Salzbergwerk Berchtesgaden mit Kindern: Ablauf der Führung, Geschichte und Anfahrt
Aktuelle Führungszeiten und Anmeldung beim Betreiber:
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Es beginnt mit einer Bahnfahrt. Die Grubenbahn bringt die Besucher in wenigen Minuten waagerecht in den Berg, und spätestens an der ersten Holzrutsche wird klar, warum das Salzbergwerk Berchtesgaden so viele Familien anzieht: Bergleute rutschten so seit jeher zwischen den Ebenen hinab, heute tun es Besucher in geliehenen Overalls. Das Salzbergwerk Berchtesgaden ist seit 1517 ununterbrochen in Betrieb und gilt als ältestes aktives Salzbergwerk Deutschlands. Gefördert wird dort bis heute.
Das Bergwerk liegt am nördlichen Ortsrand von Berchtesgaden im Berchtesgadener Land, rund 20 Kilometer südlich von Salzburg. Diese Seite beschreibt den Ablauf der Führung, was beim Besuch mit Kindern wichtig ist, die Geschichte und die Anfahrt. Eintrittspreise und Öffnungszeiten stehen beim Betreiber.
Führung im Salzbergwerk Berchtesgaden: der Ablauf
Vor der Einfahrt ziehen alle Besucher Schutzkleidung über, einen Overall, der über die eigene Kleidung kommt. Dann geht es mit der Grubenbahn hinein. Wie lang die Strecke ist, hängt davon ab, wen man fragt: Der Betreiber und showcaves.com nennen für die Fahrt in den Berg rund 650 Meter, eine Überschrift auf der Betreiberseite 600 Meter, und die Bahnanlage insgesamt misst nach Wikipedia und salzburg.info etwa 1.400 Meter. Für den Besuch spielt das keine Rolle, die Fahrt dauert nur wenige Minuten.
Unter Tage folgen die Stationen der sogenannten SalzZeitReise, wie der Betreiber die 2007 neu gestaltete Führung nennt. Zwei hölzerne Bergmannsrutschen verbinden die Ebenen. TRAVELBOOK und das Familienportal kribbelbunt nennen für die erste 34 Meter, die zweite misst rund 40 Meter und führt hinunter in Richtung Spiegelsee. Wer nicht rutschen möchte, nimmt die Treppe oder den Gehweg daneben. In der Salzkathedrale, einem großen ausgehöhlten Abbauraum, wird die Arbeit im Salzbergwerk erklärt.
Höhepunkt für die meisten ist der Spiegelsee. Der unterirdische See enthält Sole, also stark salzhaltiges Wasser, und ist etwa 100 Meter lang und 40 Meter breit. Er liegt nach Angaben des Betreibers und von TRAVELBOOK rund 130 Meter unter der Oberfläche. Die Überfahrt ist mit Musik und Licht inszeniert. Zurück ans Tageslicht geht es wieder mit der Bahn.
Wer das Bergwerk Berchtesgaden besichtigen möchte, sieht dabei nur einen kleinen Ausschnitt eines Grubengebäudes, in dem weiterhin Sole gewonnen wird. Das unterscheidet das Salzbergwerk Berchtesgaden von vielen Besucherbergwerken, deren Gruben längst stillliegen.
Wie lange das alles dauert, ist eine der Fragen, bei denen die Angaben auseinandergehen. Betreiber, Wikipedia und salzburg.info sprechen von rund 60 Minuten unter Tage, dazu kommt etwa eine halbe Stunde zum Umkleiden. showcaves.com und einige Reiseportale nennen 90 Minuten für den gesamten Besuch. Wer mit Anschlussterminen plant, rechnet besser mit dem längeren Wert.
Die Temperatur liegt das ganze Jahr bei rund zwölf Grad. Nach Angaben des Betreibers ist die Tour nicht barrierefrei: Treppen und enge Notausgänge machen sie für Rollstühle und Kinderwagen ungeeignet.
Salzbergwerk Berchtesgaden mit Kindern
Wer das Salzbergwerk Berchtesgaden mit Kindern besuchen möchte, findet hier eines der zugänglichsten Bergwerke in Bayern. Ein Mindestalter gibt es nicht, Kinder unter 13 Jahren fahren nur mit Erwachsenen ein. Die Kombination aus Bahn, Rutsche und Boot hält auch Kinder bei Laune, die mit Geologie wenig anfangen können.
