Silberbergwerk Bodenmais: Führung im Barbarastollen am Silberberg
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Helm auf, Kittel an, dann geht es zu Fuß in den Berg. Eine Grubenbahn gibt es im Silberbergwerk Bodenmais nicht: Die Führung ist eine Begehung des Barbarastollens bis zum Großen Barbaraverhau, einem alten Abbauraum tief im Silberberg. Wie weit der Weg ist, beantworten die Quellen unterschiedlich. Der Betreiber und die Broschüre „Von Bergwerken, Hütten und Hämmern“ der bayerischen Staatsregierung sprechen von einem über 600 Meter langen Stollen, showcaves.com nennt 800 Meter bis zum Verhau.
Der Eingang liegt auf halber Höhe des Silberbergs bei Bodenmais im Landkreis Regen. Mehr als 500 Jahre lang wurde hier Bergbau betrieben, zuerst auf Silber, dann auf Erze, aus denen Vitriol und Polierrot entstanden. Das Bayerische Landesamt für Umwelt zählt den Berg zu „Bayerns schönsten Geotopen“.
Die Führung durch den Barbarastollen
Vor der Führung bekommen alle Besucher Helm und Kittel gestellt. Danach führt der Weg in den Barbarastollen, waagerecht und zu Fuß, bis zum Großen Barbaraverhau. Rund 45 Minuten dauert die Führung nach Angaben des Betreibers und von showcaves.com. Wer nur die Zahl im Kopf hat, unterschätzt allerdings leicht, wie kalt eine Dreiviertelstunde im Berg werden kann.
Unterwegs geht es nicht nur um Gestein. Der Betreiber kündigt Maschinen und Förderschächte an, die in Funktion vorgeführt werden, und showcaves.com beschreibt, dass der Führer am Großen Barbaraverhau Werkzeuge und Maschinen zeigt. Der Verhau selbst ist ein großer, von den Bergleuten ausgeräumter Hohlraum, an dem sich die Dimensionen des alten Abbaus ablesen lassen.
Kalt ist es tatsächlich. Betreiber und showcaves.com nennen eine Temperatur von rund 5 °C, ein Ausflugsportal gibt dagegen etwa 10 °C an. Der niedrigere Wert ist der besser belegte, und selbst der höhere verlangt im Hochsommer nach einer Jacke unter dem Kittel.
Barrierefrei ist das Bergwerk nicht. Für Gehbehinderte und Rollstuhlfahrer wird die Führung nicht empfohlen, das schreiben sowohl der Betreiber als auch showcaves.com. Wer mit Kindern kommt, sollte ihnen die Länge des Weges vorher ehrlich ankündigen: Es gibt keine Bahn, keine Rutsche, nur den Stollen und das, was der Führer an den Stationen erklärt.
In einem Nebenstollen wird außerdem Stollentherapie angeboten, ein Aufenthalt in der Luft unter Tage, der sich an Menschen mit Atemwegserkrankungen richtet. Das ist ein eigenes Angebot und nicht Teil der Führung; mehr dazu weiter unten.
Silber, Magnetkies und über 80 Minerale
Am Anfang ging es um Silber. Gefördert wurde silberhaltiger Bleiglanz, und dieses Silber war der Grund, warum am Silberberg überhaupt Stollen getrieben wurden. Nach Wikipedia, dem Landesamt für Umwelt und der Broschüre der Staatsregierung reichte der Silberbergbau bis ins 16. Jahrhundert.
Dann verschob sich der Schwerpunkt. Die Bergleute bauten nun Eisensulfide ab, vor allem Magnetkies und Pyrit. Aus ihnen wurden zwei Produkte gewonnen, die heute kaum noch jemand kennt: Vitriol, also schwefelsaure Metallsalze, und Polierrot, auch Potée genannt, ein feines rotes Pulver zum Polieren. Damit lebte das Bergwerk noch Jahrhunderte weiter, als sich das Silber längst nicht mehr lohnte.
Woher die Erze kommen, erklärt das Gestein. Der Silberberg besteht aus Gneis, und Wikipedia führt den Erzreichtum auf das Zusammentreffen zweier Gneisarten zurück, eines Cordierit-Sillimanit-Gneises und eines Biotit-Plagioklas-Gneises. Das Landesamt für Umwelt beschreibt die Erzkörper als Sulfidlagerstätte: Magnetkies, Pyrit, Zinkblende und Bleiglanz bestimmen das Bild. Silber war darin nur ein Nebengemengteil des Bleiglanzes, der Hauptanteil des Erzes war Eisensulfid. Das erklärt, warum sich der Bergbau nach dem Silber nicht einfach erledigt hatte.
