Goslar ist ohne den Rammelsberg nicht zu erklären, Clausthal-Zellerfeld nicht ohne seine Silbergruben, und die Teiche, die heute zwischen den Fichten des Oberharzes glitzern, wurden einmal angelegt, um Wasserräder unter Tage anzutreiben. Hinter dem Stichwort Besucherbergwerk Harz steckt deshalb nicht eine einzelne Attraktion, sondern ein ganzes Bergbaurevier, das sich über drei Landschaften verteilt: den Rammelsberg am Nordrand, den Oberharz um Clausthal-Zellerfeld und Sankt Andreasberg und den Ost- und Südharz in Sachsen-Anhalt.
Diese Seite stellt jedes Bergwerk im Harz aus dem Katalog vor, das Besucher heute betreten können, mit einer kurzen Einordnung, was dort abgebaut wurde und was man unter Tage sieht. Danach folgt, wie sich ein Besuch nach Teilregion planen lässt. Die Tabelle fasst alle Gruben zusammen.
| Name | Ort | Bundesland | Erz oder Art |
|---|---|---|---|
| 19-Lachter-Stollen | Clausthal-Zellerfeld (Wildemann) | Niedersachsen | Blei, Zink, Silber |
| Besucherbergwerk Grube Lautenthals Glück | Langelsheim (Lautenthal) | Niedersachsen | Bleiglanz, Zinkblende (Silber) |
| Besucherbergwerk Grube Samson | Braunlage (Sankt Andreasberg) | Niedersachsen | Silber (Blei) |
| Lehrbergwerk Grube Roter Bär | Braunlage (Sankt Andreasberg) | Niedersachsen | Eisenerz, Silber (mit Grube Wennsglückt) |
| Oberharzer Bergwerksmuseum (mit Schaubergwerk) | Clausthal-Zellerfeld | Niedersachsen | Silber, Blei (Oberharzer Gangerzbergbau); Museum mit Schaubergwerk |
| Weltkulturerbe Rammelsberg – Museum & Besucherbergwerk | Goslar | Niedersachsen | Kupfer, Blei, Zink, Silber |
| Bergwerksmuseum Grube Glasebach | Harzgerode (Straßberg) | Sachsen-Anhalt | Flussspat (Fluorit), historischer Erzbergbau |
| Erlebniszentrum Bergbau Röhrigschacht Wettelrode | Sangerhausen (Wettelrode) | Sachsen-Anhalt | Kupferschiefer |
| Schaubergwerk Büchenberg | Oberharz am Brocken (Elbingerode) | Sachsen-Anhalt | Eisenerz |
Bergbau im Harz: Silber, Blei und Wasser
Der Harz war über Jahrhunderte vor allem ein Silberrevier. Im Oberharz wurden Silber, Kupfer, Blei, Eisen und später Zink gewonnen, und das Silber brachte das meiste Geld; so beschreiben es die Wikipedia-Artikel zum Oberharzer Wasserregal und zum Oberharzer Bergwerksmuseum. Am Rammelsberg bei Goslar lieferte das Erz neben Kupfer, Blei und Zink auch Silber und etwas Gold, berichten Wikipedia und showcaves.com.
Wie alt der Bergbau am Rammelsberg ist, lässt sich nicht auf ein Jahr festlegen. Widukind von Corvey schreibt, Otto der Große habe 968 in Sachsen Silberadern erschlossen; ob damit der Rammelsberg gemeint war, ist umstritten. Die ältesten Funde aus dem Bergwerk werden ins 9. bis 10. Jahrhundert datiert. Sicher ist, dass am Rammelsberg mehr als tausend Jahre lang Erz gefördert wurde, insgesamt rund 27 Millionen Tonnen.
Das größte Problem der Bergleute war nicht das harte Gestein, sondern das Wasser. Je tiefer die Gruben wurden, desto mehr Grundwasser lief nach, und ohne Pumpen soffen sie ab. Im Oberharz baute man deshalb über Jahrhunderte ein System aus Teichen, Gräben und unterirdischen Wasserläufen, das Regenwasser sammelte, speicherte und auf Wasserräder leitete. Diese Räder trieben Pumpen und Förderanlagen an. Nach Wikipedia und ADAC kamen dabei rund 500 Kilometer Gräben und etwa 30 Kilometer unterirdische Wasserläufe zusammen, dazu weit über hundert Stauteiche. Wikipedia bezeichnet dieses Oberharzer Wasserregal als das bedeutendste vorindustrielle Wasserwirtschaftssystem des Bergbaus weltweit.
