Im Jahr 1476 schrieb Matthias von Kemnath, der erste Beschreiber dieser Gegend, von einem Berg, „hoch, weitt, wolbekant“, genannt der Fichtelberg. Gemeint war ein einzelner Berg, und von ihm ging der Name später auf das ganze Gebirge über. Wikipedia und der Wunsiedler Heimatforscher Dietmar Herrmann zeichnen diesen Weg übereinstimmend nach. Heute ist das Fichtelgebirge ein Mittelgebirge mit Granitgipfeln knapp über 1.000 Metern, Felsenlabyrinthen, Flussquellen und einer langen Bergbaugeschichte. Wer im Fichtelgebirge Sehenswürdigkeiten sucht, findet sie deshalb auf engem Raum: Vom Felsenlabyrinth bei Wunsiedel bis zum Gipfel des Ochsenkopfs sind es keine 20 Kilometer Luftlinie.
Diese Seite beantwortet zuerst, wo das Fichtelgebirge eigentlich liegt. Danach geht es um die bekanntesten Ausflugsziele, um Bergwerke und Museen, um die großen Wanderwege, die Jahreszeiten und die Anreise.
Wo ist das Fichtelgebirge?
Das Fichtelgebirge liegt im Nordosten Bayerns, in der Ecke, in der Franken, die Oberpfalz und Böhmen aneinanderstoßen. Der größte Teil gehört zum Regierungsbezirk Oberfranken mit den Landkreisen Wunsiedel, Hof und Bayreuth. Der Südosten zählt zur Oberpfalz mit dem Landkreis Tirschenreuth, und nord- und südöstliche Ausläufer liegen in Tschechien. So beschreibt es Wikipedia, und die Tourismuszentrale Fichtelgebirge nennt dieselben Regierungsbezirke.
Die Tourismuszentrale grenzt ihre Ferienregion grob so ab: im Westen bis Bayreuth, im Norden bis Hof, im Osten bis zur tschechischen Grenze und im Süden bis Waldsassen in der nördlichen Oberpfalz. Wikipedia nennt als größere Städte am Rand Hof im Norden, Bayreuth im Westen, Cheb (deutsch Eger) im Osten und Weiden im Süden. Im Inneren liegen Wunsiedel, Marktredwitz und Selb.
Auf der Karte sieht das Gebirge aus wie ein Hufeisen, das sich nach Nordosten öffnet. Die hohen Kämme mit Schneeberg, Ochsenkopf, Waldstein und Kösseine umschließen eine tiefer gelegene Hochfläche um Wunsiedel und Selb. Welche Gipfel wo stehen und wie hoch sie sind, zeigt die Seite Berge im Fichtelgebirge mit einer Tabelle von 19 Gipfeln.
Ausflugsziele im Fichtelgebirge: die bekanntesten Sehenswürdigkeiten
Die Ausflugsziele im Fichtelgebirge auf dieser Liste sind nach Art geordnet, nicht nach Rang. Eintrittspreise und Öffnungszeiten ändern sich; verlässlich sind die Angaben der Betreiber.
Luisenburg-Felsenlabyrinth bei Wunsiedel
Südlich von Wunsiedel liegt ein Gewirr aus Granitblöcken, viele davon mehrere Meter groß. Durch enge Spalten, über Treppen und unter überhängenden Blöcken hindurch führt ein Weg bis zu einem Gipfelkreuz. Mit festem Schuhwerk ist er gut zu gehen, das empfehlen Wikipedia und Herrmann gleichermaßen.
Erschlossen wurde das Labyrinth ab etwa 1790 von Wunsiedler Bürgern, die das Felsengebiet als Landschaftsgarten gestalteten. Damals hieß es Luxburg. 1805 besuchte das preußische Königspaar Friedrich Wilhelm III. und Luise die Anlage, und ihr zu Ehren wurde sie in Luisenburg umbenannt. Entstanden sind die Felsen durch Verwitterung, nicht durch ein Erdbeben, wie man lange glaubte: Der Granit zerfiel entlang seiner Klüfte zu gerundeten Blöcken, die später verrutschten.
Seit dem 1. Februar 2026 ist das Felsenlabyrinth Nationales Naturmonument. Die Verordnung der Bayerischen Staatsregierung umfasst neben dem großen Labyrinth auch das Kleine Labyrinth und den Burgsteinfelsen. Am Rand der Felsen liegt außerdem eine Naturbühne, auf der jedes Jahr die Luisenburg-Festspiele stattfinden. Das Programm veröffentlichen die Festspiele selbst.
