Silber hat in Deutschland Städte gegründet. Freiberg, Schneeberg und Annaberg wuchsen im Erzgebirge innerhalb weniger Jahre zu Bergstädten, weil im Gestein ein reicher Gang angefahren worden war, und im Harz und im Schwarzwald hing der Wohlstand ganzer Täler am selben Metall. Wer heute ein Silberbergwerk besichtigen möchte, hat deshalb mehr Auswahl als bei jedem anderen Edelmetall. Nicht jede Grube mit „Silber“ im Namen hat allerdings je nennenswert Silber geliefert, und manche bekannte Silberregion zeigt Besuchern heute vor allem den späteren Abbau von Flussspat oder Kobalt.
Die Tabelle führt die Besucherbergwerke auf, in denen Silber nach mindestens zwei unabhängigen Quellen ein Hauptprodukt war. Darunter steht, wie es zum Silberbergbau kam, wo das Silber im Erz steckt und was die einzelnen Reviere heute zeigen.
| Name | Ort | Bundesland | Erz oder Art |
|---|---|---|---|
| Besucherbergwerk Grube Anna-Elisabeth | Schriesheim | Baden-Württemberg | Silber, Eisenvitriol und Alaun |
| Besucherbergwerk Grube Wenzel | Oberwolfach | Baden-Württemberg | Silber |
| Besucherbergwerk Neubulach (Hella-Glück-Stollen) | Neubulach | Baden-Württemberg | Silber und Kupfer (Fahlerz, Azurit, Malachit), später Wismut |
| Besucherbergwerk Segen Gottes | Haslach im Kinzigtal (Schnellingen) | Baden-Württemberg | Silber (Schwerspat- und Flussspatgänge) |
| Besucherbergwerk Silbergründle | Seebach (Ortenaukreis) | Baden-Württemberg | Bleiglanz und Silber |
| Besuchsbergwerk Teufelsgrund | Münstertal | Baden-Württemberg | Silber, Blei, später Flussspat |
| Museums-Bergwerk Schauinsland | Freiburg im Breisgau / Oberried (Schauinsland summit) | Baden-Württemberg | Blei, Zink, Silber |
| Silberbergwerk Suggental (Grube Erich) | Waldkirch-Suggental | Baden-Württemberg | Silber, Blei, Kupfer, Schwerspat |
| Besucherbergwerk Fürstenzeche | Lam | Bayern | Silber (im Erz mit Kupfer und Blei), später Flussspat |
| Historisches Besucherbergwerk Silberberg | Bodenmais | Bayern | silberhaltiger Bleiglanz, später Magnetkies und Pyrit für Vitriol und Polierrot |
| Besucherbergwerk Grube Lautenthals Glück | Langelsheim (Lautenthal) | Niedersachsen | Bleiglanz, Zinkblende (Silber) |
| Besucherbergwerk Grube Samson | Braunlage (Sankt Andreasberg) | Niedersachsen | Silber (Blei) |
| Oberharzer Bergwerksmuseum (mit Schaubergwerk) | Clausthal-Zellerfeld | Niedersachsen | Silber, Blei (Oberharzer Gangerzbergbau); Museum mit Schaubergwerk |
| Weltkulturerbe Rammelsberg – Museum & Besucherbergwerk | Goslar | Niedersachsen | Kupfer, Blei, Zink, Silber |
| Besucherbergwerk Grube Silberhardt | Windeck-Öttershagen | Nordrhein-Westfalen | Silber-, Blei-, Kupfer-, Eisen-, Zinkerz |
| Besucherbergwerk Markus-Röhling-Stolln | Frohnau (Annaberg-Buchholz) | Sachsen | Silber und Kobalt aus dem Erstneuglück-Flache-Gang, ergiebig 1733–1857 |
| Schaubergwerk Herkules-Frisch-Glück | Waschleithe (Grünhain-Beierfeld) | Sachsen | Silber, Kupfer, Blei, Eisen, Zinkblende, dazu Marmor |
| Schaubergwerk Molchner Stolln | Marienberg (Pobershau) | Sachsen | Silber, Zinn, Kupfer, Arsenkies |
| Silberbergwerk Freiberg (Forschungs- und Lehrbergwerk Reiche Zeche, Himmelfahrt Fundgrube) | Freiberg | Sachsen | Silber, Blei, Zink |
Silberbergbau in Deutschland: vom Erzgebirge bis in den Schwarzwald
Am Anfang steht ein Zufallsfund. 1168 wurde in Christiansdorf, dem heutigen Freiberg, Silbererz entdeckt; Wikipedia und der Welterbeverein Montanregion Erzgebirge setzen beide den Beginn des sächsischen Silberbergbaus auf dieses Jahr. Die Nachricht verbreitete sich schnell, Bergleute zogen in die Gegend, und die Fachliteratur hat für diesen Vorgang ein eigenes Wort: Berggeschrey, die schnell umlaufende Kunde reicher Erzfunde, die einen ganzen Landstrich in Bewegung setzt.