Auch die soziale Absicherung von Bergleuten hat eine frühe Spur am Rammelsberg. Eine Urkunde des Hildesheimer Bischofs Johann I. vom 28. Dezember 1260 erwähnt eine Bruderschaft am Rammelsberg, die kranke Bergleute und ihre Familien unterstützte; Wikipedia und evangelisch.de sehen darin einen Vorläufer der Knappschaft. Und noch ein Wort aus dem Revier hat überlebt: Das Lachter, ein altes bergmännisches Längenmaß, war in Clausthal 1,92 Meter lang. Der 19-Lachter-Stollen trägt es im Namen.
Das Ende kam in Wellen. Um 1930 endete der Bergbau an vielen Gruben des Oberharzes, in Lautenthal 1930/31. Die Grube Samson in Sankt Andreasberg hatte schon 1910 aufgegeben. Der Rammelsberg förderte am längsten: Am 30. Juni 1988 endete dort der Bergbau.
Welterbe Rammelsberg, Goslar und Oberharzer Wasserwirtschaft
1992 nahm die UNESCO das Bergwerk Rammelsberg zusammen mit der Altstadt von Goslar in die Welterbeliste auf. 2010 wurde die Stätte um die Oberharzer Wasserwirtschaft erweitert und heißt seither „Bergwerk Rammelsberg, Altstadt von Goslar und Oberharzer Wasserwirtschaft“. Das belegen die Wikipedia-Artikel zum Rammelsberg, zum Wasserregal und zur Grube Samson übereinstimmend.
Für Besucher ist die Erweiterung wichtiger, als sie klingt. Zum Welterbe gehören seit 2010 nicht nur Teiche und Gräben, sondern auch Gruben, die man betreten kann, etwa die Grube Samson und der 19-Lachter-Stollen. Die Stiftung Welterbe im Harz führt sie zusammen mit dem Rammelsberg, dem Oberharzer Bergwerksmuseum, den Rosenhöfer Kehrradstuben und dem Schacht Kaiser Wilhelm II. in Clausthal auf. Eines der Welterbe-Infozentren ist im Oberharzer Bergwerksmuseum in Clausthal-Zellerfeld untergebracht.
Ein Teil des alten Wassersystems wird übrigens bis heute unterhalten. Zum Welterbe gehört allerdings nicht jede Grube; die Bergwerke in Sachsen-Anhalt führt die Stiftung Welterbe im Harz nicht auf.
Wer zwischen zwei Grubenbesuchen am Damm eines Oberharzer Teichs entlangläuft, steht also schon mitten im Welterbe.
Der Rammelsberg in Goslar: Museum und Besucherbergwerk
Der Rammelsberg liegt am Südrand von Goslar und ist heute Museum und Besucherbergwerk zugleich. Seit 1992 ist das Bergwerk Welterbe.
Unter Tage zeigt der Rammelsberg zwei sehr verschiedene Zeiten. Die Führung durch den Roeder-Stollen folgt dem Weg des Wassers durch den Berg zu großen hölzernen Wasserrädern in einer Radstube, mit denen Grubenwasser gehoben wurde, bevor es Dampfmaschinen gab. Die zweite große Führung fährt mit der Grubenbahn vor Ort und zeigt den Bergbau des 20. Jahrhunderts mit Bohren, Sprengen und Laden; beide Touren beschreiben der Betreiber und showcaves.com. Für Rollstuhlfahrer gibt es bei der Grubenbahn-Führung ein sogenanntes Rolli-Mobil.
Daneben gibt es eine Führung durch den mittelalterlichen Rathstiefsten Stollen und eine mit dem Schrägaufzug über das Gelände. Welche Führungen an einem bestimmten Tag laufen, steht im Programm des Betreibers.
Der Rammelsberg ist das bekannteste Besucherbergwerk harzweit, und die meisten fangen hier an. Das hat Gründe. Er ist groß, er zeigt Mittelalter und 20. Jahrhundert an einem Ort, und Goslars Altstadt liegt gleich daneben. Wer nur einen Tag hat, ist hier richtig.