Ochsenkopf und Schneeberg
Die beiden höchsten Gipfel stehen nur wenige Kilometer auseinander. Der Schneeberg ist mit 1.051 Metern der höchste Berg des Fichtelgebirges, auf seinem Gipfel steht der hölzerne Aussichtsturm Backöfele. Jahrzehntelang lag der Gipfel im militärischen Sperrgebiet; erst nach dem Abzug von US-Armee und Bundeswehr wurde er Mitte der 1990er-Jahre wieder zum Wanderziel.
Der Ochsenkopf, 1.024 Meter, ist der bequemere der beiden. Von Bischofsgrün im Norden und von Fleckl bei Warmensteinach im Süden fahren Seilbahnen hinauf, im Norden seit dem Jahreswechsel 2023/24 eine Kabinenbahn mit Zehner-Gondeln. Oben stehen der Asenturm des Fichtelgebirgsvereins mit Gaststätte und der Sendeturm des Bayerischen Rundfunks. Mehr zu beiden Bergen, zum Haberstein, zum Nußhardt und zur Geschichte der Türme steht auf der Seite zu den Bergen im Fichtelgebirge.
Fichtelsee und Weißenstädter See
Zwischen Ochsenkopf und Schneeberg liegt der Fichtelsee, ein alter Stauweiher von etwa 10,5 Hektar in der Gemeinde Fichtelberg. Er ist Naturfreibad, hat Liegewiese und Rundwege, und weil das angrenzende Moor das Wasser stark sauer macht, gibt es darin keine Fischerei. Rundweg, Moor und Geschichte beschreibt die eigene Seite zum Fichtelsee.
Größer ist der Weißenstädter See am Westrand von Bad Weißenstadt, zwischen Schneeberg und Waldstein. Er misst rund 48 Hektar, ist höchstens 3,5 Meter tief und wurde 1976 angestaut; die Eger fließt hinein und wieder hinaus. Wikipedia und das Wanderportal ich-geh-wandern.de stimmen in diesen Zahlen überein. Vom Rudolfstein oberhalb der Stadt sieht man auf den See hinunter.
Die Quellen von Main, Saale, Eger und Naab
Das Fichtelgebirge ist ein Quellgebirge. Am Ochsenkopf entspringt der Weiße Main, der nach Westen zum Rhein fließt, und nicht weit davon die Fichtelnaab, deren Wasser über Naab und Donau ins Schwarze Meer gelangt. Am Waldstein entspringt die Saale, am Nordhang des Schneebergs die Eger; beide fließen am Ende in die Elbe. Die Tourismuszentrale beschreibt das Gebirge wegen dieser Wasserscheide als „Nabel Deutschlands“.
Die Egerquelle ist die auffälligste Quellfassung. Lange markierte sie nur ein einfacher Stein mit der Inschrift „Egerquelle 1850“; die heutige Fassung geht auf eine Initiative der böhmischen Stadt Eger zurück, entstand 1923 und wurde 1924 eingeweiht. Sie liegt am Nordwesthang des Schneebergs, 150 Meter westlich der Kreisstraße zwischen Bad Weißenstadt und Bischofsgrün, mit eigenem Parkplatz. Kurios: Gefasst wurde 1850 gar nicht der eigentliche Ursprung. Der liegt nach Wikipedia und Herrmann an einem Bach weiter oben am Nordhang, dem heutigen Zinnbach; die gefasste Quelle war schlicht leichter zu erreichen.
Großer Waldstein und Kösseine
Im Norden des Gebirges steht der Große Waldstein, 877 Meter hoch, mit alten Buchen zwischen Felstürmen. Auf einer Felswand stehen die Reste der Burg Waldstein, die man „Rotes Schloss“ nennt, und rund 200 Meter westlich vom Waldsteinhaus des Fichtelgebirgsvereins steht der Bärenfang, eine Falle aus Granitquadern, die 1656 erstmals erwähnt wird. Zum Waldsteinhaus führen öffentliche Straßen von Weißenstadt und Sparneck.
Die Kösseine südlich von Wunsiedel, 939 Meter hoch, ist das Gegenstück im Süden. Ihr Doppelgipfel trägt ein Granit-Blockmeer, das unter Naturschutz steht, dazu das Kösseinehaus und einen Aussichtsturm des Fichtelgebirgsvereins. Hinauf kommt man nur zu Fuß, denn eine öffentliche Fahrstraße gibt es nicht.
