Logo Bergwerk Fichtelberg: Fadenkreuz über einem Bergprofil mit Schacht und StollenBergwerk FichtelbergBesucherbergwerke rund ums Fichtelgebirge

Fürstenzeche Lam: Silberbergwerk im Bayerischen Wald und Besuch

Aktuelle Führungszeiten und Anmeldung beim Betreiber:
bergwerk-fuerstenzeche.de →

Zeichnung: Erzstufe mit grauem Bleiglanz in weißem Quarz
Bleiglanz im Quarz als ZeichnungIllustration
Karte: Lage von Besucherbergwerk Fürstenzeche in Lam unter den Besucherbergwerken in Deutschland
Lage in Deutschland: gelb Besucherbergwerk Fürstenzeche, Kreuz Fichtelberg, Punkte weitere Besucherbergwerke. Entfernungen berechnen

Sechs Jahre lang blieb das Tor zu. 2018 schlossen in Lam das Besucherbergwerk und der Therapiestollen, und erst seit Mitte 2024 führt die Fürstenzeche wieder Besucher in den Berg, diesmal in der Verantwortung der Gemeinde Lam. Wer ältere Verzeichnisse aufschlägt, stößt deshalb auf widersprüchliche Angaben: showcaves.com etwa führte die Grube 2023 noch als dauerhaft geschlossen, während der Tourismusverband Ostbayern und das Bergwerk selbst inzwischen die Wiedereröffnung melden.

Die Grube liegt im Ortsteil Hütten der Gemeinde Lam im Landkreis Cham, im Lamer Winkel des Bayerischen Waldes. Sie gilt als ältestes Silberbergwerk der Region, und ihre Geschichte reicht über mehr als 550 Jahre, mit langen Pausen, mehreren Neuanfängen und einem Wechsel vom Silber zum Flussspat.

1463: Hanns Swanser und das Silber von Lam

Am Anfang steht ein Name. 1463 gründete Hanns Swanser die Grube, und in diesem Punkt sind sich das Bergwerk, showcaves.com und der Tourismusverband Ostbayern einig. Gefördert wurde Silber, das im Erz nicht allein vorkam, sondern zusammen mit Kupfer und Blei.

Wer den Abbau in den folgenden Jahrzehnten vorantrieb, beschreiben die Quellen unterschiedlich. Das Bergwerk und showcaves.com nennen sächsische Bergleute, die um 1500 mit dem Silberabbau begannen und der Grube ihre erste Blütezeit bescherten. Der Tourismusverband Ostbayern schreibt dagegen, der bayerische Staat habe um 1480 Arbeiter geholt, um das Bergwerk auszubauen. Beide Darstellungen laufen auf dasselbe hinaus: Um die Wende zum 16. Jahrhundert wurde in Lam mit fremder Fachkenntnis in größerem Stil Silber gewonnen.

Wie viel, dazu gibt es eine Zahl, die drei Quellen übereinstimmend nennen. In ihrer besten Zeit lieferte die Grube bis zu rund 650 Kilogramm Silber im Jahr, so das Bergwerk, showcaves.com und der Tourismusverband.

Die bayerische Staatsregierung führt die Fürstenzeche in ihrer Broschüre „Von Bergwerken, Hütten und Hämmern“ von 2008 als eigenen Eintrag unter den außerschulischen Lernorten zur Geologie. Auch dort heißt sie das älteste Silberbergwerk des Bayerischen Waldes.

1522: Lam wird gefreite Bergstadt

Das Silber veränderte den Ort. 1522 erhob Herzog Wilhelm IV. Lam zur gefreiten Bergstadt, so Wikipedia, und das Bergwerk wie showcaves.com nennen dasselbe Jahr. Mit dem Titel waren Vorrechte für den Bergbau und seine Leute verbunden.

Lam war damit nicht allein. Im selben Jahr erhielt auch Bodenmais diesen Status, wo am Silberberg ebenfalls seit 1463 urkundlich belegter Bergbau umging. Zwei Silberorte im Bayerischen Wald, beide 1463 erstmals greifbar, beide 1522 zur Bergstadt erhoben. Die Parallelen sind auffällig.

Die Blüte hielt nicht lange. 1545 ging die Grube nach Angaben des Bergwerks und von showcaves.com als Geschenk an Herzog Albrecht V., und schon 1546 wurde sie verstaatlicht und stillgelegt. Der Tourismusverband Ostbayern fasst das knapp zusammen: Der Abbau sei aus politischen Gründen eingestellt worden.

