Unter dem Schwarzwald ziehen sich alte Stollen kilometerweit durch den Berg, allein am Schauinsland werden sie auf rund 100 Kilometer geschätzt. Kaum jemand, der auf der Schauinslandbahn nach oben schwebt oder im Kinzigtal wandert, ahnt, dass der Wohlstand der Region im Mittelalter zu einem guten Teil aus dem Berg kam. Wer ein Bergwerk im Schwarzwald besichtigen möchte, hat die Wahl zwischen einem Dutzend Gruben, von der riesigen Grube am Schauinsland mit ihren Leitern bis zum kleinen Vereinsstollen, in dem ein Bergmann mit der Lampe auf eine Jahreszahl im Fels zeigt.
Die meisten davon sind Silbergruben, oder sie waren es zuerst. Später kamen Blei, Kupfer, Eisen und im 20. Jahrhundert vor allem Fluss- und Schwerspat dazu. Diese Seite stellt jedes zugängliche Bergwerk im Schwarzwald mit einem kurzen Abschnitt vor, geordnet von Süd nach Nord. Wer „Bergwerk Schwarzwald“ sucht, findet die Gruben außerdem in der Tabelle; Preise und Führungszeiten stehen bewusst nicht hier, sondern beim Betreiber.
Silber, Blei und Spat: kurze Bergbaugeschichte des Schwarzwalds
Die große Zeit des Schwarzwälder Bergbaus war das Mittelalter. Das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg (LGRB) setzt die Blüte etwa vom 10. bis ins 14. Jahrhundert an; im Münstertal lassen Holzkohlefunde auf einen Beginn schon an der Wende vom 9. zum 10. Jahrhundert schließen. Das Silber gilt nach dem LGRB und dem Historiker Martin Straßburger als Grundlage für den Aufstieg Freiburgs. Im Freiburger Münster erinnern die Bergbaufenster aus dem 14. Jahrhundert daran: Sie zeigen Bergleute bei der Arbeit. Ob der Bergbau den Bau des Münsters maßgeblich bezahlt hat, wie es gern erzählt wird, ist dagegen umstritten; Straßburger schreibt, größere Stiftungen aus dem Bergbau seien nicht nachgewiesen.
Ab der Mitte des 14. Jahrhunderts ging es bergab. Kriege, die Pest und die steigenden Kosten immer tieferer Gruben setzten den Betrieben zu, und der Dreißigjährige Krieg brachte einen weiteren Einbruch. Am Schauinsland ruhte der Bergbau von 1638 bis 1727 fast vollständig. Erst im 18. Jahrhundert lebte er wieder auf, im Kinzigtal etwa in der Grube Wenzel.
Im 20. Jahrhundert ging es dann um andere Rohstoffe. Fluss- und Schwerspat, früher als taubes Gangmaterial auf die Halde gekippt, wurden gefragt. Der Finstergrund in Wieden ist ein gutes Beispiel: Dort wurde von 1920 bis 1972 Flussspat abgebaut. Eine einzige Grube arbeitet bis heute, die Grube Clara in Oberwolfach. Sie fördert Schwer- und Flussspat und gewinnt Silber und Kupfer als Nebenprodukt, ununterbrochen seit einem Pachtvertrag von 1898, so das LGRB, ein Beitrag in der Zeitschrift „Die Ortenau“ und Wikipedia. Besichtigen kann man sie nicht.
Eine Lücke gibt es zurzeit bei den Museen. Das Landesbergbaumuseum in Sulzburg hat seinen Standort in der ehemaligen Stadtkirche im September 2023 geschlossen, so die Stadt Sulzburg; showcaves.com führt es 2026 als geschlossen. Für Minerale aus dem Schwarzwald ist das MiMa in Oberwolfach die Adresse, ein Museum für Mineralien und Mathematik mit Schwerpunkt auf der Grube Clara.
