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Graphitbergwerk Kropfmühl: Besucherbergwerk und Graphiteum

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graphit-bbw.de →

Zeichnung: Graphitschuppen, ein Schmelztiegel und Bleistifte
Graphit, Schmelztiegel und BleistifteIllustration
Karte: Lage von Besucherbergwerk Graphit Kropfmühl in Hauzenberg-Kropfmühl unter den Besucherbergwerken in Deutschland
Lage in Deutschland: gelb Besucherbergwerk Graphit Kropfmühl, Kreuz Fichtelberg, Punkte weitere Besucherbergwerke. Entfernungen berechnen

Rund 220 Stufen führen hinunter, und am Ende steht man auf der 4. Sohle, 45 Meter unter der Oberfläche. Das Graphitbergwerk Kropfmühl bei Hauzenberg im Landkreis Passau ist ein Besucherbergwerk, neben dem weiter gearbeitet wird. Der Graphitbergbau in Kropfmühl war eine Zeit lang ausgesetzt und wurde 2012 wieder aufgenommen, das Besucherbergwerk liegt neben dem Produktionsstandort der Graphit Kropfmühl GmbH.

Seit 1983 können Besucher in die Grube einfahren. Seit März 2016 gehört außerdem das Graphiteum dazu, ein Museum über den Rohstoff, der hier seit Generationen aus dem Gestein geholt wird.

Die Führung: 220 Stufen zur 4. Sohle

Vor dem Abstieg gibt es Bergmannskittel und Helm. Danach geht es zu Fuß nach unten, über rund 220 Stufen bis zur 4. Sohle in 45 Metern Tiefe. Die Zahl der Stufen nennen der Betreiber und showcaves.com; eine Angabe von 222 Stufen, die gelegentlich auftaucht, lässt sich keiner Quelle zuordnen.

Unten herrschen 10 bis 12 °C. Das ist nicht eisig, aber nach einer Stunde spürbar, und eine Stunde ist das Mindeste: Betreiber und showcaves.com geben für die Führung etwa 60 bis 90 Minuten an. Wer die Stufen hinunter schafft, muss sie auch wieder hinauf, das sollte man bei kleinen Kindern und bei eingeschränkter Kondition einplanen.

Für Familien heißt das konkret: eine Jacke auch im Hochsommer, feste Schuhe für die Treppen und ein Kind, das rund 220 Stufen bergauf ohne Tragen schafft. Eine Grubenbahn, die einen Teil des Weges abnimmt, gibt es in Kropfmühl nicht; wer Gruben mit Bahnfahrt sucht, findet sie auf der Seite zu Besucherbergwerken mit Grubenbahn. Kittel und Helm stellt das Bergwerk, so Betreiber und showcaves.com.

Zum Programm gehört nicht nur der Abstieg. showcaves.com beschreibt eine Führung, die mit einem Film im Museum beginnt und dann unter Tage weitergeht, und auch museum.de und die European Route of Industrial Heritage erwähnen historische Filmaufnahmen zur Geschichte des Graphitbergbaus. Geführt wird nach museum.de von erfahrenen Bergleuten, nach ERIH von ehemaligen Bergleuten der Grube. Gezeigt werden Werkzeuge und Geräte, mit denen der Graphit gewonnen wurde, darunter historische Bergbaumaschinen.

Was „4. Sohle“ bedeutet, ist schnell erklärt. Eine Sohle ist im Bergbau eine Art Stockwerk der Grube, die Gesamtheit der Strecken auf einer Höhe; das Wort steht auch für den Boden eines Grubenbaus. Wer in Kropfmühl auf der 4. Sohle steht, hat also drei höher gelegene Stockwerke über sich. Weitere Begriffe dieser Art erklärt die Seite zur Bergmannssprache.

Unter Tage ist das Bergwerk nicht barrierefrei. Für Rollstuhlfahrer und stark Gehbehinderte gibt es keine Führung in die Grube. Anders das Museum: Das Graphiteum ist barrierefrei zugänglich, sodass ein Teil des Besuchs allen offensteht.

Graphit aus dem Bayerischen Wald

Graphit ist reiner Kohlenstoff in Schichtform, weich, grau glänzend und ein guter Leiter. Die meisten Menschen kennen ihn aus dem Bleistift. In Kropfmühl ist er der Grund, warum es den Ort als Bergbaustandort überhaupt gibt. Anders als das Silbererz in Bodenmais oder Lam wird Graphit nicht verhüttet, um ein Metall daraus zu gewinnen; genutzt wird das Mineral selbst.