Fast anderthalb Jahrhunderte ruhte das Bergwerk danach. Erst 1690 nahm man den Abbau wieder auf, jetzt auf Silber und Kupfer. Diese zweite Phase endete 1732 an technischen Schwierigkeiten; showcaves.com vermutet, dass die Bergleute das zufließende Grubenwasser nicht mehr beherrschten. Auch Wikipedia nennt 1732 als Jahr, in dem der Bergbau aus technischen Gründen zum Erliegen kam.

Vom Silber zum Flussspat

Mit dem Silber endet die Geschichte der Fürstenzeche nicht. In einer späteren Phase wurde hier Flussspat gewonnen, mineralogisch Fluorit, ein Mineral, dessen deutscher Name auf seine alte Verwendung als Flussmittel beim Schmelzen von Erzen zurückgeht.

Der Neuanfang begann über Tage. Ab 1925 holte man den Flussspat zunächst aus den alten Halden, also aus dem Gestein, das frühere Bergleute als wertlos aufgeschüttet hatten. Bergwerk und showcaves.com berichten das übereinstimmend; showcaves.com fügt hinzu, dass ein Abbau des Flussspats unter Tage damals nicht gelang. 1952 folgten nach beiden Quellen Erkundungen auf Uran und Flussspat.

Den Schlusspunkt setzte 1962. In diesem Jahr wurde der Bergbau endgültig eingestellt; darin stimmen die Broschüre der Staatsregierung, showcaves.com und der Tourismusverband überein. Das Bergwerk nennt technische und wirtschaftliche Gründe, der Tourismusverband schreibt, die Grube sei abgesoffen. Beides passt zusammen: Nach showcaves.com stehen die zwei tieferen Sohlen bis heute unter Wasser. Zwischen Gründung und Ende lagen damit fast 500 Jahre.

Auch hier zeigt sich die Nähe zu Bodenmais, wo nach den meisten Quellen ebenfalls 1962 die letzte Schicht verfahren wurde.

Der Bayerwaldsmaragd und die Minerale der Grube

Unter Sammlern ist die Fürstenzeche wegen eines Fundes bekannt, der eher nach Schmuckstein klingt als nach Bergbau. Der sogenannte Bayerwaldsmaragd ist ein intensiv grünes Bleimineral. Das Bergwerk beschreibt ihn als einzigartig für den Bayerischen Wald und ganz Mitteleuropa, und die Broschüre der Staatsregierung von 2008 nennt die Fürstenzeche den einzigen mitteleuropäischen Fundpunkt dieses grünen Bleiminerals. Ein Smaragd im mineralogischen Sinn ist er nicht; den Namen verdankt er allein seiner Farbe und Seltenheit. Die Broschüre ordnet ihn als Anglesit ein, ein Bleisulfat.

Wie viele Minerale insgesamt in der Grube nachgewiesen sind, beantworten die Quellen verschieden. showcaves.com verweist auf 82 Arten, die der Mineralienatlas aufführt, das Bergwerk selbst spricht von über 120. Einig sind sich beide darin, dass die Gänge neben Fluorit eine ganze Reihe von Erzmineralen führen. Wer die Grube mit diesem Wissen betritt, sieht die Wände anders: als Ausschnitt einer Lagerstätte, an der Mineralogen seit Jahrzehnten arbeiten. Schon 1961 erschien ein Fachaufsatz von Strunz, Seeliger und Tennyson über Minerale aus der Fürstenzeche, den showcaves.com in seiner Literaturliste führt.

1993 bis 2018: Forschung, Besucher und Therapie

Gut drei Jahrzehnte lag die Grube still, bevor sich wieder jemand für sie interessierte. 1993 wurde sie erneut geöffnet, zunächst zu Forschungszwecken, und zwar durch eine Gruppe um Thomas Obermüller. Aus dem Forschungsprojekt wurde bald mehr: Ab 1996 baute man die Anlage zum Besucherbergwerk aus.

Am 12. Januar 1998 begann der Besucher- und Therapiebetrieb, eine Kombination, die es in Ostbayern auch anderswo gibt. Am Silberberg in Bodenmais etwa wird ein Nebenstollen für Stollentherapie bei Atemwegserkrankungen genutzt. In Lam liefen Führungen und Therapiestollen zwei Jahrzehnte lang nebeneinander.

2018 schlossen beide.

Über die Gründe der Schließung schweigen die unabhängigen Quellen, und Spekulation hilft niemandem, der einen Besuch plant. Für die Lage in den folgenden Jahren ist nur eines belegt: Zwischen 2018 und Mitte 2024 war die Fürstenzeche für Besucher nicht zugänglich.

