Am frühen Morgen des 24. Dezember ziehen in Ehrenfriedersdorf Bergleute in Habit den Sauberg hinauf, zur Mettenschicht ihrer Berggrabebrüderschaft. Der Tourismusverband Erzgebirge führt diesen Bergaufzug auch für 2026, und schon der Adventskalender der TU Chemnitz beschrieb ihn im Jahr 2000. Mehr Erzgebirge geht kaum: Heiligabend beginnt dort für die Bergleute früher als für alle anderen.
Zwei Bräuche tragen die Bergmannsweihnacht im Erzgebirge. Die Mettenschicht war die letzte Schicht vor Weihnachten und ist heute ein Abend unter Tage in Besucherbergwerken. Die Bergparade ist der öffentliche Teil: Hunderte Männer, Frauen und Kinder in historischer Uniform, begleitet von Bergkapellen, ziehen an den Adventswochenenden durch die Bergstädte. Diese Seite erklärt beides, nennt die Bergwerke, in denen heute Mettenschichten stattfinden, und listet die bestätigten Termine der Bergparaden im Advent 2026.
Was eine Mettenschicht war
Die Mettenschicht ist die letzte verfahrene Schicht vor Weihnachten. Ihr Name verweist auf die Christmette, die der Schicht folgte. Wikipedia beschreibt den Ablauf so: Der Steiger, also der Aufseher unter Tage, beendete die Schicht vorzeitig mit einem Klopfzeichen; die Bergleute wurden „herausgeklopft“, wie auch evangelisch.de schreibt. Danach hielt der Steiger im festlich geschmückten Huthaus eine Art Predigt. Auch nach der Darstellung der Zinngrube Ehrenfriedersdorf nahm er bei dieser Bergmette die Stelle des Predigers ein. Die Bergleute sangen Bergmannslieder, darunter das Steigerlied, und dankten für den Bergsegen, den Ertrag der Grube.
Zum Schluss wurde gegessen. Wikipedia und showcaves.com nennen dasselbe einfache Mahl: Bratwurst mit Kartoffelbrei und Sauerkraut, dazu Schnaps und eine Zigarre.
Wie alt der Brauch ist, lässt sich ungefähr sagen. Die englischsprachige Wikipedia nennt als erste Erwähnung die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts, und die Zinngrube Ehrenfriedersdorf schreibt, die erzgebirgischen Bergleute hätten der letzten Schicht vor dem Fest im Verlauf des 17. Jahrhunderts die Bergmette hinzugefügt und so die Mettenschicht geschaffen. Früher endete die Arbeit unter Tage nach evangelisch.de am Morgen des Heiligabends, der Verein des Markus-Röhling-Stollns spricht ebenso von der letzten Schicht vor dem Heiligen Abend.
Der andere große Bergmannstag im Advent ist der Barbaratag am 4. Dezember, der Gedenktag der Schutzpatronin der Bergleute. Er wird in anderen Revieren stärker gefeiert; im Erzgebirge prägt die Mettenschicht den Advent.
Die Mettenschicht im Bergwerk heute: vier Adressen im Erzgebirge
Vom Erzgebirge aus haben viele Besucherbergwerke die Mettenschicht übernommen, als weihnachtliche Feier mit bergmännischem Brauchtum. Wikipedia beschreibt eine große Bandbreite: von historisch orientierten Jahresabschlussfeiern im Bergwerk über buchbare Firmenveranstaltungen bis zu Bergbaufolklore für Reisebusgruppen in Stadthallen. showcaves.com formuliert es nüchterner: Die Tradition werde in den Wochen vor Weihnachten für Besucher wiederbelebt. Eine Mettenschicht im Bergwerk ist heute also eine Veranstaltung, keine Arbeitsschicht mehr. Die Plätze werden vorab gebucht, in Pöhla und Waschleithe über einen eigenen Vorverkauf.
Vier Besucherbergwerke im Erzgebirge, die auf dieser Seite ein eigenes Porträt haben, bieten Mettenschichten an:
- Markus-Röhling-Stolln, Annaberg-Buchholz-Frohnau. Gefeiert wird in einer ehemaligen Maschinenkammer unter Tage. Schon 2007 nannte der Adventskalender der TU Chemnitz die Mettenschichten in der Weihnachtszeit besonders beliebt. Termine und Buchung beim Verein.
