Markus-Röhling-Stolln Annaberg: Grubenbahn, Wasserrad und Welterbe
Aktuelle Führungszeiten und Anmeldung beim Betreiber:
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Rund neun Meter misst das Wasserrad, das unter Tage bei Frohnau steht, im Durchmesser, und es funktioniert. Es ist ein Nachbau, ein sogenanntes Kunstrad, und es steht im Besucherbergwerk Markus-Röhling-Stolln. Hinein geht es mit der Grubenbahn, rund 600 Meter weit in den Berg.
Frohnau ist ein Ortsteil von Annaberg-Buchholz im Erzgebirgskreis. Der Stolln gehört zur Bergbaulandschaft Annaberg-Frohnau und ist damit seit dem 6. Juli 2019 Teil des UNESCO-Welterbes Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří. Betrieben wird das Besucherbergwerk vom Verein Altbergbau „Markus-Röhling-Stolln“ Frohnau e.V.
Mit der Grubenbahn in den Markus-Röhling-Stolln
Die Einfahrt erfolgt waagerecht. Eine elektrische Grubenbahn bringt die Besucher rund 600 Meter in den Berg; so geben es die Stadt Annaberg-Buchholz, die TU Chemnitz, die deutschsprachige Wikipedia und ERIH an. Die Sächsische Dampfroute spricht von etwa 500 Metern. Die Bahn fährt durch eine gerade Strecke, die die Wismut nach dem Krieg aufgefahren hat, und erst an ihrem Ende beginnt der alte Stolln, in dem die eigentliche Führung stattfindet. Für die Fahrt bekommen Besucher einen Helm.
Im Erzgebirge ist die Grubenbahn als Weg in den Berg kein Einzelfall, die Entfernungen unterscheiden sich aber deutlich. In den Zinnkammern Pöhla fahren Besucher rund drei Kilometer durch einen Stollen der Wismut, in der Zinngrube Ehrenfriedersdorf fährt der „Saubergexpress“ nach der Einfahrt im Förderkorb durch den Tiefen Sauberger Stolln. Die Fahrt in Frohnau ist kürzer, und am Ende der geraden Wismut-Strecke wartet bereits der alte Stolln. Welche Besucherbergwerke in Deutschland mit einer Bahn einfahren, zeigt die Übersicht Besucherbergwerke mit Grubenbahn.
Unter Tage stehen zwei Dinge im Mittelpunkt. Das eine ist das Wasserrad. Mit seinen rund neun Metern Durchmesser ist der funktionsfähige Nachbau eines Kunstrads, wie es im Bergbau mit Wasserkraft Pumpen antrieb. Das Wasser dafür wurde von einem Bach abgezweigt und in den Berg geleitet, und das Rad hob über ein Gestänge das Grubenwasser aus den tieferen Sohlen.
Das andere ist Technik aus einer viel jüngeren Zeit. Der Verein führt Bergbaumaschinen der Wismut vor, darunter einen Bohrwagen und einen Wurfschaufellader. Zwischen der Technik des Wasserrads und diesen Maschinen liegen Jahrhunderte Bergbaugeschichte, und beides ist im selben Stolln zu sehen.
Eine Neuerung betrifft den Weg selbst. Früher endete die Führung nach einigen hundert Metern, und die Gruppe ging denselben Weg zurück. Mit einem neu aufgefahrenen Verbindungsstück zu einer parallelen Strecke ist daraus ein Rundweg geworden. Die deutschsprachige Wikipedia datiert den Umbau auf 2021, showcaves.com nennt den 23. September 2022 als Tag, an dem die neue Führung eröffnet wurde.
Kinder können ab sechs Jahren mitkommen; diese Grenze nennen der Verein und showcaves.com übereinstimmend, und der Verein verweist dafür auf den Betriebsplan, den das Oberbergamt zugelassen hat. Barrierefrei ist das Besucherbergwerk nach showcaves.com nicht, und der Verein nennt auf dem Rundweg drei kurze Treppen. Wer mit eingeschränkter Mobilität kommt, klärt vorher mit dem Verein, was möglich ist.
Wie lange die Führung dauert und wie die Anmeldung läuft, steht beim Verein, der dafür ein Online-Buchungssystem nutzt. Unter Tage sind es rund acht bis zehn Grad, das nennen der Verein, die TU Chemnitz und showcaves.com. Eine Jacke und feste Schuhe sind deshalb auch im Sommer keine schlechte Idee.
Silber und Kobalt: der Erstneuglück-Flache-Gang
Der Reichtum des Stollns hat einen Namen: der Erstneuglück-Flache-Gang. 1733 wurde er entdeckt, und mit ihm begann die ertragreichste Phase. Gefördert wurden Silber und Kobalt in großen Mengen, bis 1857.