Die Fürstenzeche seit 2024

Mitte 2024 öffnete die Gemeinde Lam die Fürstenzeche wieder als Besucherbergwerk. Das melden sowohl das Bergwerk auf seiner eigenen Website als auch der Tourismusverband Ostbayern, und auch Wikipedia führt die Grube als historisches Silber- und Flussspatbergwerk, das seit 2024 wieder besichtigt werden kann. Damit ist das Bergwerk heute ein kommunal getragenes Ausflugsziel.

Getragen wird der Betrieb von Leuten, die die Grube lange kennen. Thomas Obermüller, dessen Gruppe die Fürstenzeche 1993 wieder öffnete, ist weiter dabei: Der Tourismusverband Ostbayern nennt ihn als denjenigen, der die neuen Führer ausgebildet hat, und das Bergwerk kündigt Fachvorträge des Bergwerksdirektors Thomas Obermüller zur Bergbau- und Ortsgeschichte von Lam an.

Für den Besuch selbst sind zwei Dinge doppelt belegt. Kalt ist es: Das Bergwerk gibt ganzjährig etwa 8 bis 10 °C an, showcaves.com nennt 8,6 °C. Eine warme Jacke gehört deshalb auch im Sommer ins Gepäck, dazu feste Schuhe, die das Bergwerk ausdrücklich empfiehlt. Und barrierefrei ist die Grube nicht. Für Gäste mit Rollstuhl, Rollator oder zwei Gehhilfen ist der Zugang nach Angaben des Bergwerks eingeschränkt oder nicht geeignet, und showcaves.com führt die Fürstenzeche ebenfalls nicht als barrierefrei.

Für die Planung bleiben einige Fragen offen. Über Länge und Dauer der heutigen Führung gibt es nur Einzelangaben, und auch die Saisonzeiten stammen aus Tourismusdatenbanken, die sich möglicherweise gegenseitig speisen. Verbindlich sind die Angaben, die das Bergwerk selbst veröffentlicht. Dasselbe gilt für die Frage, ob der frühere Therapiestollen wieder in Betrieb ist: Belegt ist das nicht, und wer gezielt deswegen anreisen möchte, sollte vorher beim Bergwerk nachfragen.

Barbarafeier und der Name „Zeche“

Am Bergwerk wird nicht nur geführt, sondern auch gefeiert. Das Bergwerk widmet der Barbarafeier einen eigenen Abschnitt seiner Veranstaltungsseite, und der Veranstaltungskalender von Oberpfalz Tourismus führt eine „Barbarafeier am Besucherbergwerk Fürstenzeche“. Die Heilige Barbara gilt als Schutzpatronin der Bergleute, ihr Gedenktag ist der 4. Dezember; wie Bergwerke und Bergbauorte ihn begehen, beschreibt die Seite zum Barbaratag. Den genauen Termin in Lam nennt das Bergwerk.

Der Name der Grube hat übrigens nichts Exotisches. Zeche und Grube bedeuten beide Bergwerk; dass Zeche vor allem nach Ruhrgebiet klingt, liegt am Steinkohlenbergbau dort, nicht am Wort selbst, wie die Seite zur Bergmannssprache erklärt. Eine Fürstenzeche gab es auch anderswo. In Goldkronach im Fichtelgebirge ließ Alexander von Humboldt als preußischer Bergbeamter in den 1790er Jahren eine stillgelegte Grube dieses Namens wieder auffahren, so Wikipedia und die Stadt Goldkronach; mehr dazu auf der Seite zu den Besucherbergwerken in Goldkronach. Mit der Grube in Lam hat sie außer dem Namen nichts zu tun.

Anfahrt nach Lam-Hütten und der Osser

Das Bergwerk hat die Adresse Zechenstraße 16, 93462 Lam, im Ortsteil Hütten. Lam liegt im Landkreis Cham im Lamer Winkel, einem Teil des Bayerischen Waldes nahe der tschechischen Grenze.

Mit der Bahn ist Lam erreichbar. Der Ort ist Endbahnhof der Strecke, die von Cham über Bad Kötzting heraufführt; Wikipedia und die Deutsche Bahn nennen die Linie RB 28 zwischen Cham und Lam. Wie weit es vom Bahnhof bis zum Bergwerk im Ortsteil Hütten ist, geht aus den Quellen nicht hervor. Wer mit dem Auto kommt, parkt nicht direkt am Mundloch: Das Bergwerk nennt einen kostenfreien Besucherparkplatz rund 300 Meter entfernt, und auch Wanderbeschreibungen der Gegend starten an einem Bergwerksparkplatz am Ende der Zechenstraße. Die letzten Meter zur Grube sind also ein kurzer Fußweg, den man bei der Planung mit kleinen Kindern oder eingeschränkter Gehfähigkeit mitdenken sollte.

