In Bayern wurde Gold nie in großen Mengen gefunden. Aber es wurde gefunden, und an einem Ort sogar über Jahrhunderte unter Tage abgebaut: in Goldkronach im Fichtelgebirge, nördlich von Bayreuth. Wer heute Goldwaschen in Bayern ausprobieren möchte, landet fast zwangsläufig dort. Das Bayerische Landesamt für Umwelt, Wikipedia und Wikivoyage beschreiben Goldkronach übereinstimmend als Zentrum des historischen Goldbergbaus im Land; nirgends sonst in Bayern wurde Gold in vergleichbarem Umfang untertägig abgebaut.
Diese Seite erklärt, wo Goldwaschen in Bayern angeboten wird, was beim Goldwaschen mit Kindern hilft, woher das Gold in den Flüssen kommt und warum die Rechtslage für Hobby-Goldwäscher unklarer ist, als viele Ratgeber behaupten.
Goldkronach: Goldwaschen im Fichtelgebirge
Am Infohaus am Goldberg in Goldkronach, Am Goldberg 6A, bietet die Stadt Goldwascheinweisungen an. Gruppen melden sich vorher über die Tourist-Information der Stadt an. Dort lernt man, wie die Pfanne geschwenkt wird, damit der leichte Sand herausgespült wird und das schwere Gold am Boden bleibt.
Goldkronach ist dafür der richtige Ort, weil die Geschichte stimmt. Das Landesamt für Umwelt spricht von einer über 600-jährigen Bergbaugeschichte, und die Spuren davon sind am Goldberg bis heute zu sehen. 1365 verlieh Burggraf Friedrich V. von Nürnberg dem Ort Stadtrecht und Bergfreiheit; die Stadt selbst nennt in einer Zeittafel 1363. Um 1400 war der Goldberg mit dem Schmutzlerschacht und dem Name-Gottes-Gang bereits in Betrieb. Zwischen 1793 und 1796 war Alexander von Humboldt als preußischer Bergbeamter in Goldkronach, und 1793 wurde unter ihm die Fürstenzeche wieder aufgenommen. Der bayerische Staat versuchte es ab 1828 noch einmal; der staatliche Abbau endete nach Wikipedia und dem Münzauktionshaus Künker 1861, showcaves.com nennt 1865. 1920 gründete sich die Fichtelgold AG, die 1925 aufgeben musste, weil ihr finanzierendes Bankhaus in Zahlungsschwierigkeiten geriet. In den 1970er-Jahren folgten noch einmal Probebohrungen, berichten Wikipedia und Künker, eine Wiederaufnahme des Bergbaus blieb aus.
Aus Goldkronacher Gold wurden auch Münzen geprägt. 1695 ließ Markgraf Christian Ernst von Brandenburg-Bayreuth einen Dukaten aus dem Gold des Goldbergs schlagen; die Stadt Goldkronach erwähnt ihn in ihrer Bergbaugeschichte, Künker beschreibt ein erhaltenes Doppelstück mit den Bildnissen des Markgrafen und seiner Frau. Selbst der Ortsname erzählt vom Gold: Aus dem Dorf Kranach wurde im 14. Jahrhundert Goldkronach.
Humboldts Jahre in Franken wirken bis heute nach. 1793 gründete er in Steben eine Bergschule für junge Bergleute, so Bayreuth Tourismus und die Humboldt-Bibliographie der Berlin-Brandenburgischen Akademie.
Wer nicht nur waschen, sondern auch unter Tage sehen möchte, wo das Gold herkam, findet in Goldkronach-Brandholz Besucherstollen, darunter den 1985 für Besucher geöffneten Schmutzler-Stollen und den Mittleren Tagesstollen „Name Gottes“, der seit Herbst 1997 begehbar ist; nach Angaben der Stadt und von showcaves.com sind dort 105 Meter Stollen zugänglich. Mehr dazu steht auf der Seite zum Goldbergwerk Goldkronach. Seit 2004 erzählt außerdem das Goldbergbaumuseum im ehemaligen Forstamtsgebäude die Geschichte; ob es zu einem bestimmten Zeitpunkt geöffnet ist, sollte man bei der Stadt erfragen.
Im Sommer schaut die Szene der Goldwäscher regelmäßig nach Goldkronach: Am Goldberg findet im Juni oder Juli die Internationale Deutsche Goldwaschmeisterschaft statt, 2024 zum 35. Mal. Ob jährlich oder alle zwei Jahre, darüber gehen die Angaben auseinander.