Kobalt war dabei kein Nebenprodukt. Kobalterz war im Erzgebirge der Rohstoff der Blaufarbenwerke, die daraus blaue Farbe herstellten, unter anderem im Schneeberger Revier.
Was in diesen Werken entstand, heißt Smalte. Geröstetes Kobalterz wurde mit Quarzsand und Pottasche zu einem blauen Glas geschmolzen, das man anschließend zu Pulver mahlte; so beschreiben es die deutschsprachige Wikipedia und eine Darstellung des Blaufarbenwerks Schindlers Werk. Als Farbe diente die Smalte vor allem zum Verzieren von Keramik. Zu den großen sächsischen Standorten zählten Oberschlema und Albernau. Das Blaufarbenwerk Schindlers Werk bei Zschorlau gehört heute sogar zum Welterbe Montanregion Erzgebirge, im Bestandteil Schneeberg, so die deutschsprachige Wikipedia und der Welterbe-Verein. Das Erz aus Frohnau ist also Teil derselben Geschichte, die dort über Tage erzählt wird.
Wie sich Frohnau unter den deutschen Silbergruben einordnet und wo man außerdem einfahren kann, zeigt die Übersicht der Silberbergwerke.
1857 wurde die Grube stillgelegt, und fast ein Jahrhundert lang blieb es danach still im Berg.
Geschichte: vom St.-Anna-Stolln zum Besucherbergwerk
Die Geschichte des Stollns beginnt lange vor dem Silberfund von 1733. 1491 wurde am nahen Schreckenberg reiches Silbererz gefunden, und der Bergbau breitete sich rasch in die Umgebung aus. Am Anfang des 16. Jahrhunderts, nach Angaben des Vereins zwischen 1500 und 1505, wurde dann der Stolln als St.-Anna-Stolln aufgefahren. Seine Aufgabe war die Entwässerung der Gruben am Schreckenberg.
Der Silberfund am Schreckenberg gilt als Auslöser des zweiten, großen Berggeschreys im Erzgebirge, nachdem schon 1470 bei Schneeberg Silber entdeckt worden war. 1496 wurde in der Nähe eine neue Bergstadt gegründet, aus der Annaberg wurde; das beschreiben die deutschsprachige Wikipedia und Wikivoyage. Frohnau, heute ein Ortsteil, liegt im Tal der Sehma westlich des Stadtzentrums.
Dass hier „Stolln“ und nicht „Stollen“ steht, ist kein Druckfehler. Im Erzgebirge schreibt man das Wort traditionell ohne e. Gemeint ist ein annähernd waagerechter Grubenbau, der vom Hang aus in den Berg getrieben wird und an der Oberfläche mit dem Mundloch beginnt. Weil ein solcher Stolln leicht ansteigt, kann Grubenwasser durch ihn von selbst abfließen, und genau dafür wurde der St.-Anna-Stolln angelegt. Weitere Begriffe erklärt die Seite zur Bergmannssprache.
Erst später erhielt er den Namen von Markus Röhling, unter dem er heute bekannt ist. Wer das war, beschreiben die Quellen unterschiedlich. Die deutschsprachige Wikipedia nennt einen Bergamtsverwalter dieses Namens und das Jahr 1727 für die Umbenennung, die TU Chemnitz schreibt, die Stollen seien um 1550 unter seiner Leitung erweitert worden, showcaves.com spricht von einem früheren Besitzer der Grube.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kam die Wismut. Sie suchte nach Uran und schloss dafür die alten Grubenbaue wieder auf, und dabei entstand auch die gerade Strecke, durch die heute die Grubenbahn fährt. Die meisten Quellen, darunter der Verein und ERIH, datieren diese Arbeiten auf 1948 bis 1953, die deutschsprachige Wikipedia setzt den Beginn schon 1946 an. Abbauwürdige Erze fanden sich nicht, und 1953 wurde die Suche eingestellt.
Beim Beginn des Besucherbetriebs ist die Lage inzwischen recht klar. Laut dem Sächsischen Staatsministerium für Kultur und Tourismus eröffnete der Verein das Besucherbergwerk im Juli 1994, die TU Chemnitz, ERIH und showcaves.com nennen ebenfalls 1994. Nur die deutschsprachige Wikipedia gibt 1992 an.
Welterbe Bergbaulandschaft Annaberg-Frohnau
Seit dem 6. Juli 2019 gehört die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří zum UNESCO-Welterbe. Das Welterbe ist eine Sammlung vieler Bestandteile, und einer davon ist die Bergbaulandschaft Annaberg-Frohnau. Der Markus-Röhling-Stolln zählt dazu; das Sächsische Kulturministerium hat das ausdrücklich festgehalten, und der Welterbe-Verein führt den Stolln als eigenes Objekt der Bergbaulandschaft Frohnau. Zum selben Teil gehört der Frohnauer Hammer im Tal der Sehma.
