimmend; der Betreiber veröffentlicht die aktuellen Angaben auf feengrotten.de. Neben der regulären Führung durch die Feengrotten bietet der Betreiber zu bestimmten Terminen besondere Formate an, deren Bedingungen er ebenfalls selbst festlegt.

Unter Tage ist es das ganze Jahr kühl, etwa 8 bis 10 Grad. Wer im Sommer aus der Hitze des Saaletals kommt, merkt den Unterschied sofort. Festes Schuhwerk ist sinnvoll; die Wege sind befestigt, aber Betreiber und Reiseberichte nennen viele Stufen sowie enge und niedrige Gänge, darunter einen langen, niedrigen Stollen, in dem große Menschen den Kopf einziehen müssen. Barrierefrei ist das nicht.

Fotografieren und das Berühren der Tropfsteine regelt der Betreiber; im Zweifel gilt die Regel der Führerin oder des Führers vor Ort.

Feengrotten Saalfeld mit Kindern

Viele Familien kommen wegen des Namens. Wer die Feengrotten Saalfeld mit Kindern besucht, findet mit Märchendom, bunten Tropfsteinen und einer Führung, die mit Geschichten arbeitet, ein Ziel, das auch jüngere Kinder erreicht. Das Grottoneum, das es nach Wikipedia und TRAVELBOOK seit 2011 gibt, ergänzt die Führung: Dort lässt sich in Ruhe anschauen und ausprobieren, was unter Tage im Halbdunkel an einem vorbeizieht.

Für die reguläre Führung nennen der Betreiber und homeoftravel.de ein Alter ab etwa vier Jahren; Grenzen für Dunkel- oder Sonderführungen legt der Betreiber fest. Wer mit sehr kleinen Kindern oder einem Kinderwagen kommen möchte, sollte vorher auf feengrotten.de nachsehen oder anrufen. Für die reguläre Führung durch die Feengrotten mit Kindern helfen dieselben Dinge wie in jedem Bergwerk: eine warme Jacke, Schuhe mit Profil und eine kurze Erklärung vorab, dass es dunkel, kühl und manchmal eng wird.

Über Tage gehört zum Gelände seit 2007 der Erlebniswald „Feenweltchen“. Wikipedia nennt das Eröffnungsjahr, homeoftravel.de empfiehlt ihn als Ziel für Familien nach der Führung. Wer die Feengrotten Saalfeld mit Kindern besucht, hat damit für die Zeit vor oder nach dem Termin unter Tage ein zweites Ziel auf demselben Gelände.

Anfahrt nach Saalfeld

Saalfeld liegt im Saaletal am Rand des Thüringer Schiefergebirges. Mit der Bahn ist Saalfeld (Saale) der Ausgangspunkt; der Busbahnhof liegt direkt am Bahnhof. Für die Anfahrt mit dem Bus nennen der Betreiber und homeoftravel.de die Stadtbuslinie A ab dem Bahnhof, eine Haltestelle „Feengrotten“ führt auch die Fahrplanauskunft. Für die Anfahrt mit dem Auto nennt der Betreiber auf feengrotten.de Adresse und Parkmöglichkeiten.

Die Feengrotten liegen am Stadtrand, nicht in der Altstadt. Wer die Stadt mitnehmen möchte, plant für die Altstadt von Saalfeld einen eigenen Abschnitt des Tages ein.

In der Umgebung: weitere Bergwerke an der Saale

Nur rund acht Kilometer Luftlinie von den Feengrotten entfernt liegt das Besucherbergwerk Kamsdorf, in dem es um Eisenerz geht und nicht um Alaun. Im Thüringer Wald gibt es mit dem Schaubergwerk Morassina in Schmiedefeld ein weiteres altes Alaunbergwerk mit farbigen Tropfsteinen. Wer beide besucht, kann vergleichen, wie unterschiedlich dieselbe Art Bergbau Jahrhunderte später aussehen kann.

Und wer aus dem Fichtelgebirge kommt, hat den Gleißinger Fels in Fichtelberg vielleicht schon gesehen: ein Eisenbergwerk im Granit, mit glitzerndem Eisenglimmer statt bunter Tropfsteine. Der Unterschied zwischen beiden ist eine gute Erinnerung daran, wie verschieden Bergwerke sind, die man unter demselben Wort zusammenfasst.

Besucherbergwerke in der Nähe

  1. St. 01Besucherbergwerk KamsdorfKamsdorf (Unterwellenborn) · Saaletal / Orlasenke9 km
  2. St. 02Schaubergwerk MorassinaSchmiedefeld (Saalfeld/Saale) · Thüringer Schiefergebirge14 km
  3. St. 03Besucherbergwerk Friedrich-Wilhelm-StollenLichtenberg · Frankenwald36 km
  4. St. 04Besucherbergwerk St.-Veit-ZecheKupferberg · Frankenwald58 km
  5. St. 05Bergwerk WerraWeißenstadt · Fichtelgebirge72 km
  6. St. 06Besucherbergwerke GoldkronachGoldkronach · Fichtelgebirge74 km

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Häufige Fragen

Kann man die Feengrotten Saalfeld ohne Führung besichtigen?

Nein. Die Saalfelder Feengrotten sind nur mit Führung zugänglich, so beschreiben es der Betreiber und showcaves.com. Termine und Anmeldung stehen auf feengrotten.de.

Wie kalt ist es in den Feengrotten?

Im Schaubergwerk herrschen das ganze Jahr etwa 8 bis 10 Grad. Eine Jacke gehört auch im Sommer ins Gepäck.

Sind die Feengrotten Saalfeld mit Kindern ein gutes Ziel?

Für Familien sind die Feengrotten Saalfeld mit Kindern beliebt, weil zur Erlebniswelt neben dem Schaubergwerk auch das Museum Grottoneum gehört. Welche Altersgrenzen für einzelne Führungen gelten, legt der Betreiber fest.

Warum sind die Tropfsteine in den Feengrotten so bunt?

Die Farben stammen vor allem vom Mineral Diadochit, einem weichen Eisenphosphat-Sulfat, das sich aus dem eisenhaltigen Sickerwasser des alten Alaunschieferbergwerks abgesetzt hat.

Quellen

  1. Wikipedia: Saalfelder Feengrotten
  2. showcaves.com: Feengrotten Saalfeld
  3. Stadt Saalfeld/Saale: 100 Jahre Feengrotten (Jubiläumsserie)
  4. TRAVELBOOK: Deutschland unter Tage
  5. International Journal of Speleology: Band 23, Heft 1
  6. Saalfelder Feengrotten und Tourismus GmbH: Schaubergwerk Feengrotten
  7. Stadt Saalfeld/Saale: Teil 5: Das „Emanatorium“ – der Heilstollen der Feengrotten
  8. homeoftravel.de: Saalfelder Feengrotten: Märchenhafte Welt unter Tage
  9. TRAVELBOOK: 100-jähriges Jubiläum der Feengrotte Saalfeld
  10. Wikipedia (englisch): Saalfeld Fairy Grottoes
  11. Wikivoyage: Saalfeld
  12. Stadt Saalfeld (Saalfeld informativ, Juli/August 2018): Übergabe Prädikat „Ort mit Heilstollenkurbetrieb“
  13. Stadt Saalfeld/Saale: Kurbeitragssatzung
  14. pressetext / Saalfelder Feengrotten: Unendliche Geschichten in den Saalfelder Feengrotten
  15. showcaves.com: Diadochit
  16. Saalfelder Feengrotten und Tourismus GmbH: Anfahrt