Drei Kilometer fährt die Grubenbahn in Pöhla durch den Berg, bevor die Führung überhaupt beginnt. Im Graphitbergwerk Kropfmühl bei Passau steigen Besucher dagegen rund 220 Stufen hinab, und im Silberberg Bodenmais geht es zu Fuß durch den Barbarastollen. Ob ein Besucherbergwerk mit Grubenbahn fährt oder nicht, verändert den ganzen Besuch: wie weit man in den Berg kommt, wie anstrengend es ist und wie viel Spaß Kinder daran haben.
Diese Seite erklärt, was eine Grubenbahn ist und woher sie kommt, worauf man bei der Fahrt mit Kindern achtet und in welchen Bergwerken die Einfahrt mit der Bahn zur Führung gehört. Aufgenommen sind nur Gruben, bei denen mindestens zwei Quellen die Fahrt beschreiben.
Was ist eine Grubenbahn?
Eine Grubenbahn ist eine Schienenbahn im Bergbau. Wikipedia beschreibt sie als Bahnanlage, die über und unter Tage Erz, Kohle und Abraum abtransportiert und auch die Bergleute befördert. Auf den Gleisen laufen kleine Förderwagen, und für die Menschen gibt es Personenwagen. Wie breit das Gleis ist, hängt von den engen Kurven und den Querschnitten der Strecken ab. Im Feld- und Grubenbahnmuseum neben der Grube Fortuna in Hessen haben alle Fahrzeuge 600 Millimeter Spurweite, so Wikipedia und der Förderverein, der das Museum betreibt.
Bevor es Lokomotiven gab, zogen Pferde die Wagen. Grubenpferde zogen die Förderwagen zum Schacht oder zu anderen Umladestellen, so beschreiben es die Wikipedia-Artikel über Grubenbahn und Grubenpferd.
Die Wende kam aus Sachsen. Am 25. August 1882 nahm im Steinkohlenbergwerk Zauckerode bei Dresden die erste elektrische Grubenlokomotive der Welt den Betrieb auf, gebaut von Siemens & Halske. Der Verband der Elektrotechnik VDE führt sie in seiner Chronik, Wikipedia nennt auch ihren Namen: „Dorothea“. Sie bezog Gleichstrom aus einer Fahrleitung über dem Gleis. Später kamen Lokomotiven mit Akku, Druckluft und Dieselmotor hinzu; im Steinkohlenbergbau mussten Antriebe dabei so gebaut sein, dass sie Grubengas nicht entzünden.
Für Besucherbergwerke ist die Grubenbahn ein Glücksfall. Die Strecken, auf denen früher Erz und Bergleute fuhren, tragen heute Gäste. Wikipedia nennt die 600-Millimeter-Spur als verbreitet in Besucherbergwerken. In Kamsdorf, Pöhla und am Markus-Röhling-Stolln fahren Besucher auf Strecken, die Bergleute einst selbst genutzt haben.
Warum die Bahn den Besuch verändert
Der wichtigste Grund ist die Entfernung. Viele sehenswerte Grubenbaue liegen weit vom Mundloch entfernt, und zu Fuß wäre der Weg dorthin eine eigene Wanderung. In Pöhla bringt die Bahn Besucher rund drei Kilometer weit bis zur Lagerstätte Hämmerlein, im Sauerländer Besucherbergwerk Ramsbeck sind es nach Angaben des Betreibers und von showcaves.com rund 1,5 Kilometer. Ohne Bahn wären diese Führungen in der üblichen Zeit kaum machbar.
Der zweite Grund ist das Erlebnis selbst. Die Fahrt im offenen Personenwagen, das Rattern auf dem Gleis, das Licht der Grubenlampen an der Stollenwand: Für viele Besucher ist das der Teil, an den sie sich am längsten erinnern. Das Sauerländer Besucherbergwerk wirbt mit der „rumpelnden Grubenbahn“, und im Rammelsberg in Goslar heißt eine eigene Führung „Mit der Grubenbahn vor Ort“.
