Im Bergbau hat das Jahr seinen eigenen Takt. Im Frühjahr sperren kleine Vereinsbergwerke ihre Stollen wieder auf, im Mai und September öffnen Museen und Denkmale an bundesweiten Aktionstagen, im Advent ziehen im Erzgebirge die Bergparaden durch die Städte, und im Winter gehören manche Stollen allein den Fledermäusen. Dieser Bergbau-Kalender sammelt die festen Termine, die für Besucherbergwerke wichtig sind, und erklärt, woher sie kommen.
Uhrzeiten und Eintrittspreise nennen die Veranstalter selbst. Sie ändern sich von Jahr zu Jahr und manchmal mitten in der Saison. Was sich nicht ändert, sind die Regeln dahinter: der zweite Sonntag im September, der 4. Dezember, die Fledermausruhe ab Oktober. Wer die kennt, kann ein Jahr im Voraus planen und muss dann nur noch beim Betreiber nachsehen, ob es dabei bleibt.
| Zeitraum | Termin | Regel |
|---|---|---|
| Frühjahr | Saisonstart vieler kleiner Bergwerke | je nach Bergwerk April oder Mai |
| Mai | Internationaler Museumstag | in Deutschland ein Sonntag im Mai |
| Juni | ExtraSchicht im Ruhrgebiet | letzter Samstag im Juni |
| September | Tag des offenen Denkmals | zweiter Sonntag im September |
| Oktober | Saisonende, Fledermausruhe | je nach Bergwerk September oder Oktober |
| 4. Dezember | Barbaratag | fester Tag |
| Advent | Mettenschichten und Bergparaden | Termine der Vereine und Städte |
Saison der Besucherbergwerke: wer im Frühjahr öffnet
Ob ein Bergwerk ganzjährig führt oder nur im Sommerhalbjahr, hängt weniger von der Größe ab als davon, wer es betreibt und wer sonst noch darin wohnt. Bei den kleinen, meist ehrenamtlich getragenen Gruben im Frankenwald und im Fichtelgebirge beginnt die Besucherbergwerk-Saison im Frühjahr.
Der Friedrich-Wilhelm-Stollen bei Lichtenberg führt von April bis Oktober; das bestätigen der Förderverein, der den Stollen betreibt, und showcaves.com. Dieselbe Spanne gilt für die St.-Veit-Zeche in Kupferberg: Der Bergbau-Museum Kupferberg e. V. nennt ausdrücklich eine Winterpause vom 1. November bis 31. März, showcaves.com führt April bis Oktober. Das Graphitbergwerk Kropfmühl im Bayerischen Wald öffnete 2026 Ende März und führt bis Ende Oktober, so der Betreiber und showcaves.com.
Später dran sind die Stollen, in denen Fledermäuse überwintern. Die Besucherstollen am Goldberg in Goldkronach sind nach Angaben der Stadt und von Wikivoyage von Mai bis Mitte Oktober geöffnet. Das Bergwerk Werra bei Weißenstadt führt nur von Mai bis September, schreiben die Stadt Weißenstadt und showcaves.com.
Wer also im April eine Bergwerkstour durchs Fichtelgebirge plant, findet einen Teil der Stollen noch verschlossen. Ein Blick in die Übersicht der Besucherbergwerke und auf die Seite des Betreibers spart den vergeblichen Weg.
Ganzjährig geöffnet: die großen Schaubergwerke
Am anderen Ende stehen die Anlagen mit hauptamtlichem Betrieb. Das Salzbergwerk Berchtesgaden ist nach Angaben des Betreibers täglich geöffnet; showcaves.com nennt eigene Winterzeiten und nur wenige Schließtage an Feiertagen. Der Rammelsberg in Goslar führt laut Museum und showcaves.com von April bis Oktober und von November bis März, geschlossen ist nur an zwei Tagen um den Jahreswechsel.
Für diese Bergwerke ist die Jahreszeit fast gleichgültig. Unter Tage ist es im Januar so kühl wie im Juli; im Salzbergwerk Berchtesgaden herrschen laut Betreiber und showcaves.com das ganze Jahr rund 12 °C. Welche Bergwerke außerdem im Winter führen, ändert sich mit den Vereinen, die sie tragen, und den Kräften, die sie haben.
Aktionstage im Mai: der Internationale Museumstag
Der erste große Aktionstag im Bergbau-Kalender gehört den Museen. Den Internationalen Museumstag hat der Internationale Museumsrat ICOM 1977 ins Leben gerufen, ein Jahr später fand er zum ersten Mal statt; so beschreiben es der Deutsche Museumsbund und Wikipedia. Weltweit ist der 18. Mai sein Datum. In Deutschland liegt er auf einem Sonntag, nach Wikipedia meist auf dem zweiten oder dritten im Mai. 2026 war es der 17. Mai.
