Schaubergwerk Herkules-Frisch-Glück Waschleithe: Besuch und Geschichte
Aktuelle Führungszeiten und Anmeldung beim Betreiber:
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Rund 250 Stufen führen im Schaubergwerk Herkules-Frisch-Glück nach unten, bis etwa 80 Meter unter Tage. Wer die alten Grubenbaue am Fürstenberg sehen will, steigt also selbst hinab.
Das Bergwerk liegt am Fürstenberg in Waschleithe, einem Ortsteil von Grünhain-Beierfeld im Erzgebirgskreis, wo Bergbau seit 1491 urkundlich belegt ist, und es wird heute von der Stadt Grünhain-Beierfeld betrieben. 1926 öffnete es zum ersten Mal für Besucher, als Lehr- und Schaubergwerk. Im Mai 2026 hat es sein hundertjähriges Bestehen gefeiert.
250 Stufen, 80 Meter: der Besuch im Schaubergwerk
Unter Tage geht es nur mit Führung. Kinder dürfen ab vier Jahren mit, und das ist eine nachvollziehbare Grenze: 250 Stufen sind für kleine Beine eine echte Strecke. Eine Trage für Kleinkinder ist auf diesem Weg die praktischere Wahl als jede Form von Wagen.
Barrierefrei ist das Bergwerk nicht. Rollstuhl, Rollator und Kinderwagen bleiben oben, das ergibt sich schon aus den Stufen. Wer unsicher ist, ob die Strecke zu bewältigen ist, fragt vor dem Besuch bei der Stadt nach.
Wie lange die Führung dauert und an welchen Tagen sie stattfindet, veröffentlicht der Betreiber. Unter Tage gilt Helmpflicht; jeder Besucher bekommt zu Beginn einen Helm, so die Stadt Grünhain-Beierfeld und die sächsische Tourismusgesellschaft auf visitsaxony.com. Wie kalt es im Bergwerk ist, geben die vorliegenden Quellen nicht an. Eine Jacke und feste Schuhe sind auf 250 feuchten Stufen trotzdem die vernünftige Wahl. Bei den Führungen für Kinder schlagen die jungen Besucher mit Schlägel und Eisen ihr eigenes Stück Marmor aus dem Gestein. Schlägel und Eisen sind das klassische Werkzeugpaar der Bergleute, Hammer und spitzes Bergeisen, und zugleich das Zeichen des Bergbaus; mehr dazu erklärt die Seite zur Bergmannssprache.
Über Tage, neben dem Huthaus, liegt die „Bergmännische Erlebniswelt“. Sie zeigt den Weg des Erzes vom Berg bis zum Metall: ein Pochwerk, in dem Erz zerkleinert wurde, eine Erzwäsche, einen funktionierenden Rennofen zum Schmelzen und eine Bergschmiede, in der die Werkzeuge der Bergleute gehärtet und geschärft wurden. Wer mit Kindern kommt, findet hier den Teil des Besuchs, bei dem angefasst und ausprobiert werden darf.
Das Huthaus, neben dem die Erlebniswelt liegt, war im Bergbau das Verwaltungsgebäude einer Grube, mit Werkzeug- und Erzlager und der Wohnung des Hutmanns. Wer den Besuch planen möchte, findet Termine, Anmeldung und die Besucherhinweise auf den Seiten der Stadt Grünhain-Beierfeld, die das Bergwerk betreibt. Dort steht auch, wer aus gesundheitlichen Gründen besser vorher nachfragt.
Silber, Kupfer, Marmor: die Erze am Fürstenberg
Am Fürstenberg wurden polymetallische Erze abgebaut, also Gänge, in denen mehrere Metalle zusammen auftreten. Die Quellen nennen Silber, Kupfer, Blei in Form von Bleiglanz, Eisen und Zinkblende. Dazu kommt ein Gestein, das man in einem Erzbergwerk nicht unbedingt erwartet: Marmor.
Unter Tage sind vor allem die Spuren des Marmorabbaus zu sehen: der Kleine und der Große Marmorsaal sowie ein unterirdischer See. Dass in einer Grube Erzgänge und Marmor zusammentreffen, ist eine geologische Besonderheit des Fürstenbergs. Im Bergwerk ist außerdem Scheelit aufgeschlossen, ein Wolframmineral. Unter kurzwelligem UV-Licht leuchtet es kräftig blau.
Auffällig ist, was in dieser Liste fehlt. Zinn, nach dem die beiden Nachbarn Zinngrube Ehrenfriedersdorf und Zinnkammern Pöhla benannt sind, wird für den Fürstenberg nicht genannt. Wer an einem Wochenende zwei oder drei dieser Gruben besucht, sieht also tatsächlich verschiedene Lagerstätten und nicht dreimal dasselbe Erz.
