Freiberg, Annaberg, Marienberg, Johanngeorgenstadt: Im Erzgebirge sind ganze Städte um Gruben herum gewachsen, und viele dieser Gruben kann man heute betreten. Wer „Bergwerk Erzgebirge“ in eine Karten-App tippt, landet schnell bei einer langen Liste, die vom Silberstollen des 16. Jahrhunderts bis zur Zinnkammer reicht, die die Wismut in den 1970er-Jahren in den Fels gesprengt hat.
Seit 2019 ist die Bergbaulandschaft UNESCO-Welterbe. Diese Seite ordnet ein, was das bedeutet, stellt die Besucherbergwerke des Katalogs vor, von Freiberg bis Zinnwald, und erklärt, wie sich ein Besuch planen lässt, auch rund um die Bergparaden im Advent.
| Name | Ort | Bundesland | Erz oder Art |
|---|---|---|---|
| Bergbaumuseum Altenberg mit Schaustolln (Neubeschert-Glück-Stolln) | Altenberg | Sachsen | Zinn |
| Besucherbergwerk Markus-Röhling-Stolln | Frohnau (Annaberg-Buchholz) | Sachsen | Silber und Kobalt aus dem Erstneuglück-Flache-Gang, ergiebig 1733–1857 |
| Besucherbergwerk Vereinigt Zwitterfeld zu Zinnwald | Altenberg (Zinnwald-Georgenfeld) | Sachsen | Zinn, dazu Lithiumglimmer und Wolfram |
| Besucherbergwerk Zinnkammern Pöhla | Pöhla (Schwarzenberg/Erzgeb.) | Sachsen | Skarnlagerstätte Hämmerlein: Zinn, Uran, Wolfram, Eisen, Silber |
| KohleWelt – Museum Steinkohlenbergbau Sachsen (Bergbaumuseum Oelsnitz, Karl-Liebknecht-Schacht) | Oelsnitz/Erzgeb. | Sachsen | Steinkohle |
| Lehr- und Schaubergwerk Frisch Glück "Glöckl" | Johanngeorgenstadt | Sachsen | Silber, Wismut, Uran |
| Pferdegöpel auf dem Rudolphschacht (Schaubergwerk) | Marienberg (Lauta) | Sachsen | Silber (historischer Erzbergbau); Pferdegöpel-Fördertechnik |
| Schaubergwerk Herkules-Frisch-Glück | Waschleithe (Grünhain-Beierfeld) | Sachsen | Silber, Kupfer, Blei, Eisen, Zinkblende, dazu Marmor |
| Schaubergwerk Molchner Stolln | Marienberg (Pobershau) | Sachsen | Silber, Zinn, Kupfer, Arsenkies |
| Silberbergwerk Freiberg (Forschungs- und Lehrbergwerk Reiche Zeche, Himmelfahrt Fundgrube) | Freiberg | Sachsen | Silber, Blei, Zink |
| Zinngrube Ehrenfriedersdorf | Ehrenfriedersdorf | Sachsen | Zinnerz, dazu Silbererz; im 20. Jahrhundert auch Wolfram |
Welterbe Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří
Am 6. Juli 2019 trug das Welterbekomitee der UNESCO auf seiner 43. Sitzung in Baku die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří in die Welterbeliste ein. Das belegen Wikipedia, der Welterbe-Verein und das Auswärtige Amt übereinstimmend. Die Stätte besteht aus 22 Bestandteilen, 17 auf sächsischer und 5 auf tschechischer Seite, und sie war die erste Welterbestätte, die Deutschland und Tschechien gemeinsam angemeldet haben.
Wichtig zu wissen ist, dass das Welterbe kein einzelnes Gebäude ist. Geschützt sind ganze Bergbaulandschaften, etwa um Freiberg, Annaberg, Marienberg, Schneeberg, Schwarzenberg und Altenberg. Darin liegen Schächte, Halden, Huthäuser, Kirchen und Altstädte. Einige der Besucherbergwerke gehören direkt dazu: der Markus-Röhling-Stolln als Teil der Bergbaulandschaft Annaberg-Frohnau, der Sauberger Haupt- und Richtschacht der Zinngrube Ehrenfriedersdorf, die Bergbaulandschaft Lauta mit dem Pferdegöpel und die Altenberger Pinge.