Der Deutsche Museumsbund koordiniert den Tag bundesweit, das Programm gestalten die Häuser selbst. Mehr als 7.100 Museen gibt der Museumsbund als Angebot an, viele mit freiem Eintritt, Führungen oder Blicken hinter die Kulissen. Das internationale Motto setzt ICOM; 2026 lautete es „Museums Uniting a Divided World“. Den Termin für 2027 hat der Museumsbund noch nicht veröffentlicht, er gilt also laut Veranstalter.
Für Bergbaufreunde ist der Tag interessant, weil auch die Bergbaumuseen mitmachen können, vom großen Forschungsmuseum bis zum Vereinsmuseum neben dem Stollen. Welche Häuser im jeweiligen Jahr dabei sind, steht in den Veranstaltungsportalen der Museumsverbände.
Juni: ExtraSchicht, die Nacht der Industriekultur
Im Ruhrgebiet heißt der Bergbau-Aktionstag ExtraSchicht. Seit 2001 öffnen in einer Nacht Zechen, Kokereien, Hochöfen und andere Industriedenkmale mit Musik, Licht und Führungen. Die Nacht liegt nach Wikipedia auf dem letzten Samstag im Juni. Für 2027 kündigt die Website der ExtraSchicht den 26. Juni an, und der ist tatsächlich der letzte Samstag des Monats. Die Projektleitung liegt bei Ruhr Tourismus.
Mit einem Besucherbergwerk im engeren Sinn hat die ExtraSchicht wenig zu tun. Es geht um die Gebäude über Tage, um Fördergerüste und Maschinenhallen, und um eine Nacht, in der sie voller Menschen sind. Wer die Steinkohle von ihrer festlichen Seite sehen möchte, ist dort trotzdem richtig.
September: Tag des offenen Denkmals
Am zweiten Sonntag im September öffnen in ganz Deutschland Denkmale, die sonst verschlossen sind. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz koordiniert den Tag des offenen Denkmals seit 1993 bundesweit, schreiben die Stiftung und Wikipedia. Die Idee stammt aus Frankreich: 1984 rief der damalige Kulturminister Jack Lang dort Tage der offenen Tür in historischen Monumenten aus, 1991 machte der Europarat daraus die European Heritage Days.
2026 fiel der Tag auf den 13. September, das Motto lautete „NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur“. Für 2027 nennt die Stiftung bereits Sonntag, den 12. September. Das Programm erscheint jedes Jahr auf der Website der Stiftung und lässt sich dort nach Ort und Thema durchsuchen.
Wie groß der Tag inzwischen ist, zeigen die Zahlen der Stiftung. Im ersten Jahr 1993 öffneten in 1.200 Kommunen rund 3.500 Denkmale; für 2026 meldet die Stiftung mehr als 7.000. Wikipedia spricht von jeweils mehreren Millionen Besuchern. Bergbau und Technik standen schon einmal ausdrücklich im Mittelpunkt: 2015 lautete das Motto „Handwerk, Technik, Industrie“, und auch das Motto von 2026 nannte unter den Knotenpunkten der Versorgung ausdrücklich die Zeche. Für Bergwerksfreunde ist der Tag deshalb eine Gelegenheit, Orte zu sehen, die sonst nur von außen zugänglich sind. Was dabei an Bergbaudenkmalen offen steht, entscheiden allerdings die Eigentümer und Vereine vor Ort, nicht die Stiftung.
Herbst: Saisonende und Fledermausruhe
Im Oktober wird es in vielen Stollen still, und das hat einen Grund, der mit Besucherzahlen nichts zu tun hat. Stollen sind frostfrei, ruhig und gleichmäßig temperiert, genau das, was Fledermäuse für den Winterschlaf suchen. Jedes Aufwachen kostet die Tiere viel Energie und zehrt an den Fettreserven, mit denen sie bis zum Frühjahr auskommen müssen, erklärt waldwissen.net.
Das Bundesnaturschutzgesetz zieht daraus eine klare Grenze. Nach § 39 Absatz 6 ist es verboten, Höhlen, Stollen, Erdkeller oder ähnliche Räume, die Fledermäusen als Winterquartier dienen, vom 1. Oktober bis zum 31. März aufzusuchen. Ausgenommen sind touristisch erschlossene oder stark genutzte Bereiche. Für die Werra bei Weißenstadt heißt das konkret: Von Oktober bis April bleibt das Bergwerk geschlossen, weil es heimischen Fledermausarten als Quartier dient, so die Stadt; showcaves.com schreibt dasselbe. Goldkronach begründet die Winterschließung seiner Stollen ebenfalls mit dem Fledermausschutz.