Rund fünf Kilometer Luftlinie nördlich liegt ein weiterer Bestandteil: die Bergbaulandschaft Ehrenfriedersdorf mit der Zinngrube Ehrenfriedersdorf. Dort geht es mit dem Förderkorb rund 100 Meter in die Tiefe, hier mit der Grubenbahn waagerecht in den Berg. Wer beide Bergwerke an einem Tag besucht, erlebt zwei Arten der Einfahrt und zwei Lagerstätten, Zinn dort, Silber und Kobalt hier.
Frohnau, Frohnauer Hammer und Bergwerke in der Nähe
Im selben Ortsteil liegt der Frohnauer Hammer. Er ist kein Bergwerk, sondern ein historisches Hammerwerk und heute ein Museum, ein eigenes Ziel neben dem Stolln. Ursprünglich war das Gebäude eine Getreidemühle. 1621 wurde es zum Hammerwerk umgebaut, in dem zuerst Silber, dann Kupfer und schließlich Eisen geschmiedet wurde. 1904 endete der Betrieb, und seit 1909 ist der Hammer ein Museum.
Im Untertagebereich des Stollns gibt es außerdem eine ehemalige Maschinenkammer, die heute für Veranstaltungen genutzt wird, etwa für Mettenschichten, die traditionellen Bergmannsfeiern in der Adventszeit. Der Verein richtet sie nur im Advent aus; Termine und Buchung gibt es dort, eine Führung gehört nach Angaben des Vereins nicht automatisch dazu. Schon 2007 beschrieb der Adventskalender der TU Chemnitz die Mettenschichten im Stolln als besonders beliebt. Woher der Brauch kommt, erklärt die Seite zu Mettenschicht und Bergparade.
Vom Gleißinger Fels im Fichtelgebirge sind es gut 100 Kilometer Luftlinie bis Frohnau. Mehrere weitere Besucherbergwerke liegen in kurzer Entfernung: das Schaubergwerk Herkules-Frisch-Glück in Waschleithe rund 13 Kilometer Luftlinie westsüdwestlich, die Zinnkammern Pöhla rund 17 Kilometer südwestlich.
Mit dem Auto erreicht man Annaberg-Buchholz über die B95, die von Chemnitz nach Oberwiesenthal durch die Stadt führt; so Wikivoyage. Zum Stolln geht es nach der Beschreibung von showcaves.com von der B95 in Richtung Chemnitz ab. Wer mit Bahn oder Bus anreist, findet die Verbindungen beim regionalen Verkehrsverbund.
Annaberg-Buchholz: Altstadt, Welterbe und die Große Bergparade
Der Stolln ist nur ein Teil des Welterbes rund um Annaberg. Der Bestandteil Annaberg der Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří umfasst nach dem Welterbe-Verein und der deutschsprachigen Wikipedia neben der Bergbaulandschaft Frohnau auch die historische Altstadt von Annaberg, die Bergbaulandschaft Buchholz und die Bergbaulandschaft am Pöhlberg. Insgesamt besteht das Welterbe aus 22 Bestandteilen, 17 in Sachsen und 5 in Tschechien. Wer nach der Führung in die Stadt fährt, bewegt sich also weiter innerhalb derselben Welterbestätte.
Für einen Tag in Frohnau bietet sich eine einfache Reihenfolge an. Zuerst geht es mit der Grubenbahn in den Stolln, wo Silber und Kobalt gefördert wurden. Danach zeigt der Frohnauer Hammer im selben Ortsteil, wie Metall über Tage mit Wasserkraft geschmiedet wurde. Zum Schluss führt der Weg in die Altstadt, die das Silber erst möglich gemacht hat. So ergibt sich aus drei Bestandteilen desselben Welterbes ein zusammenhängendes Bild vom Erz im Berg bis zur Bergstadt.
Im Advent wird Annaberg-Buchholz zum Ziel für alle, die Bergbautradition über Tage sehen wollen. Am vierten Advent zieht hier die Große Bergparade durch die Stadt, 2026 am Sonntag, 20. Dezember. Sie ist die letzte Parade der Saison und gilt als die größte im Erzgebirge, nach der deutschsprachigen Wikipedia sogar als die größte in Deutschland. Bergleute in Habit aus Sachsen und anderen Bergbauregionen ziehen mit Bergmusikern durch die Altstadt bis zur St. Annenkirche, wo die Parade mit einem gemeinsamen Konzert endet.