Berggold und Seifengold: wo in Bayern Gold vorkommt
Geologen unterscheiden zwei Arten von Gold. Berggold steckt noch im Gestein, an der Stelle, an der es entstanden ist. Seifengold ist Gold, das durch Verwitterung aus dem Gestein gelöst und von Wasser verfrachtet wurde; es sammelt sich in Sand und Kies von Bächen und Flüssen. Diese Unterscheidung treffen das Bayerische Landesamt für Umwelt und der Band „Gold in Bayern“ der Reihe Geologica Bavarica gleichermaßen. Wer mit der Pfanne wäscht, sucht immer Seifengold.
Die meisten Spuren der Goldgewinnung liegen im Grundgebirge Nordostbayerns, vom Frankenwald über die Münchberger Gneismasse und das Fichtelgebirge bis in den Oberpfälzer und den Bayerischen Wald. Berggold wurde außer in Goldkronach unter anderem bei Plösen nahe Münchberg, bei Neualbenreuth im Landkreis Tirschenreuth und bei Oberviechtach abgebaut; beide Quellen nennen diese Orte. Goldkronach-Brandholz bezeichnet der Geologica-Bavarica-Band als die bekannteste Goldlagerstätte Bayerns.
Spuren alter Goldwäscher im Fichtelgebirge und Frankenwald
Wo früher Seifengold gewaschen wurde, blieb ausgewaschenes Material am Ufer liegen. Diese Haufen heißen Seifenhügel, Waschhügel oder Reuthalden, so das Landesamt für Umwelt und die Autoren Klaus Rauh und Gerhard Lehrberger im Band „Gold in Bayern“. Besonders an der Pulschnitz bei Münchberg und am Untreubach bei Hof sind solche Hügel noch zu finden. Bei Plösen erinnern Flurnamen wie „Goldbach“ und „Goldgrube“ an den Bergbau.
Viele dieser Spuren sind allerdings verschwunden. Rauh und Lehrberger beschreiben Waschhügelfelder, die bei der landwirtschaftlichen Nutzung eingeebnet wurden, und das Landesamt für Umwelt schreibt, dass solche Zeugnisse oft aus Unwissenheit verloren gehen; nur ein Teil ist als Boden- oder Naturdenkmal geschützt. Für die Geschichte vom Goldwaschen in Bayern sind diese Hügel wichtige Zeugen, denn sie zeigen, an welchen Bächen früher Seifengold gewonnen wurde. Wer an einem Bach auf auffällige Reihen kleiner Hügel stößt, lässt sie deshalb am besten, wie sie sind.
Dazu kommen die Sagen. In Oberfranken und der Oberpfalz erzählt man von den „Walen“ oder „Venetianern“, fremden Gold- und Erzsuchern aus Italien. Rauh und Lehrberger heben diese Walen-Sagen als Hinweis auf frühen Bergbau hervor, und Alexander Schöppners Sammlung „Bayrische Sagen“ aus dem 19. Jahrhundert enthält eigens „Die Sage von den goldsuchenden Venedigern und Walen im Fichtelgebirge“.
Goldwaschen mit Kindern
Goldwaschen mit Kindern funktioniert am besten mit Anleitung. Die Bewegung der Pfanne ist nicht schwer, aber ungewohnt, und wer sie einmal gezeigt bekommen hat, hat schneller Erfolg. Genau dafür ist die Einweisung in Goldkronach gedacht. Gruppen melden sich vorher über die Tourist-Information an.

Das Prinzip lässt sich Kindern leicht erklären. Gold ist sehr viel schwerer als Sand und Kies, deshalb sinkt es in der Pfanne nach unten, während das leichtere Material mit dem Wasser über den Rand gespült wird. Mit derselben Technik arbeiten übrigens auch Geologen: Der Band „Gold in Bayern“ zeigt, wie Proben im Gelände mit der Goldwaschpfanne vorkonzentriert werden, bevor sie ins Labor gehen.
Zum Goldwaschen mit Kindern gehören Kleidung, die nass werden darf, und Geduld. Was in der Pfanne bleibt, sind winzige Flitter, keine Nuggets. Für Kinder ist das meist trotzdem der Höhepunkt des Tages, gerade weil sie es selbst gefunden haben.
Wer im Fichtelgebirge unterwegs ist, kann den Tag gut mit einem Bergwerk verbinden. Am Gleißinger Fels in Fichtelberg wurde 2007 eine Zeit lang selbst im alten Förderstollen Gold gewaschen; ob das heute noch angeboten wird, ist nicht belegt.