Das zweite und größere Berggeschrey folgte im 15. Jahrhundert. Um Luciae 1470 wurde in der Neuen Fundgrube bei Schneeberg das erste Silber geschürft. 1491/92 folgten reiche Funde am Schreckenberg, wenige Jahre später entstand dort eine neue Stadt; daraus wurde Annaberg, heute Annaberg-Buchholz.
Eine Geschichte aus Schneeberg wird bis heute erzählt. 1477 soll in der St.-Georg-Fundgrube ein Block gediegenen Silbers angefahren worden sein, so groß, dass Herzog Albrecht von Sachsen unter Tage daran getafelt habe. Die Topographie von Merian und Zeiller beschreibt 1650 eine Silberstufe von zwei Lachtern Höhe und einem Lachter Breite und nennt 400 Zentner Silber; die TU Chemnitz widmete dem „legendären Silberfund“ 2001 ein eigenes Agricola-Gespräch. Wie viel Silber es wirklich war, ist umstritten, die Zahl stammt aus Chroniken des 16. und 17. Jahrhunderts.
Im Harz war der Rammelsberg bei Goslar über mehr als 1000 Jahre in Betrieb, bevor die Förderung am 30. Juni 1988 endete. Die Erze lieferten Silber, Blei, Kupfer und Zink, dazu etwas Gold, und sie trugen den Reichtum der Stadt. Im Oberharz begann um 1521 der Silberbergbau der Grube Samson in Sankt Andreasberg, die am Ende rund 840 Meter tief reichte.
Der Schwarzwald hat eine ältere, aber schlechter dokumentierte Silbergeschichte. Altersbestimmungen an Holzkohleresten im Münstertal lassen auf einen Beginn des Bergbaus an der Wende vom 9. zum 10. Jahrhundert schließen, die Blütezeit lag im 13. und 14. Jahrhundert. Am Schauinsland bei Freiburg war der Silberbergbau so umfangreich, dass der Berg den Namen Erzkasten trug.
Das Ende kam überall aus demselben Grund: Silber lohnte sich nicht mehr. Im Deutschen Reich führte die Umstellung auf die Goldwährung in den 1870er-Jahren zu einem Verfall des Silberpreises, und im Erzgebirge wurden die letzten Silbergruben bis 1913 stillgelegt. Die Grube Samson im Harz hatte schon am 31. März 1910 ihre letzte Schicht gefahren.
Wie Silber im Gestein steckt: Bleiglanz, Fahlerz und gediegenes Silber
Reine Silberklumpen wie in Schneeberg waren die Ausnahme. Meist steckt das Silber in anderen Mineralen, vor allem im Bleiglanz (Galenit), dem wichtigsten Bleierz, und in den Fahlerzen. Bleiglanz ist häufig silberhaltig, das Silber ist darin gelöst oder fein eingewachsen. Am Schauinsland bauten die Bergleute nach den Untersuchungen des Archäologen Martin Straßburger bis um 1800 silberhaltigen Bleiglanz und reiche Bleierze ab, im Suggental waren es im Mittelalter Fahlerz und Bleiglanz.
Das Erz sitzt in Gängen. Gemeint sind Spalten im Gestein, in die heiße, mineralreiche Lösungen aufstiegen und beim Abkühlen Quarz, Schwerspat, Flussspat und Erzminerale absetzten. Das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg beschreibt im Teufelsgrund, dass sich die silberführenden Erze vor allem in dünnen Gangabschnitten an Störungen anreicherten, während der später abgebaute Flussspat in den mächtigeren Teilen liegt. Wer in einem Schwarzwälder Silberbergwerk steht, sieht deshalb oft mehr weißen und violetten Spat als Erz.
Ein Name führt dabei regelmäßig in die Irre. Im Fichtelgebirge nannten die Bergleute ein glänzendes Eisenerz Silbereisen, und das Besucherbergwerk Gleißinger Fels in Fichtelberg heißt bis heute auch Silbereisenbergwerk. Abgebaut wurde dort Eisenglimmer, eine schuppige Form des Hämatits, die im Lampenlicht silbrig schimmert. Silber selbst wurde nach Angaben des Betreibers und von showcaves.com nie gefunden, auch wenn die Leute in der Gegend lange davon geträumt haben.