Porzellan in Selb und Hohenberg an der Eger
Eine ganz andere Sehenswürdigkeit liegt im Osten. Selb gilt als Zentrum der deutschen Porzellanindustrie, Namen wie Rosenthal und Hutschenreuther stehen dafür. Das Porzellanikon verteilt sich auf zwei Standorte: In Selb-Plößberg zeigt es auf dem ehemaligen Fabrikgelände von Rosenthal, wie Porzellan industriell hergestellt wurde, dazu das Rosenthal Museum und ein Museum für Technische Keramik; in Hohenberg an der Eger liegt das Deutsche Porzellanmuseum. Seit 2014 trägt der Freistaat Bayern das Museum, die Tourismuszentrale nennt es ein Landesmuseum.
Bergbau: Besucherbergwerke und Museen
Wer im Fichtelgebirge Sehenswürdigkeiten unter Tage sucht, hat mehrere Möglichkeiten. Bergbau gab es hier seit dem Mittelalter, abgebaut wurden vor allem Gold, Zinn und Eisen, und mehrere Orte verdanken ihm ihre Entstehung, darunter Wunsiedel, Weißenstadt, Arzberg und Goldkronach. Wikipedia und die Tourismuszentrale nennen den Dreißigjährigen Krieg als den großen Einschnitt.
Am Südosthang des Ochsenkopfs, im Fichtelberger Ortsteil Neubau, liegt das Besucherbergwerk Gleißinger Fels, in dem Eisenglimmer abgebaut wurde. Bei Weißenstadt ist das Bergwerk Werra am Rudolfstein seit 2016 für Besucher geöffnet; der Stollen erzählt vom Zinn und von der Uranlagerstätte am Berg. In Goldkronach am Westrand des Gebirges war Alexander von Humboldt von 1793 bis 1796 als Bergbeamter tätig. Dort gibt es Besucherstollen und das Goldbergbaumuseum, beschrieben auf der Seite zum Goldbergwerk Goldkronach, und das Goldwaschen in Bayern hat dort seinen bekanntesten Ort.
Dazu kommen Ausstellungen über Tage. Das Fichtelgebirgsmuseum in Wunsiedel zeigt Geschichte, Natur und Lebensweise der Region, das Hammerschloss bei Tröstau erinnert an die Hammerwerke, in denen das Erz verarbeitet wurde, und in Arzberg informiert die Naturpark-Infostelle „Kleiner Johannes“ über Bergbau und Geologie. Welche weiteren Gruben im Umkreis offen sind, zeigt die Suche nach einem Bergwerk in der Nähe.
Im Fichtelgebirge wandern: Höhenweg, Quellenweg, Fränkischer Gebirgsweg
Drei lange Wege prägen das Wandern in dieser Gegend. Sie sind markiert, laufen über die bekanntesten Ziele und lassen sich in Etappen teilen. Wer im Fichtelgebirge wandern und nebenbei Felsen, Quellen und Burgruinen sehen will, ist auf ihnen richtig.
Der Höhenweg des Fichtelgebirgsvereins führt auf rund 48 Kilometern von Schwarzenbach an der Saale nach Wunsiedel. Er verläuft über den Kleinen und den Großen Waldstein, am Weißenstädter See vorbei, über Rudolfstein und Drei Brüder hinauf zum Schneeberg, weiter über Nußhardt, Seehaus und Platte, über die Hohe Matze zur Kösseine und am Felsenlabyrinth der Luisenburg vorbei nach Wunsiedel. Wikipedia und ich-geh-wandern.de beschreiben diesen Verlauf übereinstimmend. Den Ochsenkopf lässt er als einzigen der hohen Gipfel aus.
Der Quellenweg verbindet die vier Flussquellen: Saale, Eger, Weißer Main und Fichtelnaab. Er beginnt in Münchberg und endet in Marktredwitz, unterwegs kommt er am Fichtelsee vorbei. Markiert ist er mit einem schwarzen Q auf gelbem Grund. Über die Länge gehen die Angaben auseinander: Wikipedia nennt 46 Kilometer, ich-geh-wandern.de 52 Kilometer von Bahnhof zu Bahnhof. Für die Planung lohnt der Blick auf die eigene Etappe.