Flussgold aus Isar, Inn und Donau
Im Süden Bayerns stammt das Gold nicht aus Erzgängen, sondern aus den Flüssen. In Isar, Inn und Donau wurde früher Gold gewaschen. Das Landesamt für Umwelt erklärt die Herkunft: Das Flussgold stammt aus Sedimenten der Molasse, die vor rund 20 Millionen Jahren aus den Alpen eingetragen wurden, genauer aus dem Tauernfenster in den österreichischen Zentralalpen. Die Molasse besteht aus vergleichsweise lockeren Ablagerungen im nördlichen Alpenvorland, die beim Aufstieg der Alpen abgetragen wurden. Aus diesen Ablagerungen gelangt das Gold in Isar und Inn, und von dort weiter in die Donau.
Reich wurde damit niemand. Die Ausbeute der Flüsse war gering, und das gewaschene Gold musste an den Staat abgeliefert werden. Daraus wurden in kleiner Zahl Flussdukaten geprägt, Münzen, die heute bei Sammlern selten sind. Je nach Herkunft des Goldes spricht man von Isar-, Inn- oder Donaudukaten; ein Beispiel ist ein Dukat von 1756 aus der Regierungszeit des Kurfürsten Maximilian III. Joseph, den das Auktionshaus Künker als Flussgolddukat beschreibt.
Ist Goldwaschen in Bayern erlaubt?
Kurz: Das ist nicht eindeutig geregelt. Kein deutsches Gesetz verbietet Hobby-Goldwaschen ausdrücklich. Das Bayerische Wassergesetz erlaubt in Art. 18 jedermann die Benutzung oberirdischer Gewässer im sogenannten Gemeingebrauch, etwa zum Baden, Waschen, Schöpfen mit Handgefäßen und zum Befahren mit kleinen Booten ohne Motor. Goldwaschen nennt der Artikel nicht. Ob eine Pfanne im Bach noch Gemeingebrauch ist, ist eine Frage der Auslegung, und eine bayerische Behördenäußerung genau dazu ist nicht bekannt.
Einige Grenzen sind dagegen klar. In Naturschutzgebieten ist Goldwaschen faktisch ausgeschlossen, weil dort jede Veränderung verboten ist. Private Grundstücke darf man nur mit Erlaubnis des Eigentümers betreten. Fischereirechte und Schonzeiten gelten auch für Goldwäscher. Und Pumpen, Motoren oder Eingriffe ins Bachbett und Ufer gehen über jeden Gemeingebrauch hinaus.
Hinzu kommt das Bergrecht. Gold steht in § 3 Abs. 3 des Bundesberggesetzes in der Liste der bergfreien Bodenschätze, also der Rohstoffe, auf die sich das Eigentum am Grundstück nicht erstreckt; goldsucher.de weist darauf hin, dass das Schürfen nach Gold an Land eine Konzession braucht. Ob eine Pfanne voll Bachsand schon unter diese Regeln fällt, ist nirgends ausdrücklich geklärt. Auch hier gilt: Die Auskunft gibt die zuständige Behörde, nicht ein Ratgeber.
Wie unterschiedlich das vor Ort aussehen kann, zeigt ein Beispiel aus Oberbayern: Für die Isar im Landkreis München gibt es eigene Verordnungen, die den Umfang des Gemeingebrauchs regeln, so das Landratsamt München. Das Bayernportal der Staatsregierung hält allgemein fest, dass eine Gewässerbenutzung, die über den Gemeingebrauch hinausgeht, eine Erlaubnis oder Bewilligung braucht, und dass dafür grundsätzlich die Kreisverwaltungsbehörde zuständig ist, also Landratsamt oder kreisfreie Stadt. Ob eine Goldpfanne darunter fällt, beantwortet keine der beiden Stellen.
Der sichere Weg ist deshalb ein organisiertes Angebot wie in Goldkronach. Wer an einem Bach auf eigene Faust waschen möchte, fragt vorher beim zuständigen Landratsamt nach, bei der Unteren Wasser- und Naturschutzbehörde. Das kostet einen Anruf und erspart Ärger.
Wer nach dem Waschen sehen möchte, wie Bergbau unter Tage aussah, findet in der Übersicht der Besucherbergwerke weitere Gruben in der Region, vom Fichtelgebirge bis in den Frankenwald.