Über dem Tal steht der Große Osser, 1.293 Meter hoch. Geologisch ist er ein Sonderfall: Anders als die übrigen großen Gipfel des Bayerischen Waldes besteht er aus Glimmerschiefer, entstanden aus tonigen Ablagerungen, die unter hohem Druck und hoher Temperatur umgewandelt wurden. Das Landesamt für Umwelt zählt den Osser zu „Bayerns schönsten Geotopen“, und Wanderbeschreibungen der Gegend heben dasselbe hervor. Wer nach der Führung noch Zeit hat, findet hier das passende Gegenstück unter freiem Himmel: Gestein, das im Berg verborgen bleibt, liegt am Osser offen zutage.

Wer in derselben Gegend weitere Bergwerke besuchen möchte, findet im Bayerischen Wald zwei weitere: den Silberberg in Bodenmais im Landkreis Regen und das Graphitbergwerk Kropfmühl bei Hauzenberg im Landkreis Passau. Weitere Ziele in Bayern listet die Übersicht der Besucherbergwerke.

Besucherbergwerke in der Nähe

  1. St. 01Historisches Besucherbergwerk SilberbergBodenmais · Bayerischer Wald16 km
  2. St. 02Besucherbergwerk Graphit KropfmühlHauzenberg-Kropfmühl · Bayerischer Wald77 km
  3. St. 03Besucherbergwerk Gleißinger FelsFichtelberg · Fichtelgebirge127 km
  4. St. 04Bergwerk WerraWeißenstadt · Fichtelgebirge131 km
  5. St. 05Besucherbergwerke GoldkronachGoldkronach · Fichtelgebirge134 km
  6. St. 06Besucherbergwerk Zinnkammern PöhlaPöhla (Schwarzenberg/Erzgeb.) · Erzgebirge145 km

Alle Bergwerke nach Entfernung sortieren

Häufige Fragen

Ist die Fürstenzeche in Lam geöffnet?

Nach Angaben des Bergwerks und des Tourismusverbands Ostbayern führt die Fürstenzeche seit Mitte 2024 wieder Besucher, betrieben von der Gemeinde Lam. showcaves.com führt die Grube mit Datenstand 2023 weiterhin als geschlossen. Aktuelle Führungstermine veröffentlicht das Bergwerk selbst.

Was wurde in der Fürstenzeche abgebaut?

Zuerst Silber, das im Erz zusammen mit Kupfer und Blei vorkam, später Flussspat. Die Grube gilt als ältestes Silberbergwerk des Bayerischen Waldes.

Wann endete der Bergbau in der Fürstenzeche?

Der Bergbau wurde 1962 eingestellt. Gegründet hatte die Grube Hanns Swanser im Jahr 1463.

Was ist der Bayerwaldsmaragd?

Ein intensiv grünes Bleimineral aus der Fürstenzeche, das nach Angaben des Bergwerks und einer Broschüre der bayerischen Staatsregierung in Mitteleuropa nur hier gefunden wurde. Ein Smaragd im mineralogischen Sinn ist es nicht; die Broschüre bezeichnet das Mineral als Anglesit.

Gibt es in der Fürstenzeche noch einen Therapiestollen?

Belegt ist, dass Besucherbergwerk und Therapiestollen 2018 gemeinsam schlossen und das Besucherbergwerk 2024 wieder öffnete. Ob der Therapiebetrieb wieder läuft, geht aus unabhängigen Quellen nicht hervor; Auskunft gibt das Bergwerk selbst.

Quellen

  1. showcaves.com: Fürstenzeche
  2. Tourismusverband Ostbayern: Bergwerk „Fürstenzeche“
  3. Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie: Von Bergwerken, Hütten und Hämmern (2008)
  4. Besucherbergwerk Fürstenzeche (Gemeinde Lam): Geologie und Geschichte des Silberbergwerks Fürstenzeche Lam
  5. Wikipedia: Lam
  6. Deutsche Bahn: Umfangreiche Sanierung der Infrastruktur: Ersatzverkehr zwischen Cham und Lam
  7. Bayerisches Landesamt für Umwelt: Bayerns schönste Geotope: Glimmerschiefer am Osser
  8. ich-geh-wandern.de: Runde vom Bergwerk Fürstenzeche zur Künischen Kapelle am Osser
  9. Besucherbergwerk Fürstenzeche (Gemeinde Lam): Führungen und Besucherinfos
  10. Besucherbergwerk Fürstenzeche (Gemeinde Lam): Veranstaltungen
  11. Oberpfalz Tourismus: Veranstaltungen: Brauchtum
  12. Wikipedia: Goldkronach
  13. Stadt Goldkronach: Goldbergbau in Goldkronach