- Zinngrube Ehrenfriedersdorf. Das Besucherbergwerk im Sauberg richtet Mettenschichten unter Tage aus; die TU Chemnitz beschrieb sie schon im Jahr 2000 als festen Teil der Adventszeit. Termine spricht man direkt mit dem Museum ab.
- Zinnkammern Pöhla, Schwarzenberg-Pöhla. In den großen Abbaukammern finden im Advent Mettenschichten und Konzerte statt, und an diesen Tagen gibt es keine regulären Führungen, so showcaves.com. evangelisch.de zeigte die Mettenschicht in Pöhla 2025 als Bild für den ganzen Brauch: „archaisch und authentisch“, mit Bergleuten unter Tage.
- Herkules-Frisch-Glück, Waschleithe. Im Schaubergwerk mit seinen Marmorsälen gehören Mettenschichten zum Programm, wie der Betreiber und showcaves.com beschreiben. Der Betreiber rät, sich früh um Karten zu kümmern.
Preise, Uhrzeiten und Termine ändern sich jedes Jahr und stehen deshalb nicht hier, sondern bei den Betreibern.
Außerhalb Sachsens hat der Brauch ebenfalls Fuß gefasst. Wikipedia bildet eine Mettenschicht im Besucherbergwerk Fell an der Mosel ab. Wer Bergwerke in der eigenen Region sucht, findet sie in der Übersicht der Besucherbergwerke oder über die Suche nach einem Bergwerk in der Nähe.
Bergparaden: Habit, Knappschaften und Bergmusik
Eine Bergparade ist ein feierlicher Aufzug der Berg- und Hüttenleute. Wikipedia beschreibt sie als Sonderform des Aufzugs, bei der an hochgestellten Persönlichkeiten vorbeimarschiert wird, und als öffentliche Darstellung einer Gemeinschaft, deren Erwerbsleben mit Bergbau und Hüttenwesen verbunden ist. Die Tradition stammt aus dem sächsischen Erzgebirge. Die Deutsche UNESCO-Kommission nennt als historische Anlässe die Ehrung der Obrigkeit und das Eintreten für die Interessen der Bergbruderschaften.
Das Auffälligste ist die Kleidung. Die Teilnehmer tragen den bergmännischen Habit, eine Uniform mit festen Regeln. Nach der UNESCO-Kommission zeigen Aussehen, Ausrüstung und Farben das Revier, die Epoche und die Funktion des Trägers. Wikipedia spricht von Rangklassen und Revierfarben. Wer genau hinsieht, kann also ablesen, ob ein Bergmann, ein Hüttenmann oder ein Beamter vorbeizieht. Einige Begriffe dazu erklärt die Seite zur Bergmannssprache.
Getragen wird die Tradition von Vereinen. Die Knappschaften, Bergbrüderschaften und Knappenvereine sind im Sächsischen Landesverband der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine organisiert, der die großen Paraden in seinem Kalender führt und die Eröffnung in Chemnitz als Auftakt-, die in Annaberg-Buchholz als Abschlussbergparade bezeichnet. Mitmarschieren dürfen heute auch Frauen und Kinder, darauf weisen die UNESCO-Kommission und evangelisch.de gleichermaßen hin.
Ohne Musik keine Parade. Traditionelle Bergmusikvereine begleiten die Uniformierten mit historischen und neueren Bergmärschen aus den einzelnen Revieren und Städten. Ihre Entstehung wurzelt selbst in der bergmännischen Tradition. In Annaberg-Buchholz zogen 2024 nach Angaben des sächsischen Kulturministeriums rund 1.000 Teilnehmer aus ganz Sachsen mit, und zum Schluss spielten alle Bergmusiker gemeinsam ein Abschlusskonzert vor der St. Annenkirche.
Seit 2016 stehen die Bergparaden und Bergaufzüge in Sachsen im Bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes, so die Deutsche UNESCO-Kommission und Wikipedia. Gemeint ist das deutsche Verzeichnis, nicht die internationale UNESCO-Liste; in Berichten wird das gern verwechselt.