Der Fränkische Gebirgsweg ist ein Fernwanderweg, der das Fichtelgebirge mit Frankenwald, Fränkischer Schweiz und Frankenalb verbindet. Wie lang er ist, beziffern die Quellen unterschiedlich, Wikipedia mit 440, die Tourismuszentrale mit 425 Kilometern; einig sind sich beide, dass er als Qualitätsweg ausgezeichnet ist. Im Fichtelgebirge führt er über Waldstein, Epprechtstein, Kornberg und Kösseine.
Für kürzere Touren eignen sich Rundwege um einzelne Ziele. Der Rundweg um den Fichtelsee ist flach und auch mit Kindern zu schaffen, vom Wanderparkplatz Seehaus an der B 303 geht es auf den Schneeberg, und vom Weißenstädter See führt ein Weg zum Rudolfstein. Wer nur einen Tag hat, ist an der Luisenburg am besten aufgehoben: Nirgends sonst sieht man auf so kurzem Weg so viel Granit.
Fichtelberg, Ochsenkopf und der Name des Gebirges
Am Anfang stand ein einzelner Berg. In markgräflichen Landbüchern von 1499 und 1536 taucht der Ochsenkopf als „Vichtelberg“ auf. Am Südfuß dieses Berges lag schon im 14. Jahrhundert die Eisengrube St. Veit, und Wikipedia leitet das Wort „Fichtel“ von diesem Namen ab. Mit Fichten hat der Name demnach wenig zu tun, auch wenn ältere Autoren das so sahen; Herrmann zitiert Caspar Bruschius, der 1542 die Fichten für namensgebend hielt.
Den alten Bergnamen trägt bis heute die Gemeinde Fichtelberg am Fuß des Ochsenkopfs im Landkreis Bayreuth. Zu ihr gehört der Ortsteil Neubau, früher Gottesgab genannt, mit dem Fichtelsee und dem Besucherbergwerk Gleißinger Fels. Was es in Fichtelberg sonst noch gibt, einschließlich des Automobilmuseums Fichtelberg, steht auf eigenen Seiten.
Jahreszeiten im Fichtelgebirge
Wann man im Fichtelgebirge Sehenswürdigkeiten am besten besucht, hängt vom Ziel ab. Der Winter ist am Ochsenkopf Skisaison. Wikipedia und die Tourismuszentrale nennen Pisten, Loipen und Sprungschanzen; dazu kommen Rodeln und Eislaufen. Der Schneeberg verdankt seinen Namen sehr wahrscheinlich dem Schnee, der dort oben früher fällt und länger liegt als im Tal.
Im Sommer verschiebt sich das Programm ans Wasser und auf die Bühne. Fichtelsee und Weißenstädter See sind Freizeitseen, am Ochsenkopf laufen Sommerrodelbahn und Mountainbike-Strecken, und in Wunsiedel spielen die Luisenburg-Festspiele. Ebenfalls in Wunsiedel feiert die Stadt jedes Jahr ihr Brunnenfest.
Der Herbst gehört den Laubwäldern. Am Rudolfstein und am Großen Waldstein stehen Buchen zwischen den Felsen, und Wikipedia und Herrmann empfehlen den Rudolfstein ausdrücklich für Frühjahr und Herbst.
Anreise ins Fichtelgebirge
Die meisten Ausflugsziele im Fichtelgebirge liegen abseits der Bahnlinien, das Auto ist deshalb oft der einfachste Weg. Die A 9 im Westen und die A 93 im Osten führen an das Gebirge heran. Quer hindurch verläuft die B 303 von der A 9 über Marktredwitz zur A 93.
Mit der Bahn ist Marktredwitz der wichtigste Knotenpunkt, mit Verbindungen nach Hof, Bayreuth, Cheb, Regensburg, Nürnberg und München. Von Bayreuth fährt eine Stichstrecke noch bis Weidenberg. Ins Innere des Gebirges geht es dann mit dem Bus: Der Fichtel-Express des Verkehrsverbunds Großraum Nürnberg verbindet Bayreuth mit Warmensteinach, Fichtelberg und Bischofsgrün, und an der Haltestelle der Seilbahn Süd in Fleckl steigt man direkt zum Ochsenkopf um. Fahrpläne stehen in der Auskunft des Verkehrsverbunds.
Das lässt sich zu einer Überschreitung nutzen, die ohne zweites Auto auskommt: mit dem Bus nach Fleckl, mit der Seilbahn auf den Ochsenkopf, zu Fuß hinunter nach Bischofsgrün und von dort mit dem Bus zurück nach Bayreuth. So lässt sich im Fichtelgebirge wandern, ohne am Ende zum Auto zurücklaufen zu müssen.