Ein Silberbergwerk besichtigen: was Besucher erwartet
Fast alle Silberbergwerke in Deutschland sind nur mit Führung zugänglich. Helm und oft eine Schutzjacke werden gestellt, feste Schuhe und warme Kleidung bringen Besucher selbst mit. Wie die Führung abläuft, hängt stark von der Grube ab. In Freiberg geht es mit dem Förderkorb in die Tiefe, im Markus-Röhling-Stolln mit der Grubenbahn rund 600 Meter in den Berg, im Silberberg von Bodenmais zu Fuß durch einen waagerechten Stollen. Grubenbahnen haben auch Lautenthal im Harz und Finstergrund im Schwarzwald; eine Übersicht steht auf der Seite Besucherbergwerke mit Grubenbahn.
Termine, Preise und Saisonzeiten veröffentlichen die Betreiber selbst. Mehrere kleinere Gruben öffnen nur nach Vereinbarung oder an einzelnen Wochenenden, darunter das Silbergründle in Seebach und die Grube Erich im Suggental. Wer ein Silberbergwerk besichtigen will, fragt deshalb vor der Anfahrt beim Betreiber nach.
Für einen ersten Besuch ist die Wahl nicht schwer: Welches Silberbergwerk Deutschlands den besten Eindruck vom Ausmaß des alten Bergbaus gibt, ist Freiberg, weil dort die Geschichte beginnt und die Grube bis heute als Lehrbergwerk arbeitet.
Silberbergwerke im Erzgebirge
Freiberg, Reiche Zeche. Die Himmelfahrt Fundgrube mit der Reichen Zeche ist heute das Lehr- und Forschungsbergwerk der TU Bergakademie Freiberg und zugleich ein Silberbergwerk für Besucher. Die Seilfahrt führt nach Angaben des Fördervereins auf rund 150 Meter Teufe, Wikipedia nennt für die erste Sohle 147,53 Meter. Die Bergakademie wurde am 21. November 1765 gegründet und gilt als älteste montanwissenschaftliche Hochschule der Welt.
Annaberg-Frohnau, Markus-Röhling-Stolln. Hier wurden Silber und Kobalt aus dem 1733 entdeckten Erstneuglück-Flache-Gang gefördert, bis der Abbau 1857 endete. Seit Juli 1994 fahren Besucher ein. Mehr dazu steht auf der Seite zum Markus-Röhling-Stolln.
Waschleithe, Herkules-Frisch-Glück. Die Grube lieferte ab 1705 Silber, Kupfer, Blei, Zinkblende und etwas Eisenstein, später auch Marmor. Schaubergwerk war sie erstmals 1926, nach einer Unterbrechung ab 1966 wieder. Details auf der Seite zum Schaubergwerk Herkules-Frisch-Glück.
Pobershau, Molchner Stolln. Im Marienberger Revier lieferten die Gruben am Molchner Stolln im 16. Jahrhundert reichlich Silber; später wurde hier vor allem Zinn gewonnen. Als Schaubergwerk ist der Stolln seit den 1930er-Jahren zugänglich.
Johanngeorgenstadt und Marienberg-Lauta. Das Schaubergwerk Frisch Glück „Glöckl“ in Johanngeorgenstadt begann nach Angaben von showcaves.com als Silbergrube, später kamen Wismut und Uran dazu. Am Rudolphschacht in Lauta steht laut derselben Quelle ein Pferdegöpel, nachgebaut nach dem Vorbild der Anlage, die zwischen 1838 und 1877 Erz aus dem Schacht zog; zu sehen ist dort vor allem Fördertechnik über Tage.
Seit dem 6. Juli 2019 ist die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří UNESCO-Welterbe. Das Welterbekomitee trug sie auf seiner 43. Sitzung in Baku ein; sie umfasst 22 Bestandteile, 17 in Sachsen und 5 in Tschechien, und ist die erste gemeinsame Welterbestätte beider Länder. Auch die Bergbaulandschaft um Frohnau mit dem Markus-Röhling-Stolln gehört dazu.
Silberbergwerke im Harz
Der Rammelsberg in Goslar ist heute Museum und Besucherbergwerk und seit 1992 UNESCO-Welterbe. 2010 wurde das Welterbe um die Oberharzer Wasserwirtschaft erweitert, das System aus Teichen, Gräben und Stollen, mit dem die Silbergruben im Oberharz ihre Wasserräder antrieben und ihr Grubenwasser loswurden.
Die Grube Samson in Sankt Andreasberg förderte Silber, bis am 31. März 1910 die letzte Schicht ausfuhr. Bekannt ist sie für ihre Fahrkunst, 1837 eingebaut: eine Anlage aus hin- und hergehenden Gestängen mit Trittbrettern, auf denen die Bergleute ein- und ausfuhren. Sie ist bis heute funktionstüchtig, angetrieben inzwischen von einem Elektromotor statt vom Wasserrad. Die American Society of Mechanical Engineers nahm die Grube 1987 in ihre Liste historischer Ingenieurdenkmale auf.