Für Besucher hat das eine praktische Folge. Wer ein Bergwerk besucht, steht meist mitten in einem Welterbe-Bestandteil und kann die Führung mit einem Gang über Tage verbinden, zu Halden, Mundlöchern und Bergstädten.
Bergbau im Erzgebirge: Silber, Zinn und Uran
Der Bergbau im Erzgebirge begann mit einem Zufallsfund. 1168 wurde in Christiansdorf, dem heutigen Freiberg, Silbererz entdeckt, und der Ansturm, der folgte, ging als erstes „Berggeschrey“ in die Geschichte ein. Ein zweites folgte im späten 15. Jahrhundert, als 1491 am Schreckenberg bei Annaberg Silber gefunden wurde; Wikipedia, ERIH und die Betreiber des Markus-Röhling-Stollns nennen dieses Jahr.
Silber war aber nur ein Teil der Geschichte. In Ehrenfriedersdorf, Altenberg und Zinnwald ging es um Zinn, und der Zinnbergbau hielt länger durch als der Silberbergbau. Mit der Einführung der Goldwährung in den 1870er-Jahren verlor das Silber seinen Wert, die letzten Silbergruben schlossen bis 1913. Die Zinngrube Ehrenfriedersdorf förderte dagegen bis zum 3. Oktober 1990, und in Altenberg endete der Zinnbergbau 1991 nach rund 550 Jahren.
Dazwischen liegt ein Kapitel, das im Erzgebirge an vielen Orten wieder auftaucht: die Wismut. Nach 1945 suchte die sowjetisch kontrollierte Wismut nach Uran, öffnete alte Gruben und trieb neue Stollen auf. Im Markus-Röhling-Stolln, in Johanngeorgenstadt und in Pöhla ist diese Zeit unter Tage zu sehen, oft mit den Maschinen von damals.
Wie ernst Sachsen den Bergbau nahm, zeigt Freiberg noch auf andere Art. Dort wurde am 21. November 1765 die Bergakademie gegründet, die als älteste noch bestehende montanwissenschaftliche Hochschule der Welt gilt.
Besucherbergwerke im Erzgebirge: Annaberg und das Westerzgebirge
Die meisten Besucherbergwerke liegen im mittleren und westlichen Erzgebirge, zwischen Annaberg-Buchholz, Marienberg und Schwarzenberg. Wer hier ein paar Tage bleibt, kann mehrere Gruben ohne lange Fahrten verbinden.
Markus-Röhling-Stolln, Annaberg-Frohnau
Im Markus-Röhling-Stolln bei Frohnau wurde von 1733 bis 1857 Silber und Kobalt abgebaut. Besucher fahren mit einer elektrischen Grubenbahn rund 600 Meter durch eine gerade Strecke der Wismut bis zum historischen Stolln. Dort dreht sich unter Tage ein Wasserrad, ein Nachbau mit etwa 9 Metern Durchmesser, wie es früher Pumpen für die tieferen Sohlen antrieb. Seit Juli 1994 ist der Stolln Besucherbergwerk. Sein Name ist jünger als der Stolln selbst: Aufgefahren wurde er Anfang des 16. Jahrhunderts als St.-Anna-Stolln, erst später bekam er den Namen von Markus Röhling.
Zinngrube Ehrenfriedersdorf
In der Zinngrube Ehrenfriedersdorf im Sauberg wurde Zinn schon im 13. Jahrhundert gewonnen. Seit 1995 ist sie Besucherbergwerk. Der Förderkorb bringt Besucher auf die zweite Sohle in etwa 100 Metern Tiefe, und auf dem Tiefen Sauberger Stolln fährt seit 1998 der Saubergexpress, eine Grubenbahn. Eine Besonderheit ist der Nachbau einer Radpumpe aus dem 16. Jahrhundert, wie Georgius Agricola sie in „De re metallica“ beschrieben hat.
Am Sauberg hängt auch eine der bekanntesten Bergmannsgeschichten Sachsens. 1508 wurde der Bergmann Oswald Barthel verschüttet, und als man 1568 auf ihn stieß, soll sein Körper kaum verwest gewesen sein. Die Sage von der „langen Schicht“ ist in Grässes Sagenschatz überliefert, und der Oswald-Barthel-Turm auf dem Sauberg, gebaut zwischen 1926 und 1928, erinnert an verunglückte Bergleute.