Für Mineraliensammler ist der Silberberg eine bekannte Adresse. Über 80 Mineralarten sind hier nachgewiesen, Wikipedia nennt genau 82. Neben den Erzmineralen nennen das Landesamt und Wikipedia auch Silikate, die im Gneis stecken, darunter violetten Cordierit, weißen Sillimanit und grünlichen Andesin, einen Plagioklas. Das Landesamt für Umwelt führt den Berg als eines von „Bayerns schönsten Geotopen“, einer Auswahl besonders aussagekräftiger geologischer Orte im Freistaat.
Die Ausdehnung des Grubengebäudes erklärt, warum Besucher nur einen kleinen Teil sehen. Rund 20 Kilometer Stollen und Schächte durchziehen den Berg, darin stimmen Wikipedia, das Landesamt und showcaves.com überein. Der Barbarastollen ist davon ein Ausschnitt.
Geschichte: 1463 bis zur letzten Schicht
Die erste konkrete urkundliche Erwähnung des Bergwerks stammt aus dem Jahr 1463. Die Grube trug damals einen Namen, der eher wie ein Gebet klingt: „des allmechtigen Gottes Gab“. Wikipedia, das Landesamt für Umwelt und der Betreiber nennen dieses Datum übereinstimmend.
Ältere Jahreszahlen kursieren trotzdem. showcaves.com setzt den Beginn auf 1313, und Wikipedia erwähnt für 1301 ein Goldbergwerk mit dem Namen „Pobenmaizz“. Ob diese Angaben denselben Bergbau am Silberberg meinen, ist offen; belastbar ist erst 1463.
Auch beim Ende gehen die Quellen auseinander, und zwar um genau zehn Jahre. Wikipedia, showcaves.com und der Betreiber nennen den 27. Mai 1962 als Tag der letzten Schicht. Das Landesamt für Umwelt und die Broschüre der Staatsregierung von 2008 schreiben dagegen, die Erzgewinnung sei 1952 erloschen. Das Tagesdatum von 1962 stützt sich auf drei voneinander unabhängige Stellen und ist damit besser belegt. Ganz auszuschließen ist nicht, dass beide Angaben Verschiedenes meinen, das Ende der Erzförderung und das Ende des Grubenbetriebs, nur sagt das keine der Quellen ausdrücklich.
Das Bergwerk prägte auch den Rechtsstatus des Ortes. 1522 erhob ein Freiheitsbrief Bodenmais zur gefreiten Bergstadt, so Wikipedia; der Wappenkatalog Flags of the World nennt für dasselbe Jahr besondere Bergbauprivilegien, das Recht, einen eigenen Gemeinderat zu wählen, und Märkte. Eine Stadt im heutigen Sinn wurde daraus nicht. Beide Quellen halten fest, dass Bodenmais 1697 unmittelbar an den Kurfürsten kam und erst 1958 zum Markt erhoben wurde. Im Gemeindewappen sind bis heute Schlägel und Bergmannshammer gekreuzt, das Zeichen des Bergbaus.
Bemerkenswert ist die zeitliche Parallele zur Fürstenzeche in Lam. Auch dort wurde die Grube 1463 gegründet, auch dort endete der Bergbau 1962. Zwei Silberbergwerke im Bayerischen Wald, beide fast 500 Jahre in Betrieb.
Vom Vitriol zum Polierrot: wie der Berg nach dem Silber weiterlebte
Das Silber trug den Bergbau am Silberberg kaum ein Jahrhundert lang. Bis 1542 stand es nach Wikipedia und dem Betreiber im Mittelpunkt, nebenher wurde bereits Vitriol gesotten; das Landesamt für Umwelt setzt die Wende etwas früher an, um 1530. Danach rückten die Eisensulfide in den Vordergrund, aus denen sich zunächst Vitriol gewinnen ließ. Wikipedia zur Gemeinde Bodenmais nennt als Verwendung das Färben von Textilien.