Der Scheelit liegt in einem alten Marmorabbau in rund 80 Metern Tiefe, beschreiben Betreiber und showcaves.com übereinstimmend. Im Schein der UV-Lampe wird damit sichtbar, was bei normalem Licht kaum auffällt: Im weißen Marmor stecken Minerale eines ganz anderen Metalls als jener Erze, wegen derer die Grube einst aufgefahren wurde. Gerade für Kinder ist das oft der Moment, an den sie sich nach der Führung am besten erinnern.
Silber verbindet den Fürstenberg trotzdem mit dem großen Bergbau des Erzgebirges. Im selben Jahr 1491, aus dem der erste Beleg für den Bergbau in Waschleithe stammt, wurde am Schreckenberg bei Annaberg reiches Silbererz gefunden. Der Fund löste das zweite, das große Berggeschrey aus, nachdem schon 1470 Silber bei Schneeberg entdeckt worden war. 1496 wurde am Schreckenberg eine neue Stadt gegründet, das heutige Annaberg-Buchholz. An eine Bergstadt dieses Formats reichte Waschleithe nie heran, die Gruben am Fürstenberg blieben vergleichsweise klein. Wie sich die großen Silberreviere Deutschlands unterscheiden und wo man heute noch einfahren kann, zeigt die Übersicht der Silberbergwerke.
Geschichte: von 1491 bis zum Jubiläum 2026
1491 ist Bergbau am Fürstenberg zum ersten Mal urkundlich belegt. Die Fundgrube „Frisch Glück“, auf die das heutige Schaubergwerk zurückgeht, taucht 1688 in den Akten des Annaberger Bergamts auf, damals als Grube auf Silber und Schwefelkies. 1705 wurde die Grube aufgefahren und der Abbau auf Silber, Kupfer, Blei und andere Erze begann; daran erinnert eine Tafel am Schachteingang. Gearbeitet wurde danach mit mehreren Unterbrechungen. 1830 half der sächsische Staat mit Geld, um den Betrieb wieder in Gang zu bringen, und 1855 entstand eine neue Gewerkschaft, also eine Gesellschaft der Anteilseigner einer Grube; in diesem Zusammenhang werden „Herkules“ und „Frisch Glück“ nach Angaben der Stadt erstmals gemeinsam genannt.
1906 wurden die Gruben „Herkules“ und „Frisch Glück“ vereinigt, daher der Doppelname. In den folgenden zehn Jahren ging es vor allem um Marmor, der bis 1916 in großem Umfang abgebaut wurde. Die Marmorsäle, durch die heute die Führung geht, sind alte Marmorabbaue. Mit dem Ende des Marmorabbaus 1916 war auch der Bergbau am Fürstenberg vorbei, und 1921 wurde die Grube aus den Akten des Bergamts gestrichen.
1926 öffnete das Bergwerk als Lehr- und Schaubergwerk, eingerichtet vom Verkehrsverein Erzgebirge. Es bezeichnet sich selbst als ältestes Schaubergwerk Sachsens, und die Freie Presse hat diese Bezeichnung zum Jubiläum übernommen. Ob es im strengen Sinn das älteste ist, lässt sich aus den vorliegenden Quellen nicht unabhängig prüfen; sicher ist, dass es seit 1926 Besucher empfängt.
Durchgehend geöffnet war es seitdem allerdings nicht. 1939 wurde der Besucherbetrieb wegen des Krieges eingestellt. Von 1947 bis 1951 untersuchte die Wismut die Grube auf Uranerz, ohne Ergebnis. Erst in den Jahren 1964 bis 1966 richteten Berglehrlinge der Berufsschule der SDAG Wismut in Schlema die Grube wieder her, und 1966 begannen erneut Führungen.
Vom 8. bis 10. Mai 2026 feierte das Schaubergwerk sein hundertjähriges Bestehen.
Zum UNESCO-Welterbe Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří, zu dem unter anderem Ehrenfriedersdorf und der Markus-Röhling-Stolln bei Annaberg-Buchholz gehören, zählt Herkules-Frisch-Glück nicht. In der Liste der Bestandteile ist es nicht aufgeführt.
Waschleithe und die Bergwerke ringsum
Waschleithe liegt im Erzgebirgskreis, und im Umkreis von 15 Kilometern liegen mehrere weitere Besucherbergwerke. Vom Gleißinger Fels im Fichtelgebirge sind es gut 90 Kilometer Luftlinie nach Nordosten.