Einen Haken gibt es. Eine Grubenbahn macht ein Bergwerk nicht barrierefrei. Ein- und Ausstieg, niedrige Strecken und die Wege unter Tage nach der Fahrt bleiben. Das Schaubergwerk Volle Rose in Ilmenau fährt mit der Grubenbahn ein und ist nach Angaben des Betreibers und von showcaves.com trotzdem nicht barrierefrei. Wer mit Rollstuhl, Rollator oder Gehbehinderung kommt, fragt vorher beim Betreiber, was möglich ist, und verlässt sich nicht auf das Wort „Bahn“.
| Name | Ort | Bundesland | Erz oder Art |
|---|---|---|---|
| Besucherbergwerk Finstergrund | Wieden | Baden-Württemberg | Flussspat, Schwerspat, Blei, Silber; Einfahrt mit Grubenbahn |
| Besucherbergwerk Tiefer Stollen | Aalen-Wasseralfingen | Baden-Württemberg | Eisenerz (Dogger); Grubenbahn, Heilstollen |
| Salzbergwerk Berchtesgaden | Berchtesgaden | Bayern | Steinsalz im alpinen Haselgebirge, heute als Sole gewonnen |
| Besucherbergwerk Grube Fortuna | Solms-Oberbiel | Hessen | Eisenerz (Rot-/Brauneisenstein); Schachtfahrung |
| Besucherbergwerk Grube Lautenthals Glück | Langelsheim (Lautenthal) | Niedersachsen | Bleiglanz, Zinkblende (Silber) |
| Weltkulturerbe Rammelsberg – Museum & Besucherbergwerk | Goslar | Niedersachsen | Kupfer, Blei, Zink, Silber |
| Besucherbergwerk Kleinenbremen | Porta Westfalica-Kleinenbremen | Nordrhein-Westfalen | Eisenerz; Grubenbahn-Einfahrt |
| Sauerländer Besucherbergwerk Ramsbeck (Erzbergwerk Ramsbeck) | Bestwig-Ramsbeck | Nordrhein-Westfalen | Blei-/Zinkerz; Grubenbahn + Untertage-Rundgang |
| Besucherbergwerk Grube Bindweide | Steinebach/Sieg | Rheinland-Pfalz | Eisenerz; Grubenbahn |
| Kalkbergwerk am Königsberg | Wolfstein | Rheinland-Pfalz | Kalkstein; Grubenbahn |
| Besucherbergwerk Markus-Röhling-Stolln | Frohnau (Annaberg-Buchholz) | Sachsen | Silber und Kobalt aus dem Erstneuglück-Flache-Gang, ergiebig 1733–1857 |
| Besucherbergwerk Zinnkammern Pöhla | Pöhla (Schwarzenberg/Erzgeb.) | Sachsen | Skarnlagerstätte Hämmerlein: Zinn, Uran, Wolfram, Eisen, Silber |
| Zinngrube Ehrenfriedersdorf | Ehrenfriedersdorf | Sachsen | Zinnerz, dazu Silbererz; im 20. Jahrhundert auch Wolfram |
| Erlebniszentrum Bergbau Röhrigschacht Wettelrode | Sangerhausen (Wettelrode) | Sachsen-Anhalt | Kupferschiefer |
| Besucherbergwerk Kamsdorf | Kamsdorf (Unterwellenborn) | Thüringen | Eisenerz, eng an die Maxhütte Unterwellenborn gebunden |
| Schaubergwerk Volle Rose | Ilmenau (Schortetal) | Thüringen | Flussspat und Schwerspat; Grubenbahn-Einfahrt |
Grubenbahn fahren mit Kindern
Für Kinder ist die Bahn oft der Höhepunkt. Damit der Ausflug klappt, helfen ein paar Dinge.
Erstens die Altersregeln. Jedes Bergwerk legt sie selbst fest. Im Salzbergwerk Berchtesgaden gibt es kein Mindestalter, Kinder unter 13 Jahren fahren aber nur mit Erwachsenen ein, so der Betreiber und showcaves.com. Wer mit kleinen Kindern Grubenbahn fahren möchte, schaut vorher beim jeweiligen Betreiber nach, ob es eine Grenze gibt.
Zweitens die Kälte. Unter Tage ist es auch im Hochsommer kühl. Für die Volle Rose nennen Betreiber, showcaves.com und die TU Ilmenau rund 10 °C das ganze Jahr. Auf der Bahn sitzt man still, und der Fahrtwind tut ein Übriges. Eine Jacke gehört deshalb in jeden Rucksack, auch im August.
Drittens die Erwartung. Die Fahrt dauert meist nur wenige Minuten, danach geht die Führung zu Fuß weiter. In Berchtesgaden ist die Bahn nur ein Teil eines Programms mit Rutschen und einer Floßfahrt über den unterirdischen Spiegelsee, in Lautenthal kommt eine Erzschifffahrt hinzu, bei der Besucher sich nach Angaben des Bergwerks mit eigener Körperkraft fortbewegen. Wer Kindern vorher erzählt, dass die Bahn nur der Anfang ist, erspart sich Enttäuschung.