| Name | Ort | Bundesland | Erz oder Art |
|---|---|---|---|
| Besucherbergwerk Finstergrund | Wieden | Baden-Württemberg | Flussspat, Schwerspat, Blei, Silber; Einfahrt mit Grubenbahn |
| Besucherbergwerk Frischglück | Neuenbürg | Baden-Württemberg | Eisenerz (Brauneisenstein, Schwerspatgang) |
| Besucherbergwerk Grube Wenzel | Oberwolfach | Baden-Württemberg | Silber |
| Besucherbergwerk Himmlisch Heer | Dornstetten-Hallwangen | Baden-Württemberg | Silber, Kupfer, Schwerspat |
| Besucherbergwerk Neubulach (Hella-Glück-Stollen) | Neubulach | Baden-Württemberg | Silber und Kupfer (Fahlerz, Azurit, Malachit), später Wismut |
| Besucherbergwerk Segen Gottes | Haslach im Kinzigtal (Schnellingen) | Baden-Württemberg | Silber (Schwerspat- und Flussspatgänge) |
| Besucherbergwerk Silbergründle | Seebach (Ortenaukreis) | Baden-Württemberg | Bleiglanz und Silber |
| Besuchsbergwerk Teufelsgrund | Münstertal | Baden-Württemberg | Silber, Blei, später Flussspat |
| Historisches Besucherbergwerk Freudenstadt (Grube Heilige Drei Könige) | Freudenstadt | Baden-Württemberg | Erkundungsbergwerk (Silber/Kupfer, keine Erzförderung) |
| Museums-Bergwerk Schauinsland | Freiburg im Breisgau / Oberried (Schauinsland summit) | Baden-Württemberg | Blei, Zink, Silber |
| Schaubergwerk Hoffnungsstollen | Todtmoos | Baden-Württemberg | Magnetkies und Nickelerz |
| Silberbergwerk Suggental (Grube Erich) | Waldkirch-Suggental | Baden-Württemberg | Silber, Blei, Kupfer, Schwerspat |
Weitere Silbergruben in anderen Regionen, vom Erzgebirge bis zum Harz, stellt die Seite über Silberbergwerke in Deutschland vor.
Besucherbergwerke im Südschwarzwald
Museums-Bergwerk Schauinsland, Freiburg
Der Schauinsland ist das größte Bergwerk im Schwarzwald, so das LGRB und das schwarzwaldportal. Die Grubenbaue werden auf rund 100 Kilometer geschätzt, verteilt auf 22 Sohlen; das LGRB weist darauf hin, dass die Zahl eine Schätzung des Betreibers ist. Der alte Name des Berges, „Erzkasten“, sagt, worum es ging. Im Oktober 1954 wurde die Grube stillgelegt, weil sie sich nicht mehr rechnete.
Seit 1997 ist ein Teil davon Museums-Bergwerk, betrieben von der Forschergruppe Steiber, so LGRB und ERIH. Wer die längeren Führungen bucht, steigt über Leitern, im Bergmannsdeutsch „Fahrten“, von Sohle zu Sohle; der Betreiber und das schwarzwaldportal beschreiben das. Für kleine Kinder und Menschen mit Höhenangst ist die kurze Führung die bessere Wahl. Die Anreise lässt sich gut mit der Schauinslandbahn verbinden.
Silberbergwerk Teufelsgrund, Münstertal
Im Münstertal südlich von Freiburg wurden im Mittelalter Blei- und Silbererze abgebaut, mit einer Blüte im 13. und 14. Jahrhundert. Im 20. Jahrhundert folgte Flussspat, bis 1958. 1970 öffnete der Teufelsgrund für Besucher, nach showcaves.com als erstes Besucherbergwerk im Schwarzwald. Das LGRB beschreibt, wie die silberführenden Erze in schmalen Gängen sitzen, während der spätere Spatabbau große Hohlräume hinterließ.
In einem Seitenstollen gibt es eine Therapiestation für Atemwegspatienten, so der ADAC und showcaves.com. Was die Anbieter solcher Stollen versprechen und was belegt ist, steht auf der Seite über Heilstollen in Besucherbergwerken.
Besucherbergwerk Finstergrund, Wieden
Der Finstergrund ist das einzige Bergwerk im Schwarzwald, in das Besucher mit einer Grubenbahn einfahren; LGRB, ERIH und das schwarzwaldportal beschreiben die Fahrt durch den Stollen bis zum Erzgang. Die oberen Stollen wurden im Mittelalter auf Silbererz angelegt, die untersten dienten von 1920 bis 1972 dem Flussspatabbau. Insgesamt umfasst das Grubengebäude rund 20 Kilometer Stollen, so LGRB und showcaves.com.