Was Graphit von Kohle unterscheidet, erklärt showcaves.com knapp: Er besteht fast vollständig aus Kohlenstoff, leitet Wärme und Strom und lässt sich als Schmiermittel verwenden. ERIH nennt die beiden Anwendungen, die Besuchern am nächsten liegen, die Bleistiftmine und die Elektromobilität.

Die Liste ist länger. Wikipedia zählt für den Graphit aus dem Kropfmühler Werk Schmierstoffe, Kohlebürsten für Elektromotoren und chemische Anwendungen wie Wärmedämmung auf. AMG, der damalige Eigentümer, nannte 2012 bei der Wiedereröffnung der Grube energiesparende Dämmstoffe und Batterien für Elektroautos als Felder, für die hochreiner Naturgraphit entwickelt werde. Mit dem Bleistift, an den die meisten zuerst denken, hat das Geschäft heute also nur noch am Rand zu tun.

Die Nutzung des Graphits in dieser Gegend ist vermutlich sehr alt. museum.de verweist auf Hinweise, dass schon keltische Siedler den heimischen Graphit für Keramik nutzten, showcaves.com hält Graphitabbau seit keltischer Zeit für wahrscheinlich, und die Ausstellung im Graphiteum beginnt nach Angaben der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen mit keltischen Graphitgefäßen und spannt einen Bogen über rund 2.500 Jahre. Belege aus archäologischer Fachliteratur nennen die Quellen nicht; „vermutlich“ ist deshalb das richtige Wort.

Bevor die Industrie kam, holten Bauern den Graphit aus dem Boden. Dieser bäuerliche Abbau ist für das 18. Jahrhundert belegt, beim Betreiber, bei showcaves.com und bei museum.de. Der industrielle Graphitbergbau begann nach denselben Quellen 1870. Die Broschüre „Von Bergwerken, Hütten und Hämmern“ der bayerischen Staatsregierung von 2008 nennt stattdessen 1876. Die Mehrheit der Quellen spricht für 1870.

1916 wurde die Graphitwerk Kropfmühl AG gegründet, so museum.de und die European Route of Industrial Heritage.

Ganz ohne Unterbrechung lief die Förderung nicht. Der Bergbau wurde zeitweise ausgesetzt und 2012 wieder aufgenommen, darin stimmen Betreiber, showcaves.com und museum.de überein. Für Besucher bedeutet das: Was sie unter Tage sehen, ist kein abgeschlossenes Kapitel, sondern Teil eines Rohstoffs, der in Kropfmühl weiterhin gewonnen wird.

Pause und Neustart der Produktionsgrube

Wann genau die Förderung ruhte, geben die Quellen leicht verschieden an. Wikipedia nennt 2005 als Jahr, in dem sie eingestellt wurde, museum.de 2006. Der Grund war in beiden Darstellungen wirtschaftlich: museum.de spricht von einem starken Preisverfall bei Rohstoffen, Wikipedia davon, dass die Grube so erhalten blieb, dass sie bei steigendem Weltmarktpreis wieder hätte fördern können.

Genau das trat ein. Im Juni 2012 meldete AMG, die Grube in Kropfmühl sei wieder in Betrieb, weil die Nachfrage nach hochreinem Naturgraphit gestiegen sei. Geplant waren nach der Mitteilung von AMG und einem Bericht von NS Energy rund 300 Tonnen im ersten Jahr und etwa 1.300 Tonnen im Jahr 2013. Das ist für ein Werk, das nach denselben Angaben jährlich über 25.000 Tonnen Naturgraphit verarbeitet, ein kleiner Anteil; der größte Teil des Rohstoffs kam aus Gruben in Afrika und Asien.

Vom Besucherbergwerk 1983 zum Graphiteum 2016

Das Besucherbergwerk öffnete 1983, mehr als hundert Jahre nach dem Beginn des industriellen Abbaus.

In den Jahren 2014 und 2015 wurden Förderturm und Stollengebäude saniert und umgebaut, also kurz nachdem 2012 der Bergbau wieder aufgenommen worden war. Betreiber, showcaves.com, museum.de und das Landratsamt Passau beschreiben diese Arbeiten übereinstimmend. Sie bereiteten den nächsten Schritt vor: Am 11. März 2016 wurde das Graphiteum eingeweiht, ein Museum, das sich ganz dem Graphit widmet. Zur Einweihung veröffentlichte der Landkreis Passau ein Grußwort des Landrats.

Rund 350 Quadratmeter Ausstellungsfläche hat das Graphiteum, so museum.de und die Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen. Es behandelt den Graphit von seiner Geschichte und dem Abbau in Kropfmühl bis zu heutigen und künftigen Anwendungen. showcaves.com beschreibt die Schwerpunkte ähnlich: Geologie, wirtschaftliche Bedeutung und die Bergbaugeschichte vor allem des 19. und 20. Jahrhunderts.