Ein paar Dinge helfen trotzdem. Die Rutschen sind laut showcaves.com nicht für Kleinkinder gedacht; für sie gibt es den Weg über Treppen. Ein Kinderwagen bleibt draußen, eine Trage ist die bessere Lösung, wenn das Kind noch nicht weit läuft. Und zwölf Grad fühlen sich nach einer Stunde kälter an, als die Zahl verspricht: Eine Jacke unter dem Overall ist sinnvoll, auch im August.
Die erste Rutsche kommt gleich zu Beginn der Tour und ist mit 34 Metern die kürzere; wer dort merkt, dass es dem Kind zu schnell geht, nimmt bei der zweiten den Gehweg. Für das Salzbergwerk Berchtesgaden mit Kindern lohnt außerdem ein Blick auf die Uhr: Umkleiden, Führung und Rückfahrt brauchen zusammen deutlich länger als die reine Zeit unter Tage.
Wer das Bergwerk Berchtesgaden mit Kindern besichtigen will und nur einen Tag hat, kann den Besuch gut mit dem Salzheilstollen direkt am Bergwerk oder mit einer Fahrt nach Bad Reichenhall verbinden. Dazu mehr weiter unten.
Woher das Salz kommt: das Haselgebirge
Das Salz im Berchtesgadener Berg ist sehr alt. Es gehört zum alpinen Haselgebirge, das sich nach Wikipedia im Oberperm bis in die früheste Trias gebildet hat; eine geologische Studie von Leitner und Kollegen (2022) spricht ausdrücklich von der permischen Haselgebirge-Formation. Damals reichte ein Meer, die Tethys, immer wieder in flache Becken hinein. Das Wasser verdunstete, zurück blieben Salz, Ton und Anhydrit, eine Gipsform ohne Kristallwasser.
Reines Steinsalz ist das nicht. Das Haselgebirge ist ein Gemenge, in dem Salz nur einen Teil ausmacht, in Berchtesgaden nach Wikipedia und showcaves.com rund die Hälfte. Deshalb wird das Salz nicht wie Kohle oder Erz herausgebrochen, sondern herausgelöst. Im Nassabbau leitet man Süßwasser in Hohlräume im Gebirge, das Wasser löst das Salz aus Wänden und Decke, und die gesättigte Sole wird abgepumpt. Was nicht löslich ist, bleibt im Berg.
Für Besucher erklärt das, warum unter Tage ein See liegt. Der Spiegelsee ist ein mit Sole gefüllter Hohlraum im Gebirge, und sein Salzgehalt ist entsprechend hoch. Gefördert wird heute mit sogenannten Bohrspülwerken, das Prinzip ist dasselbe geblieben: Wasser hinein, Sole heraus.
Geschichte: 500 Jahre Salz aus dem Petersberg
Salz wurde im Berchtesgadener Land lange vor dem heutigen Bergwerk gewonnen. Wikipedia und showcaves.com nennen Salzstellen bei Schellenberg (1193) und am Gollenbach (1194); das Salz war die wirtschaftliche Grundlage der Fürstpropstei Berchtesgaden, eines kleinen geistlichen Staates.
Den Beginn des heutigen Salzbergwerks Berchtesgaden markiert das Jahr 1517. Fürstpropst Gregor Rainer ließ den Petersberg-Stollen anschlagen, und seitdem ruht die Arbeit im Berg nicht mehr.
Regiert wurde das kleine Land in den folgenden zwei Jahrhunderten nicht immer von Berchtesgaden aus. Von 1594 bis 1723 stand die Fürstpropstei unter der Administration der Wittelsbacher; der Fürstpropst residierte in dieser Zeit fern im Rheinland, wie Wikipedia und das Handbuch der Residenzen-Kommission der Göttinger Akademie übereinstimmend festhalten. Das Salz blieb trotzdem die Einnahmequelle, von der das Stift lebte.
Politisch bewegt wurde es um 1800. Mit der Säkularisation verlor die Fürstpropstei ihre Selbstständigkeit, wechselte zwischen 1803 und 1810 mehrfach den Besitzer und fiel schließlich an Bayern. Eine der folgenreichsten Neuerungen kam kurz danach, die Soleleitung nach Bad Reichenhall; ihr ist der nächste Abschnitt gewidmet.
1927 übertrug der Freistaat das Bergwerk an die Bayerische Berg-, Hütten- und Salzwerke AG. Seit 1995 gehört es zur Südsalz GmbH, die heute Teil der Gruppe Südwestdeutsche Salzwerke AG ist. 2017 feierte das Bergwerk sein 500-jähriges Bestehen.
