St.-Veit-Zeche Kupferberg: Besucherbergwerk im Frankenwald
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Der Ortsname verrät schon fast alles. In Kupferberg im Landkreis Kulmbach wurde Kupfererz gefördert, und zwar in einem Umfang, den man dem Ort heute nicht mehr ansieht: In der Blütezeit im 14. Jahrhundert arbeiteten nach Wikipedia, dem örtlichen Museumsverein und einer Broschüre der bayerischen Staatsregierung rund 1.600 bis 1.700 Bergleute im Kupferberger Bergbau. Seit 2015 ist mit dem Besucherbergwerk St.-Veit-Zeche wieder ein Teil davon zugänglich.
Das Bergwerk liegt an der Straße Richtung Neufang, die Adresse lautet Wirsberger Weg 34. Dort ist inzwischen auch das Bergbau-Museum untergebracht. Der Verein, der beides betreibt, tritt unter dem Namen Bergbau-Erlebniswelt Kupferberg auf.
Kupfer im Frankenwald: Stadtrecht und Blütezeit
Am Anfang der Stadtgeschichte steht ein Bischof. 1326 verlieh Heinrich II. von Sternberg, Bischof von Bamberg, dem Bergbauort Kupferberg die Stadtrechte. So steht es bei Wikipedia und auf der Website des Museumsvereins, und auch showcaves.com nennt dieses Jahr. Die Broschüre „Von Bergwerken, Hütten und Hämmern“, 2008 vom bayerischen Wirtschaftsministerium herausgegeben, gibt dagegen 1302 an. Auch der Bergingenieur Hans Brand, der das Revier von 1918 bis 1920 für die bayerische Geologische Landesuntersuchung untersuchte, schrieb 1922 von Stadt- und Marktrecht im Jahr 1302. In der Liste seiner Quellen führt er allerdings eine Urkunde von 1326 als älteste erhaltene Originalurkunde der Pfarrei. Ein Widerspruch muss das nicht sein, entschieden ist die Frage damit aber nicht; die Mehrzahl der heutigen Darstellungen nennt 1326.
Die große Zeit des Kupferbergbaus fiel ins 14. Jahrhundert, also in die Jahrzehnte rund um die Stadterhebung. Für diese Phase nennen Wikipedia, der Verein und der Fließtext der Broschüre übereinstimmend rund 1.600 bis 1.700 Bergleute. Im Verzeichnisteil derselben Broschüre ist sogar von bis zu 2.000 die Rede. Selbst die vorsichtigere Zahl ist hoch, zumal Kupferberg heute zu den kleinsten Städten Bayerns zählt.
Auch ein Name ist aus dieser Zeit überliefert. Als erster urkundlich belegter Bergmeister erscheint 1337 Heinrich, ein Sohn des Spitalstifters Thomas Kürschner. Die Familie Kürschner gilt in der montanarchäologischen Forschung als treibende Kraft der Blütezeit.
Schon damals machte den Bergleuten vor allem das Wasser zu schaffen. Um 1340 versuchte der Bamberger Bischof, mit Vergünstigungen jemanden zu finden, der die abgesoffenen Gruben wieder zugänglich machte. Davon berichten die Zeittafel des Vereins und Brands Bericht, der sich auf eine später verbrannte Urkunde beruft. Die Jahre danach liegen weitgehend im Dunkeln: Zwischen der Mitte des 14. und dem späten 17. Jahrhundert verzeichnet die Zeittafel des Vereins keine Abbaudaten.
St.-Veit-Schacht, Kropf und Vitriol: Bergbau in der Neuzeit
Greifbar wird der Kupferberger Bergbau wieder im späten 17. Jahrhundert. 1685 brachte der St.-Veit-Schacht 520 Zentner Erz zutage. Brand gibt an, das Erz habe 15 Prozent Garkupfer enthalten; der Verein beziffert die Ausbeute dieses Jahres auf 78 Zentner Kupfer. Beide Angaben passen zusammen, denn 15 Prozent von 520 Zentnern sind genau 78. Auch Wikipedia nennt für das Kupferberger Erz zeitweise Kupfergehalte von bis zu 15 Prozent.
Ab 1700 leitete Johann Kaspar Kropf den Bergbau. Er ließ eine aufwendige Wasserhaltung anlegen, um die tiefen, seit langem unter Wasser stehenden Baue wieder befahrbar zu machen. Das beschreiben Brand und die Zeittafel des Vereins übereinstimmend; der Verein spricht von einer zweiten Blütezeit.
Von Dauer war sie nicht. Nach der Zeittafel des Vereins endete der Betrieb 1732 aus finanziellen Gründen, Brand lässt die Gruben nach Kropfs Tod 1735 zum Erliegen kommen. Einig sind sich beide darin, dass in den 1730er-Jahren wieder Schluss war.