Wer Parade und Bergwerk verbinden will, plant den Besuch im Stolln am besten für einen anderen Tag des Wochenendes und erkundigt sich vorher beim Verein, ob über die Feiertage geführt wird. Alle Paraden, Mettenschichten und Feste des Bergbaujahres sammelt der Bergbau-Kalender.
Besucherbergwerke in der Nähe
- St. 01Zinngrube EhrenfriedersdorfEhrenfriedersdorf · Erzgebirge5 km
- St. 02Schaubergwerk Herkules-Frisch-GlückWaschleithe (Grünhain-Beierfeld) · Erzgebirge13 km
- St. 03Besucherbergwerk Zinnkammern PöhlaPöhla (Schwarzenberg/Erzgeb.) · Erzgebirge17 km
- St. 04Besucherbergwerk Friedrich-Wilhelm-StollenLichtenberg · Frankenwald95 km
- St. 05Bergwerk WerraWeißenstadt · Fichtelgebirge97 km
- St. 06Besucherbergwerk Gleißinger FelsFichtelberg · Fichtelgebirge105 km
Häufige Fragen
Wie weit fährt man mit der Grubenbahn in den Markus-Röhling-Stolln?
Rund 600 Meter, so die Stadt Annaberg-Buchholz, die TU Chemnitz und die deutschsprachige Wikipedia. Die Sächsische Dampfroute nennt rund 500 Meter.
Gehört der Markus-Röhling-Stolln zum UNESCO-Welterbe?
Ja. Er gehört zur Bergbaulandschaft Annaberg-Frohnau, die seit dem 6. Juli 2019 Teil des Welterbes Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří ist.
Was wurde im Markus-Röhling-Stolln abgebaut?
Vor allem Silber und Kobalt aus dem 1733 entdeckten Erstneuglück-Flache-Gang. Nach dem Zweiten Weltkrieg suchte die Wismut hier nach Uran, fand aber keine abbauwürdigen Erze.
Wie kalt ist es im Markus-Röhling-Stolln?
Rund 8 bis 10 °C, so die TU Chemnitz und showcaves.com. Eine Jacke ist auch im Sommer sinnvoll.
Ab welchem Alter dürfen Kinder in den Markus-Röhling-Stolln?
Ab sechs Jahren, so der Verein und showcaves.com. Der Verein begründet die Grenze mit dem zugelassenen Betriebsplan.
Ist der Frohnauer Hammer auch ein Bergwerk?
Nein. Der Frohnauer Hammer im selben Ortsteil ist ein historisches Hammerwerk und seit 1909 ein Museum. Zum Besucherbergwerk gehört er nicht, wohl aber wie der Stolln zur Welterbe-Bergbaulandschaft Frohnau.
Quellen
- Verein Altbergbau „Markus-Röhling-Stolln“ Frohnau e.V.: Historie
- Wikipedia (de): Markus-Röhling-Stolln
- Sächsisches Staatsministerium für Kultur und Tourismus: Besucherbergwerk „Markus-Röhling-Stolln“ in Annaberg-Buchholz nimmt Bohrwagen in Betrieb (05.02.2024)
- TU Chemnitz: Adventskalender 2007: Markus-Röhling-Stolln
- Stadt Annaberg-Buchholz: Markus-Röhling-Stolln
- Sächsisches Oberbergamt: Besucherbergwerke und -höhlen (Stand 17.10.2019)
- Wikipedia (de): Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří
- showcaves.com: Besucherbergwerk „Markus-Röhling-Stolln“
- ERIH – European Route of Industrial Heritage: Markus Röhling Visitor Mine
- Welterbe Montanregion Erzgebirge e.V.: Frohnau Mining Landscape
- Welterbe Montanregion Erzgebirge e.V.: Frohnauer Hammer Forge
- Wikipedia (de): Frohnauer Hammer
- Verein Altbergbau „Markus-Röhling-Stolln“ Frohnau e.V.: Mettenschichten
- Verein Altbergbau „Markus-Röhling-Stolln“ Frohnau e.V.: Öffnungszeiten und Besucherhinweise
- Wikipedia (de): Frohnau (Annaberg-Buchholz)
- Wikivoyage (de): Annaberg-Buchholz
- Wikipedia (en): Berggeschrey
- Welterbe Montanregion Erzgebirge e.V.: World Heritage – component parts
- Wikipedia (de): Smalte
- Wikipedia (de): Blaufarbenwerk
- European Heritage Times (2022): Schindlers Werk Smalt Works
- Wikipedia (de): Bergparade
- Festivals in Deutschland: Große Bergparade Annaberg-Buchholz
- showcaves.com: Besucherbergwerk Zinnkammern Pöhla
- Zinngrube Ehrenfriedersdorf / Zweckverband Sächsisches Industriemuseum: Zur Geschichte der Zinngrube Ehrenfriedersdorf