Besucherbergwerke im Oberharz besichtigen
Der Oberharz ist das dichteste Revier. Zwischen Lautenthal, Wildemann, Clausthal-Zellerfeld und Sankt Andreasberg liegen fünf Gruben und Museen, die man besichtigen kann, keine davon weiter als eine gute halbe Autostunde von der nächsten entfernt.
Oberharzer Bergwerksmuseum, Clausthal-Zellerfeld
Das Museum in Zellerfeld wurde 1892 gegründet und gilt nach Wikipedia als eines der ältesten Technikmuseen Deutschlands; Niedersachsen Tourismus nennt es sogar das älteste Bergbaumuseum des Landes. Zum Museum gehört ein Schaubergwerk, das auf dem Museumsgelände nachgebaut wurde. Es ist also kein Originalbergwerk, sondern ein Anschauungsstollen, der zeigt, wie es in den Oberharzer Gruben aussah. Außerdem ist dort das Welterbe-Infozentrum für Clausthal-Zellerfeld untergebracht, und das Museum bietet Welterbe-Führungen zu weiteren Anlagen der Wasserwirtschaft an. Mehr zu Museen dieser Art steht auf der Seite über Bergbaumuseen.
19-Lachter-Stollen, Wildemann
Der 19-Lachter-Stollen in Wildemann gehört zur Oberharzer Wasserwirtschaft und seit 2010 zum Welterbe. Die Führungen gehen durch den Stollen und zur Grube Ernst August. Das „Lachter“ im Namen ist das alte Längenmaß der Bergleute, von dem oben schon die Rede war. Der Stollen ist nur in der Saison geöffnet, die Termine nennt der Betreiber.
Grube Lautenthals Glück, Lautenthal
In Lautenthal wurde silberhaltiger Bleiglanz mit Zinkblende abgebaut. 1930 beziehungsweise 1931 endete der reguläre Abbau, und seit den 1970er-Jahren ist die Grube ein Museum mit Besucherbergwerk; showcaves.com nennt 1975 als Eröffnungsjahr, ERIH spricht von den 1970er-Jahren. Besucher fahren mit der Grubenbahn in den Berg. Die eigentliche Besonderheit ist aber eine Bootsfahrt unter Tage: Auf rund 110 Metern geht es in einem nachgebauten Erzkahn durch einen alten Stollen, so wie früher Erz transportiert wurde. Die Grube steht deshalb auch auf der Seite zu Besucherbergwerken mit Grubenbahn.
Grube Samson, Sankt Andreasberg
Die Grube Samson ist das zweite große Aushängeschild, und nirgends sonst läuft noch eine Fahrkunst. Hier wurde von etwa 1521 bis zum 31. März 1910 Silber abgebaut. Weltbekannt ist sie wegen ihrer Fahrkunst: 1837 eingebaut, gilt sie als die letzte noch funktionierende Anlage dieser Art. Die Fahrkunst war eine Art Aufzug aus zwei hin- und hergehenden Gestängen, auf denen die Bergleute Stufe für Stufe in die Tiefe oder nach oben stiegen. Angetrieben wurde sie von einem Wasserrad mit 12 Metern Durchmesser, dem sogenannten Kunstrad. 1987 erklärte die American Society of Mechanical Engineers die Anlage zum internationalen Denkmal des Maschinenbaus.
Wer außer der Technik eine echte Grube sehen will, kann von Samson aus in die benachbarte Grube Catharina Neufang gehen, die showcaves.com ausdrücklich empfiehlt. Samson gehört zum Welterbe und zum Thema Silberbergwerke.
Lehrbergwerk Grube Roter Bär, Sankt Andreasberg
Nur wenige Minuten von Samson entfernt liegt die Grube Roter Bär, in der Brauneisenerz abgebaut wurde. Ihre Geschichte als Besucherbergwerk ist bemerkenswert. 1931 übernahm der St. Andreasberger Verein für Geschichte und Altertumskunde die Grube und richtete dort nach Wikipedia und showcaves.com das erste Besucherbergwerk des Harzes ein. Im Zweiten Weltkrieg endeten die Führungen. Seit 1988 hält eine Arbeitsgruppe Bergbau des Vereins die Grube wieder offen, ehrenamtlich und mit wenigen Öffnungstagen in der Saison.
Bergwerke im Ost- und Südharz
Östlich des Brockens wechselt mit dem Bundesland auch das Erz. In Sachsen-Anhalt ging es weniger um Silber als um Eisen, Flussspat und Kupferschiefer.