Besucher gibt es fast so lange wie Bayern das Bergwerk besitzt. Ab 1816 führte man die bayerischen Könige hinein, die breite Öffentlichkeit folgte im Lauf des 19. Jahrhunderts. Wann genau, ist nicht ganz einheitlich überliefert: Das bayerische Umweltministerium schreibt „seit Mitte des 19. Jahrhunderts“, showcaves.com und TRAVELBOOK nennen 1880 als Beginn des öffentlichen Schaubergwerks. 2006 und 2007 wurden die Besucheranlagen bei laufendem Betrieb umgebaut; seit Pfingsten 2007 heißt die Führung SalzZeitReise.
Und weil es in vielen Prospekten falsch steht: Das Salzbergwerk ist kein UNESCO-Welterbe. Als UNESCO-Biosphärenregion anerkannt ist der Landkreis Berchtesgadener Land, seit 1990 als Biosphärenreservat, 2010 auf den ganzen Landkreis erweitert. Das Bergwerk liegt in dieser Region, mehr nicht.
Die Soleleitung nach Bad Reichenhall
Zwischen Berchtesgaden und Bad Reichenhall liegen Berge, und die Sole musste trotzdem hinüber. Die Lösung baute Georg Friedrich von Reichenbach: eine rund 29 bis 30 Kilometer lange Leitung, die 1817 in Betrieb ging. Wikipedia nennt 29 Kilometer, der Tourismusverband Berchtesgaden spricht von einer 30 Kilometer langen Pipeline. Sie verlief über Ramsau und die Schwarzbachwacht, so beschreiben es Wikipedia und die Gemeinde Ramsau.
Das Kernstück stand in Ilsank. Dort hob eine Wassersäulenmaschine, ein von Wasserdruck angetriebenes Pumpwerk, die Sole vom Brunnhaus hinauf zum Hochbehälter am Söldenköpfl. Die Neue Deutsche Biographie gibt die Förderhöhe mit 355 Metern an und nennt sie die größte, die bis dahin je erreicht worden war; die Berchtesgadener Tourismusseite schreibt 356 Meter. Von dort floss die Sole mit leichtem Gefälle weiter, durch Holzröhren aus durchbohrten Baumstämmen, die sogenannten Deicheln.
1927 legte man die alte Leitung über Ilsank still; Wikipedia, showcaves.com und die Berchtesgadener Tourismusseite stimmen darin überein, nur beim Tag im Februar nicht. Seitdem nimmt die Sole einen kürzeren Weg. Wikipedia gibt die heutige Strecke mit 18 Kilometern an, die Tourismusseite nennt die Route über Hallthurm. Die Gemeinde Ramsau schreibt dagegen, die historische Leitung habe bis 1961 bestanden; wie die beiden Jahreszahlen zusammenpassen, lassen die Quellen offen.
Erhalten ist vor allem die Trasse. Auf dem Soleleitungsweg kann man ihr heute zu Fuß folgen, in Berchtesgaden vom Salzbergwerk aus und in Ramsau.
Anfahrt zum Salzbergwerk Berchtesgaden
Das Bergwerk liegt am nördlichen Ortsrand von Berchtesgaden. Mit dem Auto ist die Anfahrt über Salzburg oder über Bad Reichenhall unkompliziert; am Bergwerk gibt es Parkplätze, Details dazu veröffentlicht der Betreiber.
Wer das Bergwerk Berchtesgaden besichtigen und ohne Auto anreisen möchte, fährt mit der Bahn bis zum Bahnhof Berchtesgaden. Vom Bahnhof bis zum Bergwerk sind es nur wenige Kilometer. Für die Anfahrt ohne Auto nennen salzburg.info und Lonely Planet die Buslinie 840 ab dem Bahnhof Berchtesgaden, Haltestelle „Salzbergwerk“; aktuelle Fahrzeiten stehen in der Fahrplanauskunft. Wer aus Richtung Fichtelgebirge anreist, sollte für die Strecke einen ganzen Reisetag einplanen: Berchtesgaden liegt am anderen Ende Bayerns, weit über 300 Kilometer entfernt.
Rund um das Bergwerk: Salzheilstollen, Bad Reichenhall, Königssee
Direkt am Bergwerk liegt der Salzheilstollen, ein seit 1990 genutzter Stollen, in dem Besucher die salzhaltige Luft atmen können. Er ist ein eigenes Angebot und nicht Teil der Führung.
