Alte Saline Bad Reichenhall: Solequellen, Brunnhaus und Soleleitung
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Seit 1850 drehen sich im Hauptbrunnhaus der Alten Saline Bad Reichenhall zwei oberschlächtige Wasserräder, fast ohne Pause. Jedes misst rund 13 Meter im Durchmesser, und gemeinsam heben sie Sole, also stark salzhaltiges Wasser, aus den Quellen in der Tiefe. showcaves.com, wissen.de, die Salzburger Nachrichten und das bayerische Umweltministerium beschreiben die Räder übereinstimmend; nur über ihr Gewicht gehen die Angaben auseinander.
Ein Bergwerk ist die Alte Saline nicht. Hier wurde nie Salzgestein abgebaut; die Saline nutzte natürliche Solequellen und versott deren Sole in Sudhäusern zu Salz. Was Besucher unter Tage sehen, sind die Stollen und Schächte, mit denen diese Quellen gefasst wurden.
Der Rundgang: Brunnhaus, Solequellen, Salzgrotte
Die Führung beginnt in der Maschinenhalle des Hauptbrunnhauses, bei den beiden Wasserrädern. Von dort geht es hinab in das unterirdische Stollensystem, in dem die Solequellen liegen. Unterwegs kommen die Besucher an Antriebsgestängen und Umlenkhebeln vorbei, an der Karl-Theodor-Pumpe, einer historischen Pumpe für die Sole, und an der Salzgrotte. showcaves.com nennt für das Gestänge der Karl-Theodor-Pumpe eine Länge von 103 Metern. Angetrieben wird sie nicht von den großen Rädern oben im Brunnhaus, sondern von einem unterschlächtigen Wasserrad, das ein unterirdischer Süßwasserlauf bewegt; so beschreiben es showcaves.com und die Salzburger Nachrichten. Am Ende steigen sie über den Hauptbrunnschacht wieder nach oben und kommen im Salzmuseum heraus.
Das Salzmuseum ist in fünf Abteilungen gegliedert, so showcaves.com und Berchtesgadener Land Tourismus. Es erklärt die historische Bedeutung des Salzes, die alten Verfahren seiner Gewinnung und die Technik bis heute. Daneben gibt es das Bad Reichenhaller Markenmuseum über die Geschichte der bekannten Salzmarke, das sowohl der Betreiber als auch showcaves.com nennen.
Rund 400 Meter ist der Weg lang, mit etwa 270 Stufen, so der Betreiber und showcaves.com. Für die Dauer gibt es zwei Angaben. wissen.de und die Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern nennen rund 60 Minuten, showcaves.com 45 Minuten.
Unter Tage liegt die Temperatur bei rund zwölf Grad.
Barrierefrei ist die Anlage nicht. Der Weg führt über viele Treppen, und die Böden sind nass und rutschig, wie der Betreiber, showcaves.com und die Salzburger Nachrichten übereinstimmend schreiben. Schuhe mit gutem Profil sind deshalb Pflicht, eine Jacke für die zwölf Grad ebenso.
Salzgrotte und Grabenbach-Stollen
Die Salzgrotte ist kein künstlich ausgehöhlter Raum. Es handelt sich um einen natürlichen Hohlraum von rund 280 Quadratmetern Fläche und etwa fünf Metern Höhe, den Arbeiter 1795 beim Vortrieb eines Versuchsstollens entdeckten. Betreiber und showcaves.com geben diese Maße übereinstimmend an.
Älter ist ein anderer Teil der unterirdischen Anlage. Der Grabenbach-Stollen wurde gebaut, um Süßwasser aus dem Bereich der Solequellen abzuleiten. Süßwasser verdünnt die Sole, und je dünner die Sole, desto mehr Brennstoff kostete das Sieden. Die Salzburger Nachrichten datieren den Bau auf 1524 bis 1538 und bezeichnen den Stollen als ältestes Bauwerk Bad Reichenhalls; Wikipedia und Berchtesgadener Land Tourismus sprechen von einem Bau „ab 1520“. Einig sind sich die Quellen über den Zweck. Nach Wikipedia führt der Grabenbach über mehr als vier Kilometer bis Marzoll, wo er in die Saalach mündet.
Der Salzgehalt war die entscheidende Größe des ganzen Betriebs. Schwache Sole verbesserte man in Gradierwerken, in denen das Wasser über Reisigwände rieselte und dabei verdunstete; die Salzburger Nachrichten beschreiben das für Sole mit fünf bis zehn Prozent Salz, Wikipedia nennt Gradierwerke in Reichenhall seit dem 18. Jahrhundert.