Zinnkammern Pöhla
Die Zinnkammern Pöhla sind das Gegenstück zum Altbergbau. Die Wismut trieb hier ab 1967 einen Hauptstollen ins Gebirge, auf der Suche nach Uran, und stieß dabei auf ein Zinnlager. 1976/77 entstanden bei einem Versuchsabbau drei Kammern von je etwa 45 Metern Länge und 12 Metern Höhe. Besucher fahren mit der Grubenbahn rund drei Kilometer in den Berg. Nach Angaben des Betreibers sind es die größten Zinnkammern Europas.
Herkules-Frisch-Glück, Waschleithe
Das Schaubergwerk Herkules-Frisch-Glück am Fürstenberg öffnete 1926 als Lehr- und Schaubergwerk und gilt als ältestes Schaubergwerk Sachsens; 2026 wurde das hundertjährige Bestehen gefeiert. Rund 250 Stufen führen auf etwa 80 Meter unter Tage, zu Marmorsälen und unterirdischen Seen. Kinder dürfen ab vier Jahren mit. Über Tage zeigt die Bergmännische Erlebniswelt am Huthaus ein Pochwerk, eine Erzwäsche, eine Bergschmiede und einen funktionierenden Rennofen.
Molchner Stolln, Pobershau
In Pobershau bei Marienberg ist der Molchner Stolln seit 1934/35 Schaubergwerk, eines der ältesten in Sachsen. Abgebaut wurden hier Silber und Zinnerz.
Pferdegöpel auf dem Rudolphschacht, Lauta
Nicht weit davon, in Lauta bei Marienberg, steht ein Pferdegöpel. Mit solchen Anlagen zogen Pferde, die im Kreis liefen, Erz aus dem Schacht. Das Original arbeitete von 1838 bis 1877, der heutige Göpel ist ein Nachbau, der 2006 eröffnet wurde. Eine kurze Führung geht in den Rudolphschacht; das meiste spielt sich aber über Tage ab.
Frisch Glück „Glöckl“, Johanngeorgenstadt
Im Lehr- und Schaubergwerk „Glöckl“ wurde erst Silber, später unter der Wismut Uran abgebaut. Unter Tage herrschen das ganze Jahr etwa 8 °C, und Kinder können ab fünf Jahren mitfahren.
Ein Bergwerk im Osterzgebirge besichtigen: Freiberg, Altenberg, Zinnwald
Im Osten des Gebirges liegen drei Ziele, die sich gut an einem langen Wochenende verbinden lassen.
Silberbergwerk Freiberg
In Freiberg geht es mit dem Förderkorb rund 150 Meter tief in die Reiche Zeche der Himmelfahrt Fundgrube. Das Bergwerk ist kein reines Museum, sondern Forschungs- und Lehrbergwerk der TU Bergakademie Freiberg, in dem Studierende bis heute arbeiten. Wer sich für Silber interessiert, findet mehr auf der Seite über Silberbergwerke.
Bergbaumuseum Altenberg
In Altenberg zeigt das Bergbaumuseum eine Zinnwäsche, die 1577 erstmals urkundlich erwähnt wird, mit einem wassergetriebenen Pochwerk, das noch läuft. Dazu gehört ein Schaustolln, der rund 200 Meter in den Neubeschert-Glück-Stolln führt. Draußen wartet das eindrucksvollste Bergbaudenkmal der Gegend, die Altenberger Pinge: 1620 brachen hier die Grubenbaue zusammen, und über die Jahrhunderte wuchs der Einsturztrichter auf rund 400 bis 450 Meter Durchmesser. Mehr zu solchen Häusern steht auf der Seite über Bergbaumuseen.
Besucherbergwerk Zinnwald
Ein paar Kilometer weiter, in Zinnwald, liegt das Besucherbergwerk „Vereinigt Zwitterfeld zu Zinnwald“. Die Führung geht durch den Tiefen-Bünau-Stolln, der 1686 angelegt wurde, und endet unter Tage an der deutsch-tschechischen Grenze. Abgebaut wurden hier Zinn, später auch Wolfram und Lithiumglimmer. Unterwegs liegt die Reichtroster Weitung, ein großer Abbauraum aus dem alten Zinnbergbau. Seit 1992 ist der Stolln für Besucher geöffnet.