Rund 20 Kilometer entfernt endet in Bad Reichenhall der Weg der Sole: Die Alte Saline Bad Reichenhall zeigt, wie aus Sole Salz wurde, mit Brunnhaus und Solestollen. Wer beide Orte an einem Tag besucht, versteht den Weg des Salzes vom Berg bis zum Siedehaus. Südlich von Berchtesgaden beginnen der Nationalpark Berchtesgaden und der Königssee.
Eine Frage, die viele Besucher nach der Führung stellen, lässt sich hier nicht beantworten: wie viel Salz der Berg noch hergibt. Das Bergwerk fördert weiter, Jahr für Jahr. Wie es mit anderen Bergwerken in Bayern weitergeht, zeigt die Übersicht der Besucherbergwerke.
Besucherbergwerke in der Nähe
- St. 01Alte Saline Bad ReichenhallBad Reichenhall · Berchtesgadener Land14 km
- St. 02Besucherbergwerk Graphit KropfmühlHauzenberg-Kropfmühl · Bayerischer Wald119 km
- St. 03Bergbaumuseum PeißenbergPeißenberg · Pfaffenwinkel, Oberbayern148 km
- St. 04Historisches Besucherbergwerk SilberbergBodenmais · Bayerischer Wald158 km
- St. 05Besucherbergwerk FürstenzecheLam · Bayerischer Wald174 km
- St. 06Besucherbergwerk Gleißinger FelsFichtelberg · Fichtelgebirge277 km
Häufige Fragen
Ab welchem Alter dürfen Kinder ins Salzbergwerk Berchtesgaden?
Ein Mindestalter gibt es nicht. Kinder unter 13 Jahren dürfen nur in Begleitung Erwachsener einfahren. Wer die Rutschen nicht nehmen möchte, kann laut showcaves.com und Betreiber Treppen nutzen.
Wie lange dauert die Führung im Salzbergwerk Berchtesgaden?
Unter Tage ist man laut Betreiber, Wikipedia und salzburg.info rund 60 Minuten unterwegs, dazu kommt die Zeit zum Umkleiden. Ältere Angaben und showcaves.com nennen bis zu 90 Minuten für den gesamten Besuch.
Ist das Salzbergwerk Berchtesgaden UNESCO-Welterbe?
Nein. Als UNESCO-Biosphärenregion anerkannt ist der Landkreis Berchtesgadener Land. Das Salzbergwerk liegt in dieser Region, ist aber selbst kein Welterbe.
Wie kalt ist es im Salzbergwerk Berchtesgaden?
Die Temperatur liegt das ganze Jahr bei rund 12 Grad. Die Schutzkleidung, die es vor der Einfahrt gibt, kommt über die eigene Kleidung; eine Jacke darunter schadet nicht.
Kann man das Bergwerk Berchtesgaden mit Kinderwagen oder Rollstuhl besichtigen?
Nach Angaben des Betreibers nicht: Die Tour führt über Treppen und durch enge Abschnitte. Für Familien mit Kleinkindern lohnt die Nachfrage beim Betreiber vor dem Besuch.
Quellen
- Wikipedia: Salzbergwerk Berchtesgaden
- showcaves.com: Salzbergwerk Berchtesgaden
- Tourismus Salzburg: Salzbergwerk Berchtesgaden
- Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz: Von Bergwerken, Hütten, Hämmern
- Nationalpark Berchtesgaden: Biosphärenregion Berchtesgadener Land
- Südwestdeutsche Salzwerke AG: Salzbergwerk Berchtesgaden – FAQ
- TRAVELBOOK: Durch dieses Bergwerk kann man rutschen
- kribbelbunt: Salzbergwerk Berchtesgaden
- Wikipedia: Haselgebirge
- PANGAEA (Leitner, Neubauer, Genser, Bernroider 2022): Electron microprobe analysis and Ar-Ar age dating of polyhalite from the evaporitic Permian Haselgebirge Formation
- Neue Deutsche Biographie: Reichenbach, Georg von
- Berchtesgadener Land Tourismus: Soleleitung Berchtesgaden
- Berchtesgadener Land Tourismus: Berggaststätte Söldenköpfl
- Gemeinde Ramsau: Historische Soleleitung
- Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Residenzen-Kommission: Berchtesgaden (Handbuch Höfe und Residenzen)
- Lonely Planet: Salzbergwerk