Ehrlich gesagt ist das eine der sympathischeren Regeln im Bergbau-Kalender: Ein Stollen, der im Winter nicht besucht werden kann, ist meistens einer, in dem gerade jemand schläft.
Feste im Dezember: Barbaratag, Mettenschichten und Bergparaden
Der Dezember ist der Festmonat des Bergbaus. Er beginnt mit dem Barbaratag am 4. Dezember. Die heilige Barbara gilt als Schutzpatronin der Bergleute; Wikipedia und die Stuttgarter Zeitung erklären das unter anderem mit ihrer Legende, nach der sich ein Felsen öffnete, um sie zu verstecken, und mit ihrer Rolle als Patronin gegen einen plötzlichen Tod. Am selben Tag schneidet man nach altem Brauch Barbarazweige, die bis Weihnachten blühen sollen, so waldwissen.net. Viele ehemalige Bergbauorte feiern an diesem Tag oder am Sonntag danach. In Kupferberg im Frankenwald etwa steht die Barbarafeier am 4. Dezember fest im Kalender des Bergbaumuseumsvereins; inFranken.de berichtete 2016 von einem Bergaufzug mit Fackeln zu dieser Feier. Mehr dazu steht auf der Seite zum Barbaratag.
Danach folgen die Mettenschichten. Ursprünglich war die Mettenschicht die letzte Schicht vor Weihnachten, die mit einer Andacht, Liedern und einem gemeinsamen Essen endete. Heute laden viele Besucherbergwerke im Erzgebirge im Advent zu solchen Feiern ein. Der Markus-Röhling-Stolln in Frohnau etwa feiert seine Mettenschichten im geschmückten Maschinenraum unter Tage, wie der Verein und das Europäische Netzwerk der Industriekultur ERIH beschreiben. Wer dabei sein möchte, plant früh: Die Zinnkammern Pöhla und das Schaubergwerk in Waschleithe beginnen mit dem Kartenverkauf für die Adventszeit schon Monate vorher.
Über Tage ziehen im Advent die Bergparaden. Die Deutsche UNESCO-Kommission hat die Bergparaden und Bergaufzüge in Sachsen 2016 ins bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Die größte findet nach Wikipedia am 4. Advent in Annaberg-Buchholz statt, 2026 also am 20. Dezember. Schneeberg feiert am Wochenende des 2. Advents gleich mit zwei Aufzügen, Chemnitz nach Wikipedia schon am Samstag vor dem 1. Advent. Termine, Ablauf und die Unterschiede zwischen Mettenschicht und Parade erklärt die Seite Mettenschicht und Bergparade.
Wie die Öffnungsangaben aktuell gehalten werden
Ein Bergbau-Kalender ist nur so gut wie seine Angaben. Die Einträge in der Übersicht der Besucherbergwerke werden deshalb einmal im Monat mit den Websites der Betreiber abgeglichen. Kündigt ein Betreiber dort eine Schließung an, etwa wegen Bauarbeiten, Winterpause oder fehlender Führer, erscheint beim jeweiligen Bergwerk der Hinweis „Laut Website des Betreibers derzeit geschlossen“. Öffnet das Bergwerk wieder, verschwindet der Hinweis beim nächsten Abgleich.
Zwischen den Jahren lohnt dieser Blick besonders. Auch die Bergwerke, die ganzjährig führen, schließen an einzelnen Feiertagen. Der Markus-Röhling-Stolln etwa hat über Weihnachten sowie an Silvester und Neujahr geschlossen, so der Verein und showcaves.com; die Zinngrube Ehrenfriedersdorf führt am 24., 25. und 31. Dezember und am 1. Januar nicht, und der Rammelsberg bleibt am 24. und 31. Dezember zu, wie die Betreiber und showcaves.com jeweils angeben. Wer die Tage nach Weihnachten für einen Ausflug unter Tage nutzen möchte, hat also gute Chancen, sollte aber genau diese Tage meiden.
Dieser Hinweis ist bewusst vorsichtig formuliert. Er gibt wieder, was der Betreiber selbst veröffentlicht, nicht mehr. Kurzfristige Absagen, etwa wegen Hochwasser im Stollen oder eines kranken Führers, erreichen eine monatliche Prüfung nicht immer. Wer weit fährt, ruft deshalb vorher an. Für die Suche nach dem nächstgelegenen Stollen hilft die Seite Bergwerk in der Nähe, und für das Fichtelgebirge ist der Gleißinger Fels in Fichtelberg ein guter Ausgangspunkt.
Beiträge zur Saison folgen: zum Bergwerk im Winter, zum Saisonstart im Frühjahr, zum Internationalen Museumstag und zum Tag des offenen Denkmals, jeweils rechtzeitig vor dem Termin.