Am nächsten liegen die Zinnkammern Pöhla, gut sechs Kilometer Luftlinie südlich. Dort fährt man mit der Grubenbahn drei Kilometer in den Berg, ein starker Kontrast zum Abstieg über Stufen in Waschleithe. Rund 13 Kilometer sind es zum Markus-Röhling-Stolln bei Annaberg-Buchholz, knapp 15 zur Zinngrube Ehrenfriedersdorf.
Waschleithe selbst hat neben dem Bergwerk ein zweites, viel älteres Kapitel. Am Fürstenbrunnen bei Waschleithe endete 1455 die Flucht des Ritters Kunz von Kaufungen, der beim sogenannten Altenburger Prinzenraub die sächsischen Prinzen entführt hatte: Ein Köhler überwältigte ihn hier. Ein Denkmal und die Köhlerhütte Fürstenbrunn erinnern daran. Ebenfalls im Ort liegt der Natur- und Wildpark Waschleithe.
Wer die Region systematisch erkunden will, findet alle Gruben in der Übersicht der Besucherbergwerke.
Mettenschicht, Hüttentag und Feiern unter Tage
Im Advent wird das Schaubergwerk zum Schauplatz eines alten Bergmannsbrauchs. Betreiber und showcaves.com beschreiben die Mettenschichten, die hier jedes Jahr stattfinden. Ursprünglich war die Mettenschicht die letzte Schicht vor Weihnachten: Die Arbeit endete früher, danach folgten eine kleine Feier und ein gemeinsames Essen. Heute ist daraus eine Veranstaltung für Besucher geworden, mit Musik und bergmännischem Brauchtum unter Tage. Termine und Karten gibt es beim Betreiber, und wer im Advent kommen will, kümmert sich am besten früh darum. Wie der Brauch entstanden ist und in welchen anderen Bergwerken des Erzgebirges gefeiert wird, beschreibt die Seite zu Mettenschicht und Bergparade.
Auch außerhalb der Adventszeit gibt es mehr als die normale Führung. Einmal im Monat findet der „Fürstenberger Hüttentag“ statt, so die Stadt und visitsaxony.com. An den Stationen der Bergmännischen Erlebniswelt wird dann gezeigt, wie aus Gestein Metall wird: vom Zerkleinern im Pochwerk über die Erzwäsche bis zum Schmelzen. Am Ende können Besucher eine eigene Münze prägen, den „Fürstenberger“. Die Termine stehen im Veranstaltungskalender der Stadt.
Wer es feierlich mag, kann im Bergwerk sogar heiraten. Trauungen unter Tage bieten Stadt und Standesamt an, und showcaves.com führt sie ebenfalls unter den Angeboten des Schaubergwerks auf. Mit einem gewöhnlichen Ausflugsziel hat das wenig zu tun: Das Bergwerk ist in Waschleithe ein Ort, an dem der Ort selbst feiert, im Advent wie im Rest des Jahres.
Anfahrt nach Waschleithe und Ausflüge im Oswaldbachtal
Waschleithe liegt im Tal des Oswaldbachs, nach der deutschsprachigen Wikipedia rund fünf Kilometer nordöstlich von Schwarzenberg. Mit dem Auto führt der Weg in der Regel über die B101 und Schwarzenberg, wie showcaves.com beschreibt; die Bundesstraße verbindet Aue und Schwarzenberg mit Annaberg-Buchholz und Freiberg. Wie Busse in den Ort fahren, erfährt man beim regionalen Verkehrsverbund, Termine und Anmeldung für die Führung beim Betreiber.
Für einen ganzen Tag reicht der Ort gut aus. Neben dem Natur- und Wildpark gibt es die „Heimatecke“, eine Ausstellung mit Miniaturmodellen bedeutender Bauwerke des Erzgebirges; sie beschreiben die deutschsprachige Wikipedia und visitsaxony.com. Die Tourismusgesellschaft schlägt außerdem eine Rundwanderung vor, die an der Köhlerhütte Fürstenbrunn beginnt und Schaubergwerk, Bergmännische Erlebniswelt und Wildpark verbindet.
Etwas abseits steht die Ruine der Dudelskirche, einer Kirche St. Oswald. Nach der deutschsprachigen Wikipedia wurde sie wahrscheinlich nie vollendet und verfällt seit der Auflösung des Klosters Grünhain. Wer nach dem Bergwerk noch eine zweite Grube sehen will, fährt ins nahe Pöhla: Dort geht es nicht über Stufen, sondern mit der Grubenbahn drei Kilometer in den Berg.
Waschleithe und das Welterbe Montanregion Erzgebirge
Seit dem 6. Juli 2019 ist die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří UNESCO-Welterbe. Sie besteht aus 22 Bestandteilen, 17 auf sächsischer und 5 auf tschechischer Seite; das führen der Welterbe-Verein und die deutschsprachige Wikipedia übereinstimmend auf. Für das Gebiet um Schwarzenberg nennt die Liste etwa die Bergbaulandschaft Eibenstock, für den Uranbergbau eine eigene Bergbaulandschaft mit dem Schacht 371.