Die Besitzverhältnisse blieben in diesen Jahrhunderten unruhig. Das Bergwerk wechselte mehrfach zwischen Landesherr und privaten Unternehmern hin und her, so Wikipedia und der Betreiber, der die einzelnen Stationen auflistet: Schenkungen an Hofbeamte, Verkäufe, mehrere Verstaatlichungen. 1772 wurde der Silberberg endgültig verstaatlicht, und mit diesem Schritt stellte man die Produktion auf Potée um, das Polierrot.
Polierrot ist ein feines Pulver aus rotem Eisenoxid. Mit ihm wurden Spiegel geschliffen und poliert; der Betreiber nennt außerdem optisches Glas. Seit wann es dafür verwendet wurde, geben die Quellen unterschiedlich an: Das Landesamt nennt 1750, der Betreiber erwähnt die Verwendung schon für 1715. Unstrittig ist die wirtschaftliche Bedeutung. Für das Landesamt war Polierrot bis zum Ersten Weltkrieg das wirtschaftliche Rückgrat des Bergbaus, Wikipedia datiert die Blüte auf die Jahre 1870 bis 1914, und der Betreiber notiert, dass die Potée-Produktion mit dem Krieg stark einbrach.
Edelmetall spielte da schon lange keine Rolle mehr. Nach Versuchen auf Gold endete die Edelmetallgewinnung 1845 endgültig, darin stimmen Wikipedia und der Betreiber überein. 1927 wurde das Bergwerk in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Die letzte Schicht folgte nach den meisten Quellen 1962, und Ende der 1990er Jahre übernahmen ehemalige Beschäftigte den Betrieb des Besucherbergwerks. Der Betreiber nennt dafür 1997, Wikipedia zur Gemeinde 1998.
Stollentherapie im Silberberg: was über das Angebot bekannt ist
Neben den Führungen hat der Berg eine zweite Nutzung. Tief im Erzbergwerk liegt ein Therapiestollen, so beschreibt es der Betreiber, und die Tourismusseite der Gemeinde Bodenmais verortet ihn ebenfalls im Erzbergwerk am Silberberg. Beide schildern das Klima dort ähnlich: kühl, um die 5 °C, und sehr feucht. Der Betreiber nennt eine Luftfeuchtigkeit von über 90 Prozent, die Gemeinde 98 Prozent.
Angeboten wird die Stollentherapie in Verbindung mit der Silberberg-Klinik in Bodenmais, und zwar nach Angaben von Betreiber und Gemeinde im Rahmen eines stationären Aufenthalts. Als Zielgruppe nennen beide Menschen mit Atemwegserkrankungen, etwa Asthma bronchiale oder chronischer Bronchitis.
Was die Stollenluft bewirkt, ist eine medizinische Frage, die hier nicht beantwortet wird; die Angaben oben sind die Beschreibung der Anbieter. Wer sich dafür interessiert, klärt Eignung und Kostenübernahme mit dem behandelnden Arzt und der Klinik. Wie Heilstollen in Deutschland allgemein funktionieren und wo es weitere gibt, beschreibt die Seite zu Heilstollen in Besucherbergwerken.
Anfahrt und Weg zum Eingang
In Bodenmais führt die Beschilderung „Besucherbergwerk“ beziehungsweise „Silberbergbahn“ zum Berg. Der Eingang liegt nicht am Fuß des Silberbergs, sondern auf halber Höhe, in der Nähe der Mittelstation der Silberbergbahn, einer Sesselbahn. Hinauf kommt man auf zwei Wegen: über einen kurzen Fußweg oder mit der Sesselbahn bis zur Mittelstation.
Wer die Bahn nimmt, spart sich den Anstieg; wer läuft, sieht mehr vom Berg.
Der Silbersteig: Bergbauspuren über Tage
Unter Tage zeigt die Führung den Barbarastollen, über Tage erzählt ein Themenweg den Rest. Der Silbersteig, den der ADAC unter dem Titel „Auf den Spuren der Bergleute“ führt, beginnt nach Betreiber und dem Tourenportal alpen-guide.de am Alten Rathaus in Bodenmais; beide empfehlen, vorher die Ausstellung im ersten Stock anzusehen. Neun Schautafeln stehen entlang des Weges, die erste am Dreifaltigkeitsplatz.