Geöffnet hat das Besucherbergwerk 1982, getragen vom Bergmannsverein Finstergrund, den ehemalige Bergleute gegründet haben. Mehr Gruben mit Bahn zeigt die Seite Bergwerk mit Grubenbahn.
Schaubergwerk Hoffnungsstollen, Todtmoos
Todtmoos ist der Ausreißer in dieser Liste, denn hier ging es weder um Silber noch um Spat. Abgebaut wurde Magnetkies, zunächst im Tagebau, für eine Vitriolhütte; als die Hütte in den 1830er-Jahren schloss, endete auch der Abbau. Das Nickelerz, das mit dem Magnetkies vorkam, galt anfangs als Abfall und wurde später für die Stahlhärtung interessant. Untersuchungen von 1934 bis 1937 blieben erfolglos, 1937 wurde die Grube aufgegeben. So schildern es das LGRB und showcaves.com.
2000 wurde der Hoffnungsstollen als Besucherbergwerk eröffnet. Eine Besonderheit: Nach Angaben der Gemeinde Todtmoos und des LGRB kann man den Stollen auch ohne Führung begehen.
Silberbergwerk Suggental, Waldkirch
Im Suggental bei Waldkirch ist der Silberbergbau seit 1284 urkundlich fassbar. Damals wurde der Urgraben gebaut, ein Hangkanal, der Betriebswasser über fast 15 Kilometer heranführte. Ende des 13. Jahrhunderts beendete ein Unwetter mit Überflutung den Bergbau; das LGRB nennt 1288. Seit 1986 arbeitet ein Verein an der Grube Erich, die Teile des alten Reviers zeigt. Geführt wird an festen Tagen und auf Anfrage.
Silber im Kinzigtal und im mittleren Schwarzwald
Grube Wenzel, Oberwolfach
Die Grube Wenzel ist ein Kind des 18. Jahrhunderts. Um 1760 nahm der Bergschreiber Kapf den Abbau wieder auf, und bis 1823 erlebte die Grube ihre ertragreiche Zeit, so das LGRB, Wikipedia und Schwarzwald Tourismus. Ein 1997 gegründeter Förderverein grub die Stollen in ehrenamtlicher Arbeit wieder frei, 2001 öffnete das Besucherbergwerk. Zu sehen sind ein silberhaltiger Barytgang, Spuren von Schlägel und Eisen sowie Sprengspuren; der Rundgang ist rund einen Kilometer lang.
Wer in Oberwolfach ist, verbindet den Besuch am besten mit dem MiMa im Ort. Die aktive Grube Clara liegt im selben Tal.
Besucherbergwerk Segen Gottes, Haslach-Schnellingen
Am Schnelling bei Haslach im Kinzigtal ist Silberbergbau seit dem Mittelalter belegt. Den Namen „Segen Gottes“ gab der Grube Bergdirektor Michel, der sie von 1711 bis 1714 wieder in Betrieb nahm; das schreiben das LGRB und showcaves.com. Von den vier Sohlen sind drei zugänglich. Unterwegs sieht man Tropfsteine aus Ocker, eine hölzerne Pumpe aus dem 18. Jahrhundert und eine Haspel. Befahrbar ist das Besucherbergwerk seit 2003, offiziell eingeweiht wurde es 2004.
Silbergründle, Seebach
Im Silbergründle bei Seebach wurde vom 12. oder 13. Jahrhundert bis um 1770 Bleiglanz mit Silber abgebaut, berichten showcaves.com und Wikipedia. 1978 wurden die Stollen wiederentdeckt, seit 1984 ist die Grube Schaubergwerk, geführt von den Freiwilligen Erzknappen vom Silbergründle. Rund um den Silberberg führt ein Bergbaupfad von gut sieben Kilometern an Schächten, Versuchsstollen und den beiden Eingängen des Besucherbergwerks vorbei. Führungen gibt es nach Vereinbarung über die Tourist-Information Seebach.
Silber und Eisen im Nordschwarzwald
Besucherbergwerk Neubulach
Neubulach war eine Bergstadt. Silber- und Kupfererze machten sie im 14. Jahrhundert reich, Wiederbelebungsversuche im 16. und 18. Jahrhundert blieben kurz, so das LGRB und showcaves.com. Im Gestein finden sich Azurit, früher als blaues Farbpigment begehrt, und grüner Malachit. Im 20. Jahrhundert wurde aus den Halden noch Wismut gewonnen.