Getragen wird das Ganze heute von der Graphit Kropfmühl Besucherbergwerk gGmbH, einer gemeinnützigen Gesellschaft. Sie betreibt Besucherbergwerk und Museum, während nebenan die Graphit Kropfmühl GmbH produziert.

Deren Eigentümer hat gewechselt. Zur Gruppe der Advanced Metallurgical Group (AMG) gehörte die frühere Graphit Kropfmühl AG spätestens 2012: Wikipedia beschreibt eine Mehrheitsübernahme 2008 und die vollständige Übernahme 2012, und AMG selbst stellte die Firma in seiner Mitteilung vom Juni 2012 als Tochtergesellschaft vor. Im Oktober 2025 gab die niederländische AMG Critical Materials bekannt, die Graphit Kropfmühl GmbH samt der Grube in Kropfmühl und einer Mehrheitsbeteiligung an einer Graphitmine in Sri Lanka an Asbury Carbons zu verkaufen, ein US-Unternehmen. Im Juli 2026 meldete Asbury den Abschluss der Übernahme. Für Besucher ändert das zunächst nichts, denn Besucherbergwerk und Graphiteum gehören der gemeinnützigen Gesellschaft, nicht dem Produktionsbetrieb.

Geöffnet ist das Besucherbergwerk nur in der Saison, ungefähr von Frühjahr bis Herbst und nicht an jedem Wochentag. Die genauen Tage veröffentlicht der Betreiber.

Graphit für Schmelztiegel: die Verbindung nach Obernzell

Lange bevor der Graphit in Batterien wanderte, ging er in Tiegel. Nicht weit von Kropfmühl liegt Obernzell, das früher Hafnerzell hieß. Den Namen erklären Wikipedia und der ADAC übereinstimmend: Der Ort war ein Zentrum des niederbayerischen Hafnerhandwerks, also der Töpferei. Verarbeitet wurde dort unter anderem Graphit, schreibt der ADAC, und Wikipedia nennt das Produkt, das den Ort bekannt machte: Schmelztiegel aus Graphit und Ton, wie sie Metallgießer, Münzstätten und Alchemisten brauchten.

Graphit eignet sich dafür, weil er hohe Temperaturen verträgt, ohne zu schmelzen. Ein Tiegel mit hohem Graphitanteil hält dem flüssigen Metall stand. Als Herkunft liegt der Raum Hauzenberg nahe, ausdrücklich beschreiben die hier genutzten Quellen den Weg vom Abbau zur Werkstatt aber nicht.

Heute erinnert das Schloss Obernzell an diese Geschichte. Das ehemals fürstbischöfliche Schloss der Passauer Bischöfe beherbergt ein Keramikmuseum, das bestätigen ADAC und Wikipedia. Wer das Graphiteum mit seinen keltischen Graphitgefäßen gesehen hat, findet in Obernzell die Fortsetzung derselben Linie, vom Rohstoff zum Gefäß.

Anfahrt nach Kropfmühl

Die Adresse lautet Langheinrichstraße 1, 94051 Hauzenberg-Kropfmühl. Kropfmühl ist ein Ortsteil von Hauzenberg im Landkreis Passau, im südlichen Bayerischen Wald.

Weitere Besucherbergwerke im Bayerischen Wald sind der Silberberg in Bodenmais im Landkreis Regen und die Fürstenzeche in Lam im Landkreis Cham, zwei Silbergruben mit rund 500 Jahren Bergbaugeschichte. Wer die Graphitgrube mit einer davon kombinieren will, sollte für jede einen eigenen halben Tag rechnen: Bei 60 bis 90 Minuten Führung in Kropfmühl plus Museum bleibt für eine zweite Grube am selben Vormittag wenig Luft.

Über Tage lässt sich der Besuch verlängern. In Kropfmühl beginnt der GEOPFAD, ein geologischer Lehrpfad von rund 4,5 Kilometern mit Schautafeln zur Geologie und zum Bergbau der Gegend. Die Broschüre der Staatsregierung von 2008 und museum.de führen ihn beide. Nach 45 Metern Tiefe und 220 Stufen zurück nach oben ist das ein Weg, den man eher an einem zweiten Tag oder am Nachmittag einplant.