Danach änderte sich, wofür das Erz gebraucht wurde. Statt Kupfer zu schmelzen, verarbeitete man die kupferhaltigen Kiese nun vor allem zu Vitriol und Alaun, Grundstoffen der frühen chemischen Industrie. Brand nennt das Jahr 1768 für den Beginn der Vitriolgewinnung in Kupferberg. Höhn beschreibt für die Grube „Goldener Falke“ im Kosertal nordöstlich von Wirsberg, dass dort Pyrit nicht des Kupfers wegen, sondern für die Alaungewinnung abgebaut wurde. Während dieser Vitriolzeit kam Kupferberg mit dem Ende des Hochstifts Bamberg an Bayern, nach Wikipedia 1802, nach Brand im November 1803.
Mitte der 1850er-Jahre wurde der Bergbau noch einmal aufgenommen; der Verein nennt 1855, Brand Februar 1856. Weitere Versuche, das alte Revier wiederzubeleben, reichten bis ins 20. Jahrhundert hinein. An die Erträge des 14. Jahrhunderts kam keiner davon heran.
Kupferkies im Tonschiefer: die Lagerstätte
Geologisch ist Kupferberg ein besonderer Ort. Stefan Höhn, der die Lagerstätte 2017 in einer Dissertation an der Universität Würzburg untersucht hat, nennt sie Bayerns größten historischen Buntmetallabbau.
Das Erz steckt in Tonschiefer. Es bildet keine durchgehende Ader, sondern einzelne Erzlinsen, die in einem schmalen Zug von Nordwest nach Südost am Westrand der Münchberger Gneismasse liegen. So beschreiben es Brand 1922 und Höhn 2017, fast hundert Jahre auseinander.
Gesucht wurde vor allem Kupferkies, mineralogisch Chalkopyrit. Er tritt zusammen mit viel Schwefelkies (Pyrit) auf, dazu kommen Zinkblende, Quarz und Kalzit. Die Kupfer-Zink-Mischung erklärt, warum Höhn von einer Cu-Zn-Lagerstätte spricht.
Wo das Gestein nahe der Oberfläche verwittert ist, entstanden sekundäre Kupferminerale. Dazu gehört Malachit, das grüne Kupfermineral, das beide Arbeiten für den Kupferberger Erzzug nennen. Kupferkies und Malachit sind damit zwei Zustände desselben Kupfers: das frische Erz in der Tiefe und sein Verwitterungsprodukt nahe der Oberfläche.
Die St.-Veit-Zeche als Besucherbergwerk
Eingeweiht wurde das Besucherbergwerk St.-Veit-Zeche am 19. April 2015. Das berichteten inFranken.de und showcaves.com. Träger ist der Bergbau-Museum Kupferberg e. V., ein Verein, dessen Mitglieder ehrenamtlich arbeiten. Nach Angaben des Vereins und der Presse führt er das Besucherbergwerk seit Mai 2017 in Eigenregie.
Ein Jahr später folgte der nächste Schritt. Im April 2018 meldete inFranken.de, dass die Exponate des Bergbau-Museums künftig im Besucherbergwerk zu sehen seien. Das Museum, das bis dahin in der Stadtmitte untergebracht war, zog an den Wirsberger Weg. Seitdem liegen Stollen und Sammlung an einem Ort, und ein Besuch verbindet beides.
Der Stollen selbst führt bergab. Er fällt mit rund 20 Prozent Gefälle in den Berg ab; diese Neigung nennt der Verein in seinen Hinweisen zur Barrierefreiheit, und Höhn gibt sie in seiner Dissertation für den heute zugänglichen Teil im Bereich des alten St.-Veit-Schachts ebenfalls an. Der Name des Besucherbergwerks ist also wörtlich zu nehmen: Man betritt ein Stück des Grubenfelds rund um den St.-Veit-Schacht, aus dem 1685 die 520 Zentner Erz kamen.
Das ist auch für die Planung wichtig. Ältere Reiseführer und die Broschüre von 2008 beschreiben noch das alte Museum im Ortszentrum. Diese Angaben sind überholt.
Was man vor dem Besuch wissen sollte
Besucht werden kann die St.-Veit-Zeche nur im Sommerhalbjahr. Die Saison läuft nach Angaben des Vereins und von showcaves.com von April bis Oktober; von November bis März ist Winterpause.
Zu zwei Fragen, die viele Besucher vorab stellen, finden sich in den gängigen Quellen keine übereinstimmenden Angaben: wie lang die begehbare Strecke ist und welche Temperatur unter Tage herrscht. Allgemein gilt für Stollen in Mittelgebirgen, dass es dort auch im Hochsommer deutlich kühler ist als draußen; eine Jacke und feste Schuhe sind deshalb keine schlechte Idee. Wegen des Gefälles von rund 20 Prozent ist der Stollen für Rollstuhlfahrer nur mit kräftiger Begleitung zu bewältigen. Führungsablauf, Gruppengröße und weitere Fragen zur Barrierefreiheit stimmt man am besten vorab mit dem Verein ab, der diese Dinge selbst regelt und gelegentlich anpasst.