KohleWelt Oelsnitz: Steinkohle statt Erz
Ein Ausreißer im Katalog ist die KohleWelt in Oelsnitz. Hier ging es nicht um Erz, sondern um Steinkohle; auf dem Gelände des früheren Kaiserin-Augusta-Schachts wurde bis 1971 gefördert. Seit 2025 ist das Museum nach dem Umbau wieder geöffnet. Unter Tage fährt man hier nicht: Die Stollen sind originalgetreu nachgebaut, als Anschauungsbergwerk.
Bergparaden, Mettenschichten und Barbaratag
Der Advent ist im Erzgebirge die Zeit des Bergbaus über Tage. Die Bergparade, ein feierlicher Aufzug der Berg- und Hüttenleute in ihrer Tracht, stammt aus dem sächsischen Erzgebirge und steht seit 2016 im bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes.
Die größte Bergparade Deutschlands zieht am vierten Advent durch Annaberg-Buchholz, 2026 am Sonntag, 20. Dezember. Freiberg lädt am Samstag vor dem zweiten Advent zur Bergparade im Fackelschein, 2026 am 5. Dezember. Weitere Termine 2026 sind Schwarzenberg am 12. Dezember und Marienberg am 13. Dezember. Die vollständige Liste steht auf der Seite über Mettenschicht und Bergparade, die Termine sollte man vorab bei den Veranstaltern prüfen.
Unter Tage gibt es in dieser Zeit Mettenschichten, die letzte Schicht vor Weihnachten, heute als Veranstaltung für Besucher. Der Markus-Röhling-Stolln, die Zinngrube Ehrenfriedersdorf, die Zinnkammern Pöhla und Herkules-Frisch-Glück haben sie im Programm. In Pöhla gibt es dann keine regulären Führungen. Und am 4. Dezember ist Barbaratag, der Gedenktag der heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Bergleute.
Besucherbergwerk Erzgebirge: Planung nach Region
Alles an einem Wochenende zu sehen, schafft niemand. Es hilft, nach Schwerpunkt zu planen.
Bergwerk Erzgebirge mit Grubenbahn. Röhling-Stolln, Ehrenfriedersdorf und Pöhla liegen nah beieinander und haben alle eine Grubenbahn. Mehr dazu steht auf der Seite über Besucherbergwerke mit Grubenbahn.
Besucherbergwerk Erzgebirge mit Kindern. Herkules-Frisch-Glück nimmt Kinder ab vier Jahren mit und bietet Kinderführungen an, bei denen Marmor mit Hammer und Meißel abgeschlagen wird. Das Glöckl nimmt Kinder ab fünf Jahren.
Besucherbergwerk Erzgebirge und Welterbe-Stadt. Freiberg verbindet die Reiche Zeche mit der Altstadt, Annaberg-Buchholz den Röhling-Stolln mit der Bergstadt. Altenberg und Zinnwald lassen sich an einem Tag kombinieren.
Bergwerk Erzgebirge im Advent. Wer im Dezember kommt, sollte wissen, dass manche Gruben dann vor allem Mettenschichten anbieten; in Pöhla etwa entfallen in dieser Zeit die regulären Führungen. Termine nennen die Betreiber.
Unter Tage ist es überall kühl. Führungszeiten, Altersgrenzen und Barrierefreiheit unterscheiden sich, deshalb gehört der Blick auf die Seite des Betreibers vor jede Fahrt. Wer nicht weiß, welche Grube am nächsten liegt, findet sie über die Suche nach Besucherbergwerken in der Nähe. Der Katalog zeigt die Reviere außerhalb Sachsens, und wer auf dem Weg nach Süden ist, kommt im Fichtelgebirge am Silbereisenbergwerk Gleißinger Fels vorbei.
Eine Kleinigkeit zum Schluss: Der Tiefe-Bünau-Stolln in Zinnwald entwässerte einst die sächsische und die böhmische Seite derselben Lagerstätte. Die Grenze, an der die Führung heute endet, hat das Erz nie interessiert.