Von dort geht es die Silberbergstraße hinauf, vorbei an der Talstation der Silberbergbahn und an der Barbarakapelle. Die Heilige Barbara ist die Schutzpatronin der Bergleute, und ihr Name steckt auch im Barbarastollen; mehr über sie und ihren Gedenktag steht auf der Seite zum Barbaratag. Weiter oben folgen die Ausgrabungsstätte einer Vitriolölhütte, die an die Zeit nach dem Silber erinnert, und „Gottesgab“, eine große Abbaustelle über Tage, bevor der Weg an der Mittelstation und am Besucherbergwerk ankommt. Der Silberberg selbst ist 955 Meter hoch, so Wikipedia und tourispo.de.
Die Kombination liegt nahe: erst der Silbersteig, dann die Führung im Berg, oder umgekehrt. Wer beides an einem Tag macht, hat die Geschichte des Silberbergs einmal von außen und einmal von innen gesehen.
Ohne Auto ist Bodenmais gut erreichbar. Der Ort ist Endpunkt der Bahnstrecke aus Zwiesel, die zum Netz der Waldbahn gehört; Wikipedia und die Deutsche Bahn führen die Verbindung Zwiesel–Bodenmais.
Bodenmais liegt im Landkreis Regen. Im Bayerischen Wald gibt es zwei weitere Besucherbergwerke mit eigener Seite in diesem Führer: die Fürstenzeche in Lam im Landkreis Cham und das Graphitbergwerk Kropfmühl bei Hauzenberg im Landkreis Passau. Alle Ziele in Bayern und darüber hinaus sammelt die Übersicht der Besucherbergwerke.
Besucherbergwerke in der Nähe
- St. 01Besucherbergwerk FürstenzecheLam · Bayerischer Wald16 km
- St. 02Besucherbergwerk Graphit KropfmühlHauzenberg-Kropfmühl · Bayerischer Wald63 km
- St. 03Besucherbergwerk Gleißinger FelsFichtelberg · Fichtelgebirge140 km
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- St. 06Alte Saline Bad ReichenhallBad Reichenhall · Berchtesgadener Land150 km
Häufige Fragen
Wie lange dauert die Führung im Silberbergwerk Bodenmais?
Rund 45 Minuten, so der Betreiber und showcaves.com. Die Führung ist eine Begehung zu Fuß durch den Barbarastollen, eine Grubenbahn gibt es nicht.
Wie kalt ist es im Silberbergwerk Bodenmais?
Betreiber und showcaves.com nennen rund 5 °C, ein Ausflugsportal spricht von etwa 10 °C. Warme Kleidung ist in beiden Fällen nötig; Helm und Kittel werden gestellt.
Ist das Besucherbergwerk Bodenmais barrierefrei?
Nein. Für Gehbehinderte und Rollstuhlfahrer wird die Führung nach Angaben des Betreibers und von showcaves.com nicht empfohlen.
Was ist Polierrot aus Bodenmais?
Ein feines rotes Pulver aus Eisenoxid, auch Potée genannt, mit dem unter anderem Spiegel poliert wurden. Nach dem Ende des Silberbergbaus wurde es aus den Eisensulfiden des Silberbergs hergestellt und war bis zum Ersten Weltkrieg das wirtschaftliche Rückgrat des Bergwerks.
Wann wurde der Bergbau am Silberberg eingestellt?
Wikipedia, showcaves.com und der Betreiber nennen den 27. Mai 1962 als letzte Schicht. Das Landesamt für Umwelt und eine Broschüre der Staatsregierung schreiben dagegen, die Erzgewinnung sei 1952 erloschen.
Quellen
- Wikipedia: Silberberg (Bodenmais)
- Bayerisches Landesamt für Umwelt: Bayerns schönste Geotope: Silberberg bei Bodenmais
- showcaves.com: Silberberg Bodenmais
- Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie: Von Bergwerken, Hütten und Hämmern (2008)
- Historisches Besucherbergwerk Bodenmais: Bergwerksführungen und Geschichte
- Wikipedia: Bodenmais
- Deutsche Bahn: Strecken des Waldbahn-Tagestickets
- Historisches Besucherbergwerk Bodenmais: Stollentherapie im Silberbergstollen
- Bodenmais Tourismus: Bodenmaiser Heilstollen
- Historisches Besucherbergwerk Bodenmais: Silbersteig
- alpen-guide.de: Silbersteig – Themenwanderweg
- ADAC Maps: Historisches Besucherbergwerk Bodenmais
- tourispo.de: Historisches Besucherbergwerk Bodenmais
- Flags of the World: Bodenmais (Regen county, Bavaria, Germany)