Geschichte: von 696 bis zum Museum
Salz aus Reichenhall ist alt, älter als jede Urkunde. showcaves.com hält eine Nutzung der Solequellen schon in vorgeschichtlicher Zeit für wahrscheinlich, Wikipedia verweist auf Siedlungsfunde aus der Glockenbecherkultur und eine Salzgewinnung, die unter den Römern ausgebaut wurde. Wie weit die Salzsiederei vor die Römerzeit zurückreicht, bleibt offen.
696 werden die Reichenhaller Sudpfannen zum ersten Mal urkundlich erwähnt, und zwar in einer Schenkung: Herzog Theodo übertrug sie an Bischof Rupert von Salzburg. Betreiber und showcaves.com nennen dieses Datum gleichlautend.
Die heutigen Gebäude sind dagegen jung. 1834 zerstörte ein großer Stadtbrand den größten Teil der Saline und der Stadt. Die Salzburger Nachrichten sprechen von rund drei Vierteln Bad Reichenhalls, Wikipedia von 278 der 302 Häuser. König Ludwig I. ließ die Saline neu errichten, und das Ergebnis muss Eindruck gemacht haben: 1846 erhielt die neue Anlage den Titel „schönste Saline der Welt“. 1850 war die Maschinenhalle mit den Wasserrädern fertig, showcaves.com nennt dafür den 6. Juni 1850. Seither heben die Räder die Sole fast ohne Pause.
Wer die Pläne zeichnete, wird unterschiedlich dargestellt. Einig sind sich showcaves.com und Wikipedia, dass Joseph Daniel Ohlmüller die Brunnhauskapelle entwarf, die im Zentrum der Anlage steht, und dass Friedrich von Gärtner beteiligt war; Wikipedia ordnet ihm das Verwaltungsgebäude zu. Wikipedia nennt außerdem Friedrich von Schenk, den Leiter der Salinenverwaltung, für die technische Einrichtung des Hauptbrunnhauses. Auch beim Stil der Kapelle gehen die Beschreibungen auseinander: showcaves.com nennt sie neobyzantinisch, Berchtesgadener Land Tourismus neoromanisch.
Im 20. Jahrhundert endete die Salzproduktion in der Alten Saline. 1926 entstand auf dem ehemaligen Triftgelände außerhalb der Stadt eine neue Saline, und die Produktion zog dorthin um. Wann genau, ist strittig: Die Broschüre „Von Bergwerken, Hütten, Hämmern“ des bayerischen Umweltministeriums nennt 1927, showcaves.com und Berchtesgadener Land Tourismus nennen 1929, und Wikipedia gibt an einer Stelle September 1926, an einer anderen 1929 an. Die Alte Saline wurde Museum.
Ganz still stehen die Räder trotzdem nicht. Sie heben weiterhin Sole aus der Tiefe, die nach showcaves.com und Berchtesgadener Land Tourismus heute nur noch für Kur- und Gesundheitszwecke genutzt wird.
Diese zweite Nutzung ist älter als die Neue Saline. Am 16. Mai 1846 eröffnete Ernst Rinck im Haus seines verstorbenen Schwiegervaters, des Salinenrats Kaspar von Rainer, die „Sole- und Molkenkuranstalt Achselmannstein“. Der Staat beteiligte sich anfangs nur, indem er Sole günstig abgab und Kurgäste in den Gradier- und Sudhäusern kostenlos inhalieren ließ; so beschreibt es das Findbuch zum Bestand der Kurverwaltung im Archivportal-D, und Wikipedia nennt 1846 ebenfalls als Beginn des Kurbetriebs. 1890 erhielt Reichenhall den Namenszusatz „Bad“, zum 1. Januar 1899 wurde es königlich bayerisches Staatsbad. Aus der Salzstadt wurde ein Kurort, und die Saline lieferte dafür den Rohstoff.
In der Neuen Saline wird bis heute gesotten. Dort entsteht das Bad Reichenhaller Markensalz, wie Wikipedia und die Salzburger Nachrichten übereinstimmend schreiben; Betreiber ist die Südwestdeutsche Salzwerke AG. Die Geschichte dieser Marke erzählt das Markenmuseum am Ende des Rundgangs.
Die Alte Saline selbst steht heute als bedeutendes Industriedenkmal unter Denkmalschutz. Auch sie gehört der Südwestdeutsche Salzwerke AG, zu deren Gruppe außerdem das Salzbergwerk in Berchtesgaden zählt.