1969 gründete sich eine Stollengemeinschaft, die rund 7.000 Arbeitsstunden investierte, bis der Hella-Glück-Stollen 1970 für Besucher öffnete. Seit 1972 gibt es dort eine Therapiestation, in der Atemwegspatienten die Stollenluft nutzen, so Wikipedia und eine Broschüre der „Straße der Kälte“. Die Wirkung beschreiben die Anbieter, belegt ist sie damit nicht; Details stehen auf der Seite über Heilstollen.
Himmlisch Heer, Dornstetten-Hallwangen
Ein Bergwerk mit einer kurzen ersten Geschichte: Von 1723 bis 1726 wurde in Hallwangen nach Silber und Kupfer gegraben, dann brach Wasser ein, und die Grube wurde aufgegeben. Von 1850 bis 1860 baute man Schwerspat ab, Silber und Kupfer fielen nur nebenbei an, so das LGRB und showcaves.com. Ein 1995 gegründeter Förderkreis machte die Grube wieder zugänglich, im Jahr 2000 öffnete das Besucherbergwerk. Im Gang sind Fahlerz, Azurit und Malachit zu sehen.
Historisches Besucherbergwerk Freudenstadt
Bei Freudenstadt liegt die ehemalige Grube „Heilige Drei Könige“. Das Besucherbergwerk öffnete 1999, zum 400-jährigen Stadtjubiläum, so das LGRB, showcaves.com und Schwarzwald Tourismus. Im Stollen ist die eingemeißelte Jahreszahl 1556 zu sehen. Das LGRB ordnet die Anlage als Erkundungsbergwerk ein, in dem kein Erz gefördert wurde. Die Angaben zum Betrieb sind beim Betreiber zu prüfen.
Besucherbergwerk Frischglück, Neuenbürg
Ganz im Norden, südlich von Pforzheim, ging es um Eisen. In Neuenbürg wurde manganreicher Brauneisenstein, der sogenannte Glaskopf, zusammen mit Schwerspat abgebaut. Eisen wurde in der Gegend schon vor rund 2.600 Jahren verhüttet, in keltischen Rennöfen. Das Ende kam zwischen 1866 und 1869: Die Vorräte schrumpften, und mit der Eisenbahn kam billigeres Erz aus Schweden. Am 30. März 1985 öffnete das Besucherbergwerk, betrieben von einem Neuenbürger Bergbauverein. So beschreiben es das LGRB und showcaves.com.
Ein Bergwerk im Schwarzwald besichtigen: was vor dem Besuch hilft
Wer zum ersten Mal ein Besucherbergwerk im Schwarzwald plant, sollte eines wissen: Fast alle Gruben werden von Vereinen betrieben. Das hat Folgen für die Planung: Geführt wird saisonal, meist im Sommerhalbjahr und oft nur an Wochenenden oder nach Vereinbarung. Die Ausnahmen sind der Schauinsland mit festen Führungen und der Hoffnungsstollen, der auch ohne Führer begangen werden kann. Termine stehen beim Betreiber, und gerade bei den kleinen Gruben lohnt ein Anruf vor der Fahrt.
Unter Tage ist es kühl und feucht, auch im August. Feste Schuhe und eine warme Jacke gehören in jeden Rucksack. Wer mit Kindern kommt, fragt nach der Altersgrenze, denn Leitern wie am Schauinsland sind nichts für Kleinkinder. Für Familien eignen sich eher der Finstergrund mit seiner Grubenbahn oder ein kurzer Rundgang wie in der Grube Wenzel.
Zwei Touren bieten sich an. Im Süden liegen Schauinsland, Teufelsgrund und Finstergrund so nah beieinander, dass zwei davon an einem Tag möglich sind. Im Kinzigtal lassen sich Grube Wenzel, das MiMa und Segen Gottes in Haslach verbinden. Wer aus Franken oder Thüringen anreist, findet näher gelegene Gruben über die Suche nach Besucherbergwerken in der Nähe, alle übrigen in der Übersicht der Besucherbergwerke. Und wer nach dem Schwarzwälder Silber sehen möchte, wie Bergbau im Fichtelgebirge aussah: Am Gleißinger Fels in Fichtelberg glänzt das Erz ebenfalls silbern, ist aber Eisenglimmer, dort „Silbereisen“ genannt.