Besucherbergwerk mit Grubenbahn in Bayern
In Bayern ist die Auswahl klein. Unter den bayerischen Gruben im Katalog ist das Salzbergwerk Berchtesgaden das einzige Besucherbergwerk mit Grubenbahn, bei dem mindestens zwei Quellen die Einfahrt belegen. Dort ziehen Besucher vor der Einfahrt einen Schutzanzug über, dann fährt die Grubenbahn waagerecht in den Berg. Der Betreiber und showcaves.com nennen für die Fahrt in den Berg rund 650 Meter, Wikipedia und salzburg.info geben für die gesamte Bahnanlage etwa 1.400 Meter an. Die Fahrt dauert nur wenige Minuten.
Ein offener Fall ist das Bergbaumuseum Peißenberg. Der Museumsverein schreibt auf seiner Website, dass es mit der Grubenbahn in den Berg geht. showcaves.com beschreibt den Weg in den Tiefstollen dagegen als Gang zu Fuß, und eine zweite unabhängige Bestätigung der Bahnfahrt fand sich nicht. Peißenberg steht deshalb nicht in der Tabelle; wer hin will, fragt beim Verein nach.
Anderswo in Bayern geht es zu Fuß. Im Silberbergwerk Bodenmais ist die Führung eine Begehung des Barbarastollens, eine Grubenbahn gibt es dort nach Angaben des Betreibers und von showcaves.com nicht. Im Graphitbergwerk Kropfmühl führen rund 220 Stufen zur 4. Sohle in 45 Metern Tiefe. Auch am Gleißinger Fels in Fichtelberg geht man zu Fuß in den Berg, durch enge, nasse Strecken.
Wer aus dem Fichtelgebirge zur nächsten Grubenbahn möchte, fährt also eher nach Thüringen oder ins Erzgebirge als nach Oberbayern. Kamsdorf bei Saalfeld und Pöhla bei Schwarzenberg sind von Fichtelberg aus deutlich näher als Berchtesgaden. Der Bergwerk-Finder zeigt die Entfernungen.
Erzgebirge und Thüringen
Zinnkammern Pöhla. Die längste Fahrt in dieser Übersicht. Die Grubenbahn bringt Besucher rund drei Kilometer durch den Hauptstollen der früheren Wismut zur Lagerstätte Hämmerlein, wo drei große Zinnkammern liegen; das beschreiben der Verein, showcaves.com und ERIH. Mehr auf der Seite zum Besucherbergwerk Pöhla.
Markus-Röhling-Stolln, Annaberg-Buchholz. Eine elektrische Grubenbahn fährt rund 600 Meter in den Berg, so die Stadt Annaberg-Buchholz, Wikipedia und ERIH. Am Ziel steht ein Kunstrad von rund neun Metern Durchmesser. Details auf der Seite zum Markus-Röhling-Stolln.
Zinngrube Ehrenfriedersdorf. Hier gibt es zwei Verkehrsmittel: erst den Förderkorb hinab auf die 2. Sohle in rund 100 Metern Tiefe, dann die Grubenbahn „Saubergexpress“ auf dem Tiefen Sauberger Stolln. Seit wann sie fährt, ist nicht ganz einheitlich überliefert: Betreiber und Wikipedia nennen 1998, showcaves.com 1997. Siehe Zinngrube Ehrenfriedersdorf.
Vereinigte Reviere Kamsdorf. Seit 2010 gibt es Führungen mit einer Fahrt in der Grubenbahn auf der 1. Sohle, daneben reine Fußführungen; so der Verein und showcaves.com. Mehr auf der Seite zum Besucherbergwerk Kamsdorf.
Schaubergwerk Volle Rose, Ilmenau. Eine kleine Grubenlok zieht die Besucher rund 350 bis 360 Meter in den historischen Talstollen im Schortetal, in dem früher Fluss- und Schwerspat abgebaut wurden. Betreiber, showcaves.com und die TU Ilmenau beschreiben die Einfahrt; über Tage fährt im Schortetal zusätzlich eine Feldbahn auf 600-Millimeter-Gleis.
Harz und Sachsen-Anhalt
Rammelsberg, Goslar. Das Welterbe-Bergwerk bietet mehrere Führungen an. Eine davon trägt den Titel „Mit der Grubenbahn vor Ort“, so der Betreiber und showcaves.com.