Die meisten Paraden finden in der Vorweihnachtszeit statt, aber nicht alle. Schneeberg feiert im Juli den Bergstreittag mit großer Parade, und auch Stadtfeste und Jubiläen sind Anlässe, wie Wikipedia auflistet.
Bergparade Erzgebirge: Termine 2026 im Advent
Die Saison beginnt traditionell am Samstag vor dem ersten Advent in Chemnitz und endet am vierten Advent in Annaberg-Buchholz. Dazwischen liegen an jedem Adventswochenende mehrere Paraden, oft am selben Tag in Nachbarstädten. In die Tabelle aufgenommen ist nur, was mindestens zwei unabhängige Quellen für 2026 bestätigen, in der Regel der Kalender des Sächsischen Landesverbands oder des Tourismusverbands Erzgebirge zusammen mit der Stadt oder einem zweiten Veranstaltungskalender. Uhrzeiten, Aufstellungsorte und Wegstrecken nennen die Veranstalter.
| Datum | Ort | Anlass | Veranstalter |
|---|---|---|---|
| Sa, 28.11.2026 | Chemnitz | Auftaktbergparade zum Weihnachtsmarkt | Stadt Chemnitz |
| Sa, 28.11.2026 | Oelsnitz/Erzgeb. | Bergparade | Stadt Oelsnitz |
| So, 29.11.2026 | Aue-Bad Schlema | Bergparade am 1. Advent | Stadt Aue-Bad Schlema |
| Sa, 05.12.2026 | Freiberg | Bergparade im Fackelschein | Stadt Freiberg mit der Historischen Freiberger Berg- und Hüttenknappschaft |
| Sa, 05.12.2026 | Olbernhau | Bergparade | Stadt Olbernhau mit der Saigerhüttenknappschaft |
| Sa, 05.12.2026 | Stollberg/Erzgeb. | Bergparade zum Weihnachtsmarkt | DGS Dienstleistungsgesellschaft Stollberg mbH |
| Sa, 05.12.2026 | Schneeberg | Lichtelfest mit Bergaufzug | Bergstadt Schneeberg |
| So, 06.12.2026 | Schneeberg | Große nächtliche Bergparade zum Lichtelfest | Bergbrüderschaft „Schneeberger Bergparade“ e. V. |
| Sa, 12.12.2026 | Johanngeorgenstadt | Bergparade zum Schwibbogenfest | Bergstadt Johanngeorgenstadt, Heimatstube Johanngeorgenstadt e. V. |
| Sa, 12.12.2026 | Schwarzenberg | Große Bergparade | Große Kreisstadt Schwarzenberg |
| Sa, 12.12.2026 | Seiffen | Große Bergparade zur Seiffener Weihnacht | Touristinformation Seiffen |
| So, 13.12.2026 | Marienberg | Bergparade | Bergstadt Marienberg |
| So, 13.12.2026 | Lößnitz | Große Bergparade | Stadt Lößnitz |
| So, 20.12.2026 | Annaberg-Buchholz | Abschlussbergparade | Stadt Annaberg-Buchholz |
Wochenende für Wochenende gelesen, ergibt die Tabelle eine klare Linie. Das erste Adventswochenende eröffnen Chemnitz und Oelsnitz am Samstag, Aue-Bad Schlema folgt am Sonntag. Am Samstag vor dem zweiten Advent ballt es sich: Freiberg, Olbernhau, Stollberg und Schneeberg laden am selben Tag ein, und Schneeberg legt am Sonntag mit der großen nächtlichen Parade nach. Damit ist Schneeberg die Stadt mit zwei Aufzügen an einem Wochenende. Das dritte Adventswochenende gehört Johanngeorgenstadt, Schwarzenberg und Seiffen am Samstag sowie Marienberg und Lößnitz am Sonntag. In Seiffen läuft dabei die Kindertrachtengruppe „Lebendiges Spielzeug“ mit, die Wikipedia und der Veranstaltungskalender gleichermaßen erwähnen. Den Schlusspunkt setzt Annaberg-Buchholz am vierten Advent.