In Lautenthal war die Grube Lautenthals Glück bis 1931 eine Silbergrube, seit den 1970er-Jahren ist sie Bergbaumuseum mit Besucherbergwerk. In Zellerfeld zeigt das Oberharzer Bergwerksmuseum mit einem Schaubergwerk den Bergbau des Reviers, das zu den bedeutendsten Silbergewinnungsgebieten Deutschlands gehörte.
Silberbergwerke im Schwarzwald und in Baden-Württemberg
Das Silberbergwerk Teufelsgrund im Münstertal wurde 1970 eröffnet, nach showcaves.com als erstes Besucherbergwerk im Schwarzwald. Ein Stollen erschließt den Erzgang. Im 20. Jahrhundert wurde hier Flussspat abgebaut, bis 1958; übrig blieben große Abbauhohlräume. Angeschlossen ist ein Heilstollen; mehr zu solchen Anlagen steht auf der Seite Heilstollen in Besucherbergwerken.
Am Schauinsland bei Freiburg wurde der Betrieb 1954 eingestellt, weil er sich nicht mehr rechnete. Seit 1997 wird ein Teil der Grube museal genutzt.
Im Suggental bei Waldkirch ist der Silberbergbau 1284 urkundlich fassbar, durch den Bau des Urgrabens, eines Hangkanals, der Betriebswasser über fast 15 Kilometer heranführte. Ende des 13. Jahrhunderts beendete ein Unwetter mit Überflutung den Bergbau; das Landesamt nennt das Jahr 1288. Die Grube Erich zeigt heute Teile dieses Reviers.
Die Grube Wenzel in Oberwolfach erlebte ihre ertragreiche Zeit zwischen 1760 und 1823 und ist seit 2001 Besucherbergwerk. In Neubulach wurden im Mittelalter Silber- und Kupfererze abgebaut, der Hella-Glück-Stollen ist seit 1970 für Besucher offen. Dazu kommen kleinere Gruben: Segen Gottes in Haslach-Schnellingen, das Silbergründle in Seebach mit Bergbau vom 12. oder 13. Jahrhundert bis um 1770, und die Grube Anna-Elisabeth in Schriesheim an der Bergstraße, in der nach dem Silber Vitriol gewonnen wurde.
Eine bekannte Grube fehlt in der Tabelle mit Absicht. Das Besucherbergwerk Finstergrund in Wieden zeigt vor allem den Flussspatabbau von 1920 bis 1972, obwohl seine oberen Stollen im Mittelalter für Silbererz angelegt wurden. Besucher fahren mit der Grubenbahn durch den untersten Stollen ein und sehen dort Spatgänge, kein Silbererz.
Silberbergwerke in Bayern und im Bergischen Land
Im Bayerischen Wald liegen die beiden bayerischen Silberbergwerke. Am Silberberg in Bodenmais ist der Bergbau seit 1463 sicher belegt, zuerst auf silberhaltigen Bleiglanz, später auf Vitriol und Polierrot. Die letzte Schicht datieren Wikipedia und showcaves.com auf den 27. Mai 1962, das Landesamt für Umwelt schreibt, die Erzgewinnung sei 1952 erloschen.
Die Fürstenzeche in Lam wurde 1463 von Hanns Swanser gegründet und lieferte in ihrer Blütezeit bis zu rund 650 Kilogramm Silber im Jahr. Seit Mitte 2024 ist sie nach sechs Jahren Pause wieder Besucherbergwerk.
Weit im Westen, in Windeck an der Sieg, zeigt die Grube Silberhardt Silber- und Bleibergbau; die Grube wurde 1752 neu gegründet und empfängt seit 1999 Besucher. Welche Gruben im eigenen Umkreis liegen, zeigt die Suche nach Besucherbergwerken in der Nähe, die vollständige Liste der Besucherbergwerke alle Erze. Wer sich für das andere Edelmetall interessiert, findet die Gruben auf der Seite Goldbergwerke in Deutschland.
Ein Silberbergwerk Deutschlands, in dem fast nichts zu holen war, gibt es übrigens auch. In Großerlach im Mainhardter Wald wurde 1773 der Stollen „Gabe Gottes“ angefahren, in der Hoffnung auf reiche Erze. Die Hoffnung trog, nach kurzer Zeit wurde er als unwirtschaftlich aufgegeben, und das Geld der Anteilseigner war verloren. Seit Mai 2000 ist der kurze Stollen wieder offen, als Erinnerung an einen Silberrausch, der keiner wurde.