Ein zweites Gestein der Gegend hat in Hauzenberg ein eigenes Haus. Das Granitzentrum Bayerischer Wald steht an einem aufgelassenen Steinbruch, der sich mit Wasser gefüllt hat; Bauherren waren nach Baunetz Wissen die Stadt Hauzenberg und das Landratsamt Passau. ERIH beschreibt, was dort gezeigt wird: einen Film über die geologische Entstehung des Granits und die Steinbruchgeschichte der Region, dazu im Freien Drehkräne, Transportwagen und die Hütten, in denen die Steinhauer ihr Werkzeug schärften. Graphit unter Tage in Kropfmühl und Granit im offenen Bruch in Hauzenberg ergeben zusammen ein ziemlich vollständiges Bild davon, wovon diese Ecke des Bayerischen Waldes lebte.

Wer die Stufen nicht gehen kann, verzichtet in Kropfmühl nicht auf alles: Das Graphiteum ist barrierefrei, und damit bleibt der Teil des Besuchs über Tage offen. Weitere Ziele in Bayern sammelt die Übersicht der Besucherbergwerke.

Besucherbergwerke in der Nähe

  1. St. 01Historisches Besucherbergwerk SilberbergBodenmais · Bayerischer Wald63 km
  2. St. 02Besucherbergwerk FürstenzecheLam · Bayerischer Wald77 km
  3. St. 03Alte Saline Bad ReichenhallBad Reichenhall · Berchtesgadener Land116 km
  4. St. 04Salzbergwerk BerchtesgadenBerchtesgaden · Berchtesgadener Land119 km
  5. St. 05Besucherbergwerk Gleißinger FelsFichtelberg · Fichtelgebirge203 km
  6. St. 06Bergwerk WerraWeißenstadt · Fichtelgebirge208 km

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Häufige Fragen

Wie tief geht es im Graphitbergwerk Kropfmühl hinab?

Die Führung endet auf der 4. Sohle in 45 Metern Tiefe. Der Weg dorthin führt über rund 220 Stufen.

Wie lange dauert die Führung im Graphitbergwerk Kropfmühl?

Betreiber und showcaves.com nennen etwa 60 bis 90 Minuten. Das Graphiteum kommt als eigener Teil des Besuchs dazu.

Kann man das Graphitbergwerk Kropfmühl mit Rollstuhl besuchen?

Das Museum ist barrierefrei, der Bereich unter Tage nicht. Für Rollstuhlfahrer und stark Gehbehinderte gibt es keine Führung in die Grube.

Wird in Kropfmühl noch Graphit abgebaut?

Ja. Der Bergbau war ausgesetzt und wurde 2012 wieder aufgenommen. Das Besucherbergwerk liegt neben dem Produktionsstandort der Graphit Kropfmühl GmbH. Diese gehörte lange zur AMG-Gruppe, die 2025 ihren Verkauf an den US-Konzern Asbury Carbons vereinbarte; den Abschluss meldete Asbury im Juli 2026.

Seit wann wird in Kropfmühl Graphit genutzt?

Vermutlich schon seit keltischer Zeit, rund 2.500 Jahre: museum.de und showcaves.com sprechen von keltischer Nutzung, das Graphiteum beginnt seine Ausstellung mit keltischen Graphitgefäßen. Bäuerlicher Abbau ist für das 18. Jahrhundert belegt, industrieller seit 1870.

Quellen

  1. showcaves.com: Graphitbergwerk Kropfmühl
  2. museum.de: Museum und Besucherbergwerk der Graphit Kropfmühl AG
  3. Landkreis Passau: Grußwort zur Einweihung des Graphiteum Kropfmühl am 11.03.2016
  4. ERIH – European Route of Industrial Heritage: Graphite Museum in the Graphit Kropfmühl Visitor Mine
  5. Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie: Von Bergwerken, Hütten und Hämmern (2008)
  6. Graphit Kropfmühl Besucherbergwerk gGmbH: Besucherbergwerk Graphit Kropfmühl
  7. AMG Critical Materials N.V.: AMG Critical Materials N.V. Announces Sale of Graphit Kropfmühl GmbH to Asbury Carbons
  8. Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern: Graphiteum
  9. Asbury Carbons: Asbury Advanced Materials completes Graphit Kropfmühl GmbH acquisition
  10. Wikipedia: Kropfmühl
  11. AMG Advanced Metallurgical Group N.V.: AMG Subsidiary Graphit Kropfmühl AG Announces Opening of Graphite Mine
  12. NS Energy: AMG Advanced unit reopens graphite mine in Germany
  13. Wikipedia: Obernzell
  14. ADAC Maps: Donau-Perlen (Obernzell, Kropfmühl)
  15. ERIH – European Route of Industrial Heritage: The Granite Centre of the Bavarian Forest
  16. Baunetz Wissen: Granitzentrum in Hauzenberg