Die Soleleitung aus Berchtesgaden
Bad Reichenhall hatte eigene Solequellen, doch Sole kam auch von außerhalb. 1816 erhielt Georg von Reichenbach den Auftrag, eine Leitung von Berchtesgaden nach Bad Reichenhall zu bauen, 1817 ging sie in Betrieb. showcaves.com, die Broschüre des Umweltministeriums und Wikipedia beschreiben diese Soleleitung übereinstimmend.
Leicht war das nicht. Der kürzeste Weg über den Pass am Hallthurm lag damals auf Salzburger, also österreichischem Gebiet, und schied deshalb aus. Die Leitung nahm stattdessen den Umweg über die Ramsau und die Schwarzbachwacht und wurde so rund 29 Kilometer lang; die Wikipedia-Artikel zum Salzbergwerk und zu Reichenbach sowie das Austria-Forum nennen dieselbe Länge, Berchtesgadener Land Tourismus rundet auf 30 Kilometer. An zwei Stellen musste die Sole bergauf: an der Pfisterleite um etwa 90 Meter und bei Ilsank um rund 355 Meter. Dafür setzte Reichenbach eigene Solehebemaschinen ein, im Kern Wassersäulenmaschinen: Sie nutzen den Druck einer fallenden Wassersäule, um die Sole mit Kolbenpumpen nach oben zu drücken. In flachen Abschnitten lagen zum Teil Deicheln, also aufgebohrte Holzstämme; eine Schaustelle mit solchen Holzröhren gibt es heute am Soleleitungsweg bei Berchtesgaden.
Wie lange die Leitung von 1817 lief, hängt davon ab, was man zählt. Wikipedia nennt für die Soleleitung die Jahre 1817 bis 1927. Das Austria-Forum präzisiert: 1927 ersetzte eine neue Steigleitung von Ilsank zur Schwarzbachwacht den alten Pumpabschnitt, die übrige Trasse blieb in Betrieb, bis eine neue Leitung über den Hallthurm fertig war. Über den Hallthurm, also auf der Route, die 1816 verwehrt war, fließt die Sole auch heute.
Damit verband sich das Salzbergwerk Berchtesgaden mit der Saline in Bad Reichenhall, rund 18 bis 20 Kilometer entfernt. Ein Teil der Sole, die in Bad Reichenhall zu Salz gesotten wurde, stammte damit aus dem Berchtesgadener Bergwerk. Wer beide Orte besucht, sieht die zwei Enden derselben Kette: den Berg, aus dem die Sole kam, und die Saline, in der sie ankam.
Ohne die Sole aus Berchtesgaden ist die Geschichte der Saline nach 1817 nicht zu verstehen. Wie Salzbergwerk und Saline sich unterscheiden und wo man in Deutschland sonst noch Salz unter Tage sieht, steht auf der Seite über Salzbergwerke in Deutschland.
Die ältere Leitung: Sole nach Traunstein
Reichenhall schickte selbst schon zwei Jahrhunderte früher Sole fort, nur in die andere Richtung. 1613 fand man in der Stadt eine neue, ergiebige Solequelle, doch das Holz zum Befeuern der Sudpfannen reichte schon für die vorhandene Sole kaum. Die Lösung war, die Sole zum Holz zu bringen. Hofbaumeister Hanns Reiffenstuel baute mit seinem Sohn Simon von 1617 bis 1619 eine Leitung nach Traunstein, wo die Sole versotten wurde. Dafür musste sie bergauf. Kolbenpumpen in sieben Hebewerken, angetrieben von Wasserrädern, drückten sie über die Höhen; die Deutsche Biographie schreibt diese Pumpen Simon Reiffenstuel zu, das Austria-Forum beschreibt dieselbe Technik.
Georg von Reichenbach, derselbe Ingenieur, der später die Leitung aus Berchtesgaden baute, verlängerte diese Strecke ab 1808 bis Rosenheim und modernisierte die Trasse nach Traunstein; Wikipedia gibt für den Ausbau die Jahre 1808 bis 1810 an. Stillgelegt wurde die Leitung 1958, nach dem Austria-Forum am 1. Juli; Wikipedia nennt dasselbe Jahr.
Besuch planen
Die Alte Saline liegt in Bad Reichenhall im Landkreis Berchtesgadener Land. Zufahrt, Parken und Öffnungszeiten veröffentlicht der Betreiber. Ohne Auto geht es mit der Bahn: Bad Reichenhall liegt an der Strecke, die in Freilassing abzweigt und nach Berchtesgaden weiterführt, und wird von der S-Bahn Salzburg bedient, wie Wikipedia und Wikivoyage angeben. Da der Rundgang durch nasse Stollen und über viele Stufen führt, gehören feste Schuhe ins Gepäck. Für das Salzmuseum am Ende des Rundgangs lohnt etwas Zeit nach der Führung.