Anfahrt nach Kupferberg
Mit dem Auto führt der Weg über die A9 bis zur Ausfahrt Himmelkron, dann auf der B303 bis Ludwigschorgast und dort rechts ab nach Kupferberg. Das Bergwerk liegt an der Straße Richtung Neufang; die vollständige Adresse lautet Wirsberger Weg 34, 95362 Kupferberg. Diese Route beschreiben showcaves.com und der Verein gleichlautend.
Wer ohne Auto anreisen möchte, prüft die Bus- und Bahnverbindungen nach Kupferberg am besten vor der Fahrt.
Bergbauwanderweg nach Wirsberg und weitere Bergwerke
Der Kupferbergbau endete nicht an der Stadtgrenze. Zwischen Kupferberg und dem Nachbarort Wirsberg verläuft ein bergbaugeschichtlicher Wanderweg, den sowohl der Verein als auch die Broschüre des Ministeriums nennen. Er verbindet Spuren des alten Reviers im Gelände und ergänzt den Besuch im Stollen.
Kupfererz wurde auch weiter nördlich im Frankenwald abgebaut. Am Friedrich-Wilhelm-Stollen bei Lichtenberg ging es um Eisen- und Kupfererz, und den Bau des Stollens hatte 1793 Alexander von Humboldt angestoßen. Im benachbarten Fichtelgebirge zeigen die Besucherbergwerke Goldkronach zwei kleine Stollen aus dem Goldbergbau. Weitere Bergwerke in Bayern und den angrenzenden Regionen sammelt die Übersicht der Besucherbergwerke.
Geologisch lohnt ein Abstecher zum Peterleinstein bei Kupferberg. Der Berg besteht aus Serpentinit, einem grünlichen, sehr basischen Gestein, das am Peterleinstein nach einer Untersuchung von 2024 fast vollständig serpentinisiert ist. Wikipedia beschreibt das Gestein als magnetisch, der Landkreis Kulmbach nennt den Peterleinstein den Magnetberg des Frankenwalds.
Für die Kombination aus Wanderweg und Stollen bietet sich das Sommerhalbjahr an. Ab November ruht das Besucherbergwerk bis zum Frühjahr.
Besucherbergwerke in der Nähe
- St. 01Besucherbergwerke GoldkronachGoldkronach · Fichtelgebirge17 km
- St. 02Bergwerk WerraWeißenstadt · Fichtelgebirge22 km
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Häufige Fragen
Seit wann kann man die St.-Veit-Zeche in Kupferberg besichtigen?
Das Besucherbergwerk wurde 2015 eröffnet und am 19. April 2015 eingeweiht.
Ist das Besucherbergwerk Kupferberg im Winter geöffnet?
Nein. Die Saison läuft von April bis Oktober, von November bis März ist Winterpause.
Wo ist das Bergbau-Museum Kupferberg heute?
Das Museum ist aus der Stadtmitte in das Besucherbergwerk am Wirsberger Weg 34 umgezogen. Stollen und Ausstellung liegen damit an einem Ort.
Wer betreibt das Besucherbergwerk St.-Veit-Zeche?
Der Bergbau-Museum Kupferberg e. V., dessen Mitglieder ehrenamtlich arbeiten. Nach Presseberichten führt der Verein das Bergwerk seit Mai 2017 in Eigenregie.
Quellen
- showcaves.com: Besucherbergwerk St.-Veit-Zeche
- Wikipedia: Kupferberg
- inFranken.de: Bergwerk und Bergbau-Museum hatten 4200 Besucher
- inFranken.de: Exponate sind künftig im Besucherbergwerk zu sehen
- Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie: Von Bergwerken, Hütten und Hämmern
- Bergbau-Museum Kupferberg e. V.: Bergbau-Erlebniswelt Kupferberg
- Oberbergamt, Geologische Landesuntersuchung (Geognostische Jahreshefte 34): Hans Brand: Die Kupfererzlagerstätte bei Kupferberg i. Oberfranken (1922)
- Universität Würzburg: Stefan Höhn: Geologischer Rahmen und Genese der Kupferberger Cu-Zn-Lagerstätte (Dissertation 2017)
- Landkreis Kulmbach: Exkursion an den Peterleinstein zum Tag des Geotops 2024
- Deutsche Geologische Gesellschaft – Geologische Vereinigung: Petrological analysis of the serpentinization process in the Münchberg Massif