Das Schaubergwerk am Fürstenberg steht nicht auf dieser Liste. Für Besucher ist das kein Nachteil: Es liegt mitten in der Region, deren Bergbau das Welterbe würdigt, und die Bestandteile bei Annaberg und Ehrenfriedersdorf liegen nur 13 bis 15 Kilometer Luftlinie entfernt. Wer an einem Wochenende Altbergbau, Marmorsäle und Welterbe verbinden will, beginnt in Waschleithe und fährt weiter zum Markus-Röhling-Stolln und zur Zinngrube am Sauberg.
Besucherbergwerke in der Nähe
- St. 01Besucherbergwerk Zinnkammern PöhlaPöhla (Schwarzenberg/Erzgeb.) · Erzgebirge7 km
- St. 02Besucherbergwerk Markus-Röhling-StollnFrohnau (Annaberg-Buchholz) · Erzgebirge13 km
- St. 03Zinngrube EhrenfriedersdorfEhrenfriedersdorf · Erzgebirge15 km
- St. 04Besucherbergwerk Friedrich-Wilhelm-StollenLichtenberg · Frankenwald83 km
- St. 05Bergwerk WerraWeißenstadt · Fichtelgebirge84 km
- St. 06Besucherbergwerk Gleißinger FelsFichtelberg · Fichtelgebirge93 km
Häufige Fragen
Wie tief geht es im Schaubergwerk Herkules-Frisch-Glück hinunter?
Rund 80 Meter unter Tage. Der Weg dorthin führt über etwa 250 Stufen.
Ab welchem Alter dürfen Kinder mit?
Kinder können ab 4 Jahren an der Führung teilnehmen.
Ist das Schaubergwerk Herkules-Frisch-Glück barrierefrei?
Nein. Wegen der rund 250 Stufen ist es für Rollstühle, Rollatoren und Kinderwagen nicht geeignet.
Was ist unter Tage zu sehen?
Alte Grubenbaue des Erz- und Marmorbergbaus, darunter große Marmorsäle und unterirdische Seen. Im Marmor steckt außerdem Scheelit, ein Wolframmineral, das unter UV-Licht leuchtet.
Gehört das Schaubergwerk zum UNESCO-Welterbe?
Nein. In der Liste der Bestandteile des Welterbes Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří ist es nicht aufgeführt.
Gibt es im Schaubergwerk Herkules-Frisch-Glück Mettenschichten?
Ja. In der Adventszeit finden im Schaubergwerk Mettenschichten statt, eine Feier nach dem Vorbild der letzten Schicht vor Weihnachten. Termine und Karten gibt es beim Betreiber, der Stadt Grünhain-Beierfeld.
Quellen
- Stadt Grünhain-Beierfeld: Schaubergwerk „Herkules-Frisch-Glück“
- showcaves.com: Schaubergwerk „Herkules-Frisch-Glück“ Waschleithe
- Freie Presse: Sachsens ältestes Schaubergwerk im Erzgebirge feiert 100-jähriges Bestehen
- Sächsisches Oberbergamt: Besucherbergwerke und -höhlen (Stand 17.10.2019)
- Stadt Grünhain-Beierfeld: Schaubergwerk – Bergwerk (Geschichte)
- Freie Presse: Sachsens ältestes Schaubergwerk in Waschleithe wird 100 und plant großes Festwochenende
- Wikipedia (de): Waschleithe
- Tourismusverband Erzgebirge (erlebnisland-erzgebirge.de): Schaubergwerk „Herkules-Frisch-Glück“
- TU Chemnitz: Adventskalender 1998: Waschleithe und der Prinzenraub
- Stadt Grünhain-Beierfeld: Schaubergwerk – Sonderveranstaltungen
- Stadt Grünhain-Beierfeld: Schaubergwerk – Kinderbergwerk
- Stadt Grünhain-Beierfeld: Schaubergwerk – Besucherinformationen
- Stadt Grünhain-Beierfeld: Schaubergwerk – Besondere Angebote
- Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen (visitsaxony.com): On a discovery tour in Waschleithe
- Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen (visitsaxony.com): The path of the Waschleithe ore
- Wikipedia (de): Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří
- Welterbe Montanregion Erzgebirge e.V.: World Heritage – component parts
- Wikipedia (en): Berggeschrey
- Wikipedia (de): Frohnau (Annaberg-Buchholz)
- Wikivoyage (de): Annaberg-Buchholz