In der Stadt selbst zeigt sich das Salz noch an anderer Stelle. Im Kurgarten steht ein Gradierwerk von rund 160 Metern Länge, das als Freiluftinhalatorium dient; Wikipedia datiert es auf 1910, Berchtesgadener Land Tourismus auf 1912. Und über Bad Reichenhall führt seit 1928 die Predigtstuhlbahn auf den Hausberg der Stadt, eine Großkabinen-Seilbahn, die Wikipedia und die IHK München zu den ältesten ihrer Art zählen.
Ein Tag im Berchtesgadener Land lässt sich gut mit dem Salzbergwerk Berchtesgaden kombinieren. Weitere Bergwerke in Oberbayern, darunter das Bergbaumuseum Peißenberg mit seinem Tiefstollen von 1869, stehen in der Übersicht der Besucherbergwerke.
Besucherbergwerke in der Nähe
- St. 01Salzbergwerk BerchtesgadenBerchtesgaden · Berchtesgadener Land14 km
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Häufige Fragen
Ist die Alte Saline Bad Reichenhall ein Bergwerk?
Nein. Die Alte Saline ist eine historische Saline: Hier wurde Sole aus natürlichen Quellen gefasst und zu Salz versotten, Salzgestein wurde nie abgebaut. Unter Tage besichtigt man die Stollen, in denen die Solequellen liegen.
Wie lange dauert die Führung in der Alten Saline?
wissen.de und die Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen nennen rund 60 Minuten, showcaves.com spricht von 45 Minuten. Der Weg ist etwa 400 Meter lang und hat rund 270 Stufen.
Ist die Alte Saline Bad Reichenhall barrierefrei?
Nein. Die Führung hat rund 270 Stufen, und die Böden unter Tage sind nass und rutschig. Unter Tage herrschen rund 12 °C.
Wird in der Alten Saline noch Salz hergestellt?
Nein. Die Salzproduktion zog im 20. Jahrhundert in die Neue Saline außerhalb der Stadt um, das Jahr wird mit 1926, 1927 oder 1929 angegeben. Die Wasserräder heben aber weiterhin Sole, die heute nur noch für Kur- und Gesundheitszwecke genutzt wird.
Was hat die Alte Saline mit dem Salzbergwerk Berchtesgaden zu tun?
Ab 1817 floss Sole aus Berchtesgaden durch die von Georg von Reichenbach gebaute Soleleitung nach Bad Reichenhall. Beide Anlagen gehören heute zur Südwestdeutsche Salzwerke AG.
Wie lang war die Soleleitung von Berchtesgaden nach Bad Reichenhall?
Rund 29 Kilometer. Weil der Pass am Hallthurm 1816 auf Salzburger Gebiet lag, führte die Leitung über die Ramsau und die Schwarzbachwacht. Bei Ilsank hoben Wassersäulenmaschinen von Georg von Reichenbach die Sole rund 355 Meter bergauf. Die heutige Leitung verläuft über den Hallthurm.
Quellen
- showcaves.com: Alte Saline
- Salzburger Nachrichten: Salzgeschichte erleben: Ein Besuch in der Alten Saline Bad Reichenhall
- wissen.de: Berchtesgadener Land – auf den Spuren des weißen Goldes
- Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern: Alte Saline mit Salzmuseum Bad Reichenhall
- Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz: Von Bergwerken, Hütten, Hämmern (2008)
- Wikipedia: Salzbergwerk Berchtesgaden (Abschnitt Soleleitung)
- Südwestdeutsche Salzwerke AG: Alte Saline Bad Reichenhall
- Wikipedia: Bad Reichenhall
- Berchtesgadener Land Tourismus: Alte Saline Bad Reichenhall
- IHK für München und Oberbayern: Predigtstuhlbahn: Zeitreise ins Jahr 1928
- Berchtesgadener Land Tourismus: AlpenSole Gradierhaus Bad Reichenhall
- Wikipedia: Georg von Reichenbach
- Austria-Forum: Soleleitung
- Berchtesgadener Land Tourismus: Soleleitung Berchtesgaden
- Deutsche Biographie: Reiffenstuel, Hans
- Deutsche Biographie: Reiffenstuel, Simon
- Archivportal-D: Kurverwaltung Bad Reichenhall (Bestand)
- Wikivoyage: Bad Reichenhall