Schaubergwerk Büchenberg, Elbingerode
Am Büchenberg bei Elbingerode wurde Eisenerz abgebaut, von 1936 bis zum 30. April 1970. Heute führt ein rund 600 Meter langer Rundgang durch das Bergwerk, und dabei laufen die Maschinen aus dem DDR-Bergbau der 1950er- und 1960er-Jahre: Überkopflader, Bohrhämmer und ein Erzschrapper. Zu sehen ist auch der Antrieb der früheren Seilbahn, die das Erz zur Bahn ins Tal brachte; Betreiber, Geopark und showcaves.com nennen sie die einst längste Seilbahn Europas. Weil der Rundgang auf einer Sohle liegt, beschreiben ihn Betreiber, Wikipedia und showcaves.com als geeignet für Rollstuhlfahrer.
Bergwerksmuseum Grube Glasebach, Straßberg
Bei Straßberg, einem Ortsteil von Harzgerode, liegt die Grube Glasebach. Bergbau gab es in der Gegend schon um 1400; in jüngerer Zeit wurde hier vor allem Flussspat gefördert. Heute ist die Grube ein Bergwerksmuseum mit Schaubergwerk. Wie lang die Führung ist, ist in den Quellen nicht einheitlich beschrieben, das klärt man vor Ort.
Röhrigschacht Wettelrode, Sangerhausen
Am südöstlichen Harzrand, bei Sangerhausen, wurde Kupferschiefer abgebaut. Im Röhrigschacht in Wettelrode fahren Besucher auf 283 Meter Tiefe ein und dann mit der Grubenbahn bis zu einem Abbau aus dem 19. Jahrhundert. Das Museum über Tage öffnete 1987, das Schaubergwerk 1991. Das Fördergerüst des Schachts zählt zu den ältesten Europas, die noch in Betrieb sind.
Ein Bergwerk im Harz besichtigen: Planung nach Teilregion
Der Harz ist für ein Wochenende zu groß, um alles zu sehen, aber gut, um ein Revier gründlich anzuschauen. Am einfachsten ist es, nach Teilregion zu planen.
Besucherbergwerk Harz für einen Tag: Goslar und Nordharz. Rammelsberg und Altstadt füllen einen Tag mühelos. Lautenthal liegt von Goslar aus nicht weit im Westen und lässt sich gut am selben oder am nächsten Tag anhängen.
Bergwerk Harz und Wandern: Clausthal-Zellerfeld und Wildemann. Hier liegen das Oberharzer Bergwerksmuseum und der 19-Lachter-Stollen dicht beieinander, dazu die Teiche und Gräben der Wasserwirtschaft. Wer gern wandert, verbindet beides mit einem Weg entlang der Gräben.
Besucherbergwerk Harz mit Technikgeschichte: Sankt Andreasberg. Grube Samson und Roter Bär liegen im selben Ort. Roter Bär hat nur wenige Öffnungstage, deshalb lohnt sich der Blick in den Kalender des Vereins, bevor man die Fahrt plant.
Bergwerk Harz abseits des Silbers: Ost- und Südharz. Büchenberg, Glasebach und Röhrigschacht liegen weiter auseinander. Für sie braucht man eher einen eigenen Tag, und sie sind die richtige Wahl für alle, die Eisen, Flussspat und Kupferschiefer statt Silber sehen wollen.
Ein Punkt gilt überall: Unter Tage ist es kühl und oft feucht, und viele Führungen sind nur mit festen Schuhen sinnvoll. Kinderaltersgrenzen, Barrierefreiheit und Führungszeiten unterscheiden sich von Grube zu Grube, also lohnt der Blick auf die Seite des jeweiligen Betreibers.
Wer aus einer anderen Richtung kommt, findet über die Suche nach Besucherbergwerken in der Nähe die nächstgelegenen Gruben, und der Katalog aller Besucherbergwerke zeigt, was es außerhalb des Harzes gibt. Ein Gegenstück im Süden ist das Silbereisenbergwerk Gleißinger Fels im Fichtelgebirge.
Und noch etwas hört man im Oberharz bis heute: den Bergmannsgruß „Glück auf“. Er stammt aus dem sächsischen Bergbau, ist aber laut Wikipedia und Wiktionary im Harz genauso Alltagsgruß geblieben wie im Erzgebirge oder im Ruhrgebiet. Wer nach der Führung damit verabschiedet wird, kann ihn ruhig zurückgeben.