Grube Lautenthals Glück, Langelsheim. Eine elektrische Bahn fährt in einen der historischen Stollen, danach geht es zu Fuß weiter bis zum unterirdischen Kanal mit der Erzschifffahrt. Das schreiben das Bergwerk und ERIH.
Röhrigschacht, Wettelrode bei Sangerhausen. Erst geht es im Förderkorb knapp 300 Meter in die Tiefe, dann fährt die Grubenbahn zu einem Abbaufeld im Kupferschiefer. Wie weit, geben die Quellen unterschiedlich an: der Geopark Harz nennt über 1.000 Meter, showcaves.com einmal 1.000 und einmal 800 Meter. Besucherbergwerk ist der Röhrigschacht seit 1991, so beide Quellen.
Sauerland, Weserbergland, Westerwald und Hessen
Sauerländer Besucherbergwerk Ramsbeck. Rund 1,5 Kilometer fährt die Grubenbahn in das frühere Blei- und Zinkerzbergwerk, nach Angaben des Betreibers und von showcaves.com.
Besucherbergwerk Kleinenbremen, Porta Westfalica. In der früheren Eisenerzgrube Wohlverwahrt, die seit 1988 Besucher empfängt, fahren Gäste mit der Grubenbahn zu den interessantesten Stellen; das beschreiben Wikipedia und showcaves.com.
Grube Bindweide, Steinebach an der Sieg. Seit 1986 ist die ehemalige Eisenerzgrube ein Besucherbergwerk, so Wikipedia und showcaves.com. Zur Führung gehört die Fahrt mit der Grubenbahn in den Stollen, die showcaves.com und ich-geh-wandern.de beschreiben; das Wanderportal nennt sie den Höhepunkt der Führung.
Grube Fortuna, Solms. Hier fährt man erst im Förderkorb auf die 150-Meter-Sohle und dann mit der Grubenbahn rund 450 Meter weiter, so Wikipedia und showcaves.com. Gleich nebenan liegt das Feld- und Grubenbahnmuseum Fortuna, 1993 eröffnet, mit mehr als 50 Lokomotiven auf 600-Millimeter-Spur. Wer sich für die Fahrzeuge selbst interessiert, ist hier richtig.
Kalkbergwerk am Königsberg, Wolfstein (Rheinland-Pfalz). Weil das Kalklager nur flach geneigt ist, lässt sich das Innere des Bergwerks bequem mit einer Grubenbahn erreichen, erklärt der Betreiber; auch Wikipedia beschreibt die Einfahrt mit der Bahn durch den Stollen.
Schwarzwald und Ostalb
Besucherbergwerk Finstergrund, Wieden. Seit 1982 ist das ehemalige Flussspatbergwerk im Südschwarzwald für Besucher geöffnet, so showcaves.com und ERIH. ERIH beschreibt eine funktionierende Bahn mit Elektrolok, die Besucher zur Führung unter Tage bringt; der Verein führt die Grubenbahn mit ihren Lokomotiven auf seiner Website.
Tiefer Stollen, Aalen-Wasseralfingen. Im ehemaligen Eisenerzbergwerk beginnt die Führung mit einer Fahrt in der Grubenbahn, so alpen-guide.de und der Geopark Schwäbische Alb. Ein Teil der Grube dient außerdem als Heilstollen; mehr dazu auf der Seite über Heilstollen in Besucherbergwerken.
Bergwerk mit Grubenbahn: was vor der Fahrt zu klären ist
Ob ein Besucherbergwerk mit Grubenbahn seine Bahn gerade einsetzt, steht nicht in jedem Verzeichnis richtig. Das zeigt der Kilianstollen in Marsberg: showcaves.com nennt die Grubenbahnfahrt als Teil der Führung, der Marsberger Heimatbund schreibt auf seiner eigenen Seite, die Bahn fahre aus technischen Gründen derzeit nur bei YouTube. Deshalb fehlt der Kilianstollen in der Tabelle oben.
Wer Grubenbahn fahren will, prüft deshalb kurz vor dem Besuch beim Betreiber, ob die Bahn in Betrieb ist, ob sie bei jeder Führung fährt oder nur bei bestimmten, und ob man sich anmelden muss. Termine stehen beim Betreiber.
Die Rammelsberger Führung „Mit der Grubenbahn vor Ort“ trägt übrigens einen Untertitel, der an die eigentliche Aufgabe dieser Bahnen erinnert: „Auf zum Schichtbeginn“.