Einige Termine fehlen bewusst. Die Bergparade auf dem Dresdner Striezelmarkt findet nach Wikipedia am Samstag vor dem vierten Advent statt; die Stadt Dresden hatte für 2026 im Oktober noch kein Datum veröffentlicht. Zwickau und Leipzig stehen im Kalender des Landesverbands, ließen sich aber nicht in einer zweiten Quelle bestätigen.
Die größte Bergparade Erzgebirge-weit ist die letzte. Wikipedia nennt die Annaberger Parade die größte Bergparade in Deutschland; regelmäßig laufen mehr als 1.000 Trachtenträger mit, 2024 zählte evangelisch.de über 1.100. Wer nur eine Parade sehen kann, fährt also am vierten Advent nach Annaberg-Buchholz und verbindet das mit dem Markus-Röhling-Stolln im Ortsteil Frohnau. Wer lieber Fackeln sieht, wählt Freiberg: Die Bergparade im Fackelschein liegt dort am Samstag vor dem zweiten Advent, so die Stadt und der Reiseblog Phototravellers. Alle Termine des Bergbaujahres sammelt der Bergbau-Kalender.
Schwibbogen, Engel und Bergmann, Pyramide: Bergmannsweihnacht im Erzgebirge
Drei Dinge stehen im Advent in fast jedem erzgebirgischen Fenster, und alle drei werden mit dem Bergbau verbunden. Wie eng diese Verbindung wirklich ist, sehen die Quellen allerdings unterschiedlich.
Der Schwibbogen. Der Name kommt aus der Architektur, wo ein Schwibbogen ein frei zwischen zwei Mauern gespannter Bogen ist; darauf weisen die TU Chemnitz und Wikipedia hin. Der älteste erhaltene Schwibbogen ist aus Metall und stammt von 1740 aus Johanngeorgenstadt, schreiben die deutsche und die englische Wikipedia; der Adventskalender der TU Chemnitz nennt 1726. Beide Quellen verbinden ihn mit der Mettenschicht: Die englische Wikipedia sieht in ihm einen Kerzenhalter für die letzte Schicht vor Weihnachten, die TU Chemnitz erzählt, ein Bergschmied habe ihn als Dank für die Einladung zur Mettenschicht gefertigt. Die verbreitete Deutung, der Bogen stelle ein Stollenmundloch dar, lehnt die deutsche Wikipedia ab; die TU Chemnitz nennt neben den im Halbkreis aufgehängten Grubenlampen auch die Lesart als Himmelsgewölbe. Die heute typischen Motive, zwei Bergleute, ein Schnitzer und eine Klöpplerin, beschreiben die deutsche Wikipedia und die TU Chemnitz übereinstimmend. In Johanngeorgenstadt steht inzwischen der größte freistehende Schwibbogen der Welt.
Engel und Bergmann. Die beiden Lichterfiguren gehören als Paar zusammen. Nach der deutschen Wikipedia stammt der Bergmann von den Kerzenhaltern in erzgebirgischen Kirchen und vom Geleucht der Bergleute ab, der Engel kam später dazu und hat keinen bergmännischen Hintergrund. Beide Wikipedias beschreiben das Paar als Sinnbild für Mann und Frau oder für weltliche und geistliche Seite des Lebens. Als Weihnachtsschmuck verbreitet sind die Figuren seit dem 19. Jahrhundert.
Die Pyramide. Erzgebirgische Bergleute fühlten sich an einen Pferdegöpel erinnert, die von Pferden angetriebene Fördermaschine über dem Schacht, und füllten das leere Gestell mit geschnitzten Figuren. So erzählen es Wikipedia und ein Bauratgeber von selbst.de; Wikipedia fügt hinzu, dass ein technisches Vorbild sich nicht beweisen lässt. Viele Orte stellen inzwischen große Ortspyramiden auf, die zum Auftakt der Weihnachtsmärkte feierlich angeschoben werden, in Aue etwa am ersten Advent und in Lößnitz zum Weihnachtsmarkt.
Ob Stollenmundloch oder Himmelsbogen, darüber streiten die Heimatforscher weiter. Johanngeorgenstadt, die Stadt des ältesten erhaltenen Schwibbogens, hat die Frage auf ihre Weise beantwortet: Ihr Fest heißt Schwibbogenfest, und es beginnt mit einer Bergparade